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Hauptbahnhof-Neubau bleibt Vision

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Nierentisch-Charme: Der Hauptbahnhof heute. bodmer

München - Im Streit um den Hauptbahnhof-Neubau zeichnet sich keine Lösung ab. Die Bahn prüft weiter, ob sie den Entwurf der Architekten Auer + Weber umsetzt. OB Ude rechnet indes damit, dass das Projekt ohnehin auf Eis liegt, bis die Entscheidung über die zweite Stammstrecke gefallen ist.

Fünf Monate ist es her, da lenkte die Deutsche Bahn (DB) im Streit um den geplanten Neubau des Münchner Hauptbahnhofs ein. Es werde geprüft, ob - anstatt des bahneigenen funktionalen Zweckbaus - nicht doch der preisgekrönte Entwurf des Architekturbüros Auer + Weber umgesetzt werden kann, hieß es plötzlich. Vorausgegangen war ein Eklat im Stadtrat. Ein Bahnmanager hatte sich Fragen zur Planung und Kostenrechnung der bahneigenen Billigvariante verweigert. Bis Herbst, hatte DB-Technik-Vorstand Volker Kefer dem OB Ude schließlich zugesagt, werde eine Lösung gefunden.

Nun ist Winter - und die Verhandlungen zwischen der Bahn und den Münchner Architekten ziehen sich weiter hin. Welche Richtung sie nehmen, dazu will sich die Deutsche Bahn nicht äußern. Nur so viel erklärt ein Bahnsprecher: „Wir führen konstruktive Gespräche hinsichtlich von Kosten und Funktionalität.“ Es sei aber „noch keine Entscheidung für oder gegen den Auer+Weber-Entwurf gefallen“.

Funktionaler Zweckbau oder preisgekrönte Architektur? Das ist die Streitfrage, die im Frühjahr entflammt war. Denn da hatte die Bahn umgeplant: Statt des Auer + Weber-Entwurfs, der 2006 aus einem Gestaltungswettbewerb als Sieger hervorgegangen war, wollte sie einen „funktionalen Neubau“ errichten. Mit 300 Millionen Euro sei der „70 bis 100 Millionen Euro“ billiger als der Auer + Weber-Bahnhof. Architekt Moritz Auer hatte aber für seine Pläne einen Ansatz von 252 Millionen Euro vorgelegt - bei vergleichbarer Nutzfläche. Wie belastbar die Berechnungen sind, das sollten die laufenden Gespräche unter anderem ermitteln.

Er gehe davon aus, dass die Verhandlungen „sehr gut“ verlaufen, sagte Ude unserer Zeitung. Er habe mit der Bahn und mit dem Büro Auer + Weber vereinbart, dass er verständigt werde, wenn es Schwierigkeiten gibt. „Gott sei Dank hat sich niemand an mich gewendet.“ Er glaube aber, dass „die Frage zurzeit nicht mit Hochdruck betrieben wird, weil die andere Frage - die der zweiten Stammstrecke - vorrangig ist.“

Der neue Bahnhof ist eng mit dem Vorhaben zweite S-Bahn-Röhre verbunden. Denn der Stammstrecken-Bau soll über einen tiefen Schacht am Hauptbahnhof erfolgen. Erst, wenn der Tunnel fertig ist, kann oben das neue Empfangsgebäude entstehen.

Bei der Bahn heißt es, die Planungen für den Hauptbahnhof-Neubau würden dennoch vorangetrieben. Es würden „beide Varianten mit und ohne Stammstrecke berücksichtigt“, betont der Bahnsprecher. Ude dagegen sagt: „Ich fürchte, dass am Hauptbahnhof nichts vorangeht, so lange die Frage zweite Stammstrecke - ja oder nein - nicht geregelt ist.“

Das Prestigeprojekt zweite Röhre steht seit Monaten auf der Kippe, weil die Finanzierung ungeklärt ist. Die Kosten für den Tunnel werden von den Planern inzwischen mit 2,2 Milliarden Euro beziffert - und damit rund 200 Millionen mehr als ursprünglich. Laut Wirtschaftsministerium ist die Zahl aber nicht neu. Es sei bekannt, dass sich die Kosten durch die längere Bauzeit nach der Olympiaabsage für München erhöht hätten, sagte eine Ministeriumssprecherin.

Caroline Wörmann

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