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Der Hauptbahnhof soll umgebaut werden, jetzt allerdings für weniger Geld als ursprünglich geplant.

Hauptbahnhof-Umbau: CSU kritisiert Bahn

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München - Viel Wirbel um die Bahn: Nach Bekanntwerden der Pläne für einen billigeren Umbau des Hauptbahnhofs kritisiert die CSU die Informationspolitik des Unternehmens scharf. Im Streit um die Bauarbeiten am Marienhof sichert die Bahn nach Anwohnerprotesten nun Lärmschutz zu.

Es ist nicht das erste Mal in diesen Tagen, dass sich die CSU von der Bahn überrumpelt fühlt. „Erst wird ganz plötzlich der Bau- und Finanzierungsvertrag für die zweite Stammstrecke geschlossen und der Stadtrat muss schnell die Vorarbeiten am Marienhof genehmigen“, schimpft Fraktionschef Josef Schmid. „Und eine Woche später erfahren wir, dass der Hauptbahnhof nur in der abgespeckten Version kommt.“

Wie berichtet wird der Umbau des Hauptbahnhofs nun zwar konkret. Allerdings wird nicht die 350 Millionen Euro teure moderne Stahl-Glas-Konstruktion umgesetzt, mit der das renommierte Büro Auer + Weber den Architekturwettbewerb 2003 gewonnen hat, sondern eine billigere Variante. Das Sparmodell sieht vor, die beiden Altbauten im Norden und Süden des Areals zu erhalten, ebenso den Starnberger Flügelbahnhof. Die Pläne hatten die Bahner Ende März der Stadtspitze vorgestellt.

Schmid sagt, er habe damit gerechnet, dass der SuperBahnhof nicht komme. Dass die Bahn aber Veränderungen und Sparmaßnahmen nur scheibchenweise bekannt gebe, sei unangebracht. „Das nenne ich Salami-Taktik.“ Dabei habe es Gelegenheit gegeben, den Stadtrat zu informieren: „In der Sondersitzung zum Marienhof waren die Bahnleute da - aber es fiel kein Wort zum Hauptbahnhof.“

Schmids Fraktionskollege, Stadtrat Richard Quaas, ätzt, der neue Entwurf sei „nicht aus einem offenen transparenten Verfahren hervorgegangen, sondern aus einer Amtsschublade des Verkehrskonzerns gezogen worden“. Ihn erinnert das Vorgehen der Bahn gar an das bei Stuttgart 21. Quaas fordert die Beteiligung der Bürger und einen neuen Wettbewerb.

CSU-Stadtrat Georg Schlagbauer befürchtet, dass nun eine „Notlösung“ umgesetzt wird. Die Bemühungen, dem Hauptbahnhof-Viertel neue Attraktivität zu verleihen, seien „für lange Jahre wieder hinfällig“. Anders als in anderen Großstädten scheine es der Bahn „in München nicht am Herzen zu liegen, dem Bahnhof ein neues freundliches Gesicht zu geben“.

Wirbel um die Bahn gibt es seit Wochen auch am Marienhof. Dort haben die vorbereitenden archäologischen Arbeiten für den Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels begonnen. Anlieger hatten protestiert - sie fürchteten, der Lärm- und Staubschutz während der Arbeiten könnte nicht ausreichend sein. Die Firma „Betten Rid“ zog vor Gericht.

Doch zu dem von manchen bereits befürchteten Baustopp kommt es nicht - die streitenden Parteien erzielten eine Einigung. Die Bahn sicherte nun zu, bestimmte Baulärm- und und Staubgrenzwerte nicht zu überschreiten. Das bestätigte das Eisenbahnbundesamt. Zudem würden Messstellen eingerichtet, mit denen die Einhaltung der Grenzwerte überwacht wird.

Die Kläger zeigten sich über die Einigung hocherfreut. „Alle unsere Forderungen sind erfüllt worden“, sagte der Anwalt von Betten Rid, Wolfgang Leitner (Kanzlei Labbé & Partner). Die Bahn müsse den Anliegern bei den archäologischen Arbeiten nun im Grunde den gleichen Schutz bieten, den sie später auch beim Tunnelbau gewähre. Leitner betonte, seine Mandanten seien keine Gegner des geplanten Tunnels, ihnen gehe es nur um angemessenen Schutz vor der Baustelle. Leitner zufolge hätte viel Ärger vermieden werden können - hätte die Bahn rechtzeitig das Gespräch gesucht.

Johannes Patzig/ Caroline Wörmann

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