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Die Palette an Betreuungsangeboten für Grundschüler in München ist bunt. Nun soll sie noch bunter werden.

Ganztagsangebote: Weiteres Modell ab September

Grundschulen: Sorge um die Mittagsbetreuungen

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München - Der Ausbau von Betreuungsplätzen für Grundschulkinder geht voran, wenn auch zäh. Doch nun fürchtet das Bildungsreferat neue Komplikationen.

Die Palette an Betreuungsangeboten für Grundschüler in München ist bunt. Favorit der Stadt ist seit einem Stadtratsbeschluss von 2010 der gebundene Ganztag. Hintergrund ist, dass diese Schulform für das pädagogisch überlegene Konzept gehalten wird. Daneben baut die Stadt auch Tagesheime und Horte weiter aus, zudem unterstützt sie die privaten Mittagsbetreuungen. Insgesamt sind so zurzeit 74 Prozent aller Grundschüler versorgt. Die Lücke zum Bedarf – 86 Prozent – schrumpft langsam, aber beharrlich.

Allerdings haben Eltern bisher oft keine Wahl, sondern nehmen jeden Platz, den sie kriegen können – ungeachtet der Betreuungsform, die sie am besten finden. In diese Situation stößt der Freistaat mit dem Beschluss vom März 2015 hinein, dass es künftig noch weitere Angebote geben soll. Das Bildungsreferat fürchtet seitdem, dass alles noch unübersichtlicher wird – und dass die neuen Modelle bewährte Formen verdrängen könnten. Am Dienstag berät der Kinder- und Jugendhilfeausschuss.

Unterricht bis Mittag, pädagogisch gestalteter Nachmittag

Ab dem kommenden Schuljahr sollen Grundschulen in München auch den offenen Ganztag anbieten können. Damit will die CSU zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie zu mehr Chancengerechtigkeit und individueller Förderung beitragen, als dies die klassische Halbtagsschule in vielen Familien ermöglicht. Bis zur kommenden Woche können Schulen ihr Interesse bekunden, ab September eines der drei Modelle einzuführen, die derzeit bayernweit in einer Pilotphase erprobt werden. Vereinfacht gesagt unterscheidet sich der offene vom gebundenen Ganztag dadurch, dass der Unterricht nur bis mittags geht und der Nachmittag pädagogisch gestaltet wird. Vorteil für Eltern ist, dass sie flexibler buchen können. Doch die Hauptprobleme der Ganztagsschule räumen auch die neuen Modelle nicht aus: Freitagnachmittags und in den Ferien gibt es keine Betreuung.

Laut einer Sprecherin des Bildungsreferats zeigen von den 135 Münchner Grundschulen bisher erst vier Interesse. Im Juni läuft die Antragsfrist aus. Nichtsdestotrotz herrscht bereits Aufregung: bei Eltern, Schulleitungen und insbesondere bei den Mittagsbetreuungen, die von Eltern organisiert sind. Fast jede Schule hat eine Mittagsbetreuung, insgesamt besuchen sie 10 000 Kinder. Petra Novi vom Verein Klein-Kinder-Tagesstätten (KKT), der die Organisatorinnen berät, sagt: „Die Mittagsbetreuungen sind sehr skeptisch, ob sie künftig überhaupt bestehen können.“ Ihre Sorge gilt vor allem der Finanzierung: Wenn eine Schule sich entschließt, den offenen Ganztag einzuführen, fallen die Zuschüsse für die Mittagsbetreuung weg, die es seit 1991 gibt. Zwar könnten sich Mittagsbetreuungen als Kooperationspartner des Ganztags bewerben, doch dann konkurrieren sie mit Vereinen der Jugendarbeit. Laut KKT schätzen Eltern die Mittagsbetreuungen sehr, gerade wegen ihrer Flexibilität, und sie seien gut etabliert. Zudem bieten sie laut Novi aktuell rund 1000 Arbeitsplätze, meist Minijobs.

Erzieher-Not spielt entscheidende Rolle

Das Bildungsreferat lehnt den offenen Ganztag rundheraus ab. Die neuen Modelle seien „nur ein kleiner Schritt in Richtung Bildungsgerechtigkeit“, schreibt Referent Rainer Schweppe (SPD) in der Beschlussvorlage. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass der rhythmisierte Unterricht des gebundenen Ganztags – wo sich Lern-, Übungs-, Entspannungs- und Freizeitphasen abwechseln – am besten sei. Doch auch die Erzieher-Not spielt in München eine entscheidende Rolle. Der offene Ganztag ist auf diese Fachkräfte angewiesen, während der gebundene Ganztag hauptsächlich mit Lehrern arbeitet. Das Bildungsreferat regt nun an, im Gespräch mit der Staatsregierung und den Schulleitungen an Kombinationen von offenem und gebundenem Ganztag zu arbeiten, um vor allem sicherzustellen, dass es künftig auch eine Betreuung über 16 Uhr hinaus, freitags und in den Ferien gibt. Das dürfte vielen Eltern wohl mit am wichtigsten sein.

Diese Modelle gibt es in München

Gebundener Ganztag:

  • fester Klassenverbund 
  • Pflichtunterricht verteilt sich auf Vor- und Nachmittag 
  • rhythmisierter Tagesablauf 
  • ergänzend Freizeitaktivitäten und Projekte durch externe Partner 
  • Öffnungszeiten: 4 Wochentage je 7 Stunden (bis 16 Uhr), freitags in der Regel bis Mittag
  • Ferienangebot: Aktivitäten durch externe Partner (in der Praxis nur an wenigen Schulen)
  • Kosten: keine Elternbeiträge, nur Essensgeld

Offener Ganztag

  • fester Klassenverbund
  • Pflichtunterricht verteilt sich auf Vor- und Nachmittag 
  • rhythmisierter Tagesablauf 
  • ergänzend Freizeitaktivitäten und Projekte durch externe Partner 
  •  Öffnungszeiten: 4 Wochentage je 7 Stunden (bis 16 Uhr), freitags in der Regel bis Mittag 
  •  Ferienangebot: Aktivitäten durch externe Partner (in der Praxis nur an wenigen Schulen) 
  •  Kosten: keine Elternbeiträge, nur Essensgeld

Hort-/Tagesheim

  • nach dem Schulunterricht 
  • Gruppenstärke von 25 Kindern plus eine Erzieherin und eine Ergänzungskraft 
  • meist städtisch, einige in freier Trägerschaft 
  • Öffnungszeiten: montags bis freitags, ab Unterrichtsende bis 17 oder 18 Uhr 
  • Ferienangebot: ganztägig geöffnet bis auf zwei Wochen in den Sommerferien
  • Kosten: je nach Buchungszeit zwischen 0 und 145 Euro plus Essensgeld

Mittagsbetreuung

  • nach dem Schulunterricht
  • private Trägerschaft, in der Regel durch Elterninitiativen organisiert
  • Angebote: abhängig vom Konzept des Trägers. Neben Freizeitaktivitäten meist auch eine Hausaufgabenbetreuung
  • Öffnungszeiten: nach dem Unterricht, Ende 14.30, spätestens 16.30 Uhr 
  • Ferienangebot: je nach Konzept und Bedarf
  • Kosten: zwischen 80 und 150 Euro plus Essensgeld

Christine Ulrich

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