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Eine Frage der Zeit: Dank dieser Fahrzeitmesser wussten Trambahnfahrer vor 197 8, ob sie im Zeitplan liegen. Sechs dieser speziellen Uhren besitzt Günther Starabin – aber er hofft auf mehr.

Die Fundgrubengeschichte

Die Uhren, die Pünktlichkeit sehr genau nahmen

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München - Eine Kleinanzeige, oft sind das nur zwei knappe Zeilen. Doch hinter ihnen verbirgt sich manch spannende Geschichte. Zum Beispiel die, von sechs alten Trambahn-Uhren, die die Pünktlichkeit sehr genau nahmen.

Manchmal wäre Günther Starabin ja gerne ein bisschen älter. Nur, um schon ein paar Jahrzehnte früher Trambahnfahrer in München gewesen sein zu können. Denn so ein paar Dinge hätte er gerne noch miterlebt. Zum Beispiel: Fahrzeitmesser. Das waren Uhren, die nur Trambahnfahrer lesen konnten. Denn statt Zahlen sind darauf Abkürzungen für Haltestellen zu sehen. Und die mussten sie möglichst genau dann erreichen, wenn der Zeiger dort angekommen war. In den allermeisten Fällen hat das geklappt. „Manchmal kamen die Trambahnen damals sogar zu pünktlich“, erzählt Starabin. Das war genauso unerfreulich wie zu spät zu kommen. „Auch dafür gab’s eine Verwarnung vom Streckenverkehrsmeister.“ Nur konnten die Fahrer Überpünktlichkeit eben besser ausgleichen. „Ein Trambahnfahrer, der kurz ausgestiegen ist, um sich beim Metzger eine Leberkässemmel zu holen, war damals keine Seltenheit“, erzählt Starabin. „Und kein Fahrgast hätte deswegen geschimpft.“

Diese wunderbaren Zeitmesser sind Ende der 70er Jahre aus den Straßenbahnen verschwunden und durch elektrische Geräte ersetzt worden. Günther Starabin kennt sie nur ausgebaut. Er hatte das Glück, einmal eine dieser Wagenuhren aus einem Nachlass zu ergattern. Seitdem sind sie sein „Hirngespinst“, wie er es nennt. Er will mehr. Soviele Routen wie er kriegen kann.

Sechs hat er sich schon zusammengesammelt. Doch seine Hoffnung ist groß, dass der eine oder andere Trambahnfahrer seiner Familie eine dieser Uhren hinterlassen hat – und er sie den Angehörigen abkaufen könnte. Deshalb seine Kleinanzeige. Das Kapitel „Fahren mit Zeit“ in der langen Geschichte der Münchner Trambahnen findet er einfach zu spannend, um mit dem Suchen aufzuhören. Denn man kommt dabei so schön ins Philosophieren. „Natürlich ist es heute allen noch viel wichtiger als früher, pünktlich zu sein“, sagt Günther Starabin. „Aber dabei ist uns allen doch auch ein Stück Gemütlichkeit verloren gegangen.“

Die Kleinanzeige

Suche nach alten Fahrzeitmessern aus Trambahnen, freue mich über jedes Fundstück Tel. 089/3142146.

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