Zerstörungswut: Bahn und Polizei zeigten gestern am Hauptbahnhof, welche Schäden Vandalen in Zügen anrichten. Diese Besucher sind selbstredend unschuldig. Foto: Kurzendörfer

Mit dem Handy gegen Vandalen

Polizei und Bahn starten eine Kampagne gegen Graffiti-Schmierereien

Zerfetzte Polster, eingeschlagene Scheiben, Schmierereien an den Wänden: Gestern ließen Bahn und Bundespolizei am Hauptbahnhof einen Ekel-Zug einfahren. So sieht’s aus, wenn Übeltäter ihrer Wut Luft machen. Und das kommt immer häufiger vor.

In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Graffiti-Schmierereien an S-Bahnen um ganze 75 Prozent gestiegen, sagt Norbert Klimt, Vorsitzender der DB-Regionalleitung Bayern. Vandalismus-Brennpunkt ist der Ostbahnhof. Bahn und Polizei bitten nun die Bürger um Mithilfe. Mit dem Handy sollen sie dazu beitragen, dass mehr Täter gefasst werden. Die Nummer der bundesweiten Aktion Vandalismus ausbremsen: 0180/52 345 66 (14 Ct./Minute).

Bayernweit wurden vergangenes Jahr 30 Prozent mehr Züge und Bahnanlagen beschmiert als 2006, die Zahl stieg auf über 9000 Delikte. Die Ursachen für diesen Anstieg liegen laut Hubert Steiger, Präsident der Bundespolizeidirektion München, am gesellschaftlichen Wandel: „Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, das sieht man zum Beispiel am Verhalten von reisenden Fußballfans.“

Bahn und Polizei begegnen dem Phänomen mit verstärkter Überwachung. Abends ab 21 Uhr ist in allen Zügen Sicherheitspersonal unterwegs.„Jeden Tag sind 100 Mitarbeiter unterwegs“, betont Alexander Borgschulze, Leiter Regionalbereich Süd der DB Sicherheit. 105 S-Bahnen werden mit Videoanlagen ausgestattet. Trotzdem ist die Aufklärungsquote gering, sagt Hubert Steiger. Es sei unmöglich, überall auf Münchens 400 Kilometern Nahverkehrsnetz präsent zu sein. Er appelliert: „Wir wollen das Bewusstsein dafür wecken, wie schädlich das Verhalten der Täter für die Gemeinschaft ist.“ Die Verbrecher müssten finanziell zur Verantwortung gezogen werden, damit nicht alle Bahnfahrer für die Missetaten einzelner draufzahlen müssen.

René Seebacher

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