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Geisterradlern (oben) wollen Polizei und Stadt den Kampf ansagen

Verstärkte Kontrollen

Achtung! Ab Montag sind Radler im Visier der Polizei

  • Moritz Homann
    VonMoritz Homann
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  • Stefanie Wegele
    Stefanie Wegele
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München - Knapp 2600 Fahrradunfälle hat die Polizei im Jahr 2014 im Stadtgebiet registriert – neun Prozent mehr als im Vorjahr. Für mehr Sicherheit werden die Beamten ab Montag verstärkt kontrollieren. Unter anderem auch an der Rosenheimer Straße – um die weiter Streit tobt.

Eine Million Fahrten – so schätzt die Stadt – absolvieren die Münchner im Schnitt täglich mit dem Radl. Vor drei Jahren waren es noch etwa 600 000. Da immer mehr Menschen in die Landeshauptstadt ziehen, von denen die meisten sich umweltbewusst und sportlich fortbewegen, rechnen Polizei und Stadt in den kommenden Jahren auch mit mehr Radfahrern. Entsprechend gut ausgebaut sollen laut Stadt die Wege sein. „Uns ist wichtig, dass Radfahren in München auch sicher ist“, sagt Polizeivizepräsident Robert Kopp.

Deshalb findet heuer zum fünften Mal die Aktion „Gscheid radln – aufeinander achten“ statt. Ab Montag nehmen Polizei und Stadt bei ihrer gemeinsamen Kampagne Radler ins Visier. „Unsere Kontrollen betreffen aber auch Autofahrer und Fußgänger“, betont Kopp. Ein wichtiges Ziel der Kampagne sei, dass alle Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoller miteinander umgehen und die Verkehrsregeln mehr beachten. „Nach unseren Aktionen haben wir – zumindest temporär – einen Rückgang der Unfallzahlen bemerkt“, berichtet Kopp. Die größten Unfall-Risiken seien, als Geisterradler unterwegs zu sein und betrunken zu radeln. Die Promille-Grenze für Radler liegt bei 1,6 Promille. „Schon ab 0,3 leidet jedoch die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.“ Aufklären will die Polizei ab Montag, wie gefährlich es für Radler und Fußgänger ist, bei Roter Ampel über die Straße zu fahren oder zu gehen. Autofahrer werden ermahnt, wenn sie beim Abbiegen nicht aufpassen, auf Radwegen parken und Autotüren einfach aufreißen. Laut Norbert Bieling vom Kreisverwaltungsreferat werden in den kommenden zwei Wochen vor allem „neuralgische Punkte“ wie die Residenzstraße und die Rosenheimer Straße kontrolliert.

Um die Rosenheimer Straße tobt bekanntlich schon lange ein Streit. Mittlerweile zanken sich vor allem die schwarz-rote Rathaus-Koalition und die Radl- und Ökoverbände der Stadt. Letztere finden die von Schwarz-Rot angestrebte Lösung „extrem gefährlich“. Wie berichtet, wollen die Bündnispartner die Autospuren an der Rosenheimer Straße verschmälern und Parkplätze streichen, um auf jeder Seite einen größeren Gehweg und einen 1,50 Meter breiten Radweg zu ermöglichen. Die Autospuren wären dann noch 2,85 Meter breit. Dass das völlig ausreicht, will die SPD mit dem Beispiel eines anderen Orts zeigen: der Kapuzinerstraße. Seit der Umgestaltung im Jahr 2013 gibt es hier einen 1,50 Meter breiten Schutzstreifen, also genau so breit, wie er an der Rosenheimer Straße vorgesehen ist. Die Autospuren sind an der Kapuzinerstraße sogar etwas enger. „Wenn das hier funktioniert, warum soll es dann an der Rosenheimer Straße nicht funktionieren?“, fragt deshalb SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Die Reaktion aus der grünen Ecke folgt prompt: „Dieses Beispiel mit der Kapuzinerstraße taugt überhaupt nicht“, schimpft Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. An der Kapuzinerstraße könne man beispielsweise nicht parken, weshalb keine Gefahr bestehe, dass Radfahrer durch Zusammenstöße mit Autotüren zu Schaden kommen. In der Rosenheimer Straße hingegen sei die Verkehrssituation deutlich „unübersichtlicher und gefährlicher“, so Bickelbacher. SPD und CSU wollen sich davon jedoch nicht beirren lassen und halten an ihrem Plan für die Rosenheimer Straße fest. Derweil hat der Münchner Umweltschutzverein „Green City“ für Dienstag zu einer großen Diskussion über den Radlweg dort eingeladen. Teilnehmen sollen alle wichtigen Umwelt- und Verkehrsverbände sowie die Stadtratsfraktion der Grünen. Die unendliche Geschichte um einen Radlweg, sie geht immer noch ein Stückchen weiter.

Zwei Wochen lang werden Radler ab Montag verstärkt informiert und bei schweren Verstößen zur Kasse gebeten. Ab 20 Euro kostet zum Beispiel das Geisterradeln. Im September wiederholen Stadt und Polizei die Aktion.

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