Hauptschulen ziehen um

München - Die Stadt will nicht von Schulschließungen sprechen. Fakt ist aber: Erstmals werden in München Hauptschul-Standorte aufgegeben. An den Schulen selbst trifft das Vorhaben nicht bedingungslos auf Gegenliebe.

Die Hauptschüler, die bisher an der Schwindstraße in der Maxvorstadt und am Schwabinger Bayernplatz unterrichtet werden, sollen schon im kommenden Schuljahr an der Elisabeth-Kohn-Straße im Neubaugebiet am Ackermannbogen gegenüber dem Olympiapark zur Schule gehen. „Die bisherigen Schulhäuser waren sehr klein“, heißt es aus dem Bayerischen Kultusministerium, den räumlichen Bedürfnissen habe man nicht mehr gerecht werden können.

Eine Aussage, die Johannes Sehling nicht verstehen kann. Er ist der Rektor der Hauptschule am Bayernplatz. „Die Klassenstärke ist zurückgegangen, ich habe nur noch sechs Klassen, früher waren es einmal zehn“, sagt er. Und: „Wir haben noch Räume.“ In den 90er-Jahren habe seine Schule noch über 180 Schüler gehabt, jetzt seien es nur noch 110 Pennäler.

Für die Stadt wiederum ist genau dieser Rückgang der Schülerzahlen der Grund, den Standort aufzugeben. „Die Schulen haben keine pädagogisch sinnvolle Größe mehr“, sagt Schulamts-Sprecherin Eva Maria Volland.

Ein Argument, das Johannes Sehling aus seiner Alltagserfahrung heraus ebenfalls nicht verstehen kann. „Das ist ideal für eine Hauptschule“, sagt er, „wir können ein ruhiges soziales Umfeld bieten“. Er kenne jeden einzelnen seiner Schüler, betont er. „Zu uns muss die Polizei nicht kommen, um Streit zu schlichten, sie kommt nur für Projekte.“

An der Elisabeth-Kohn-Straße wird derzeit ein Gebäude der ehemaligen Stetten-Kaserne für 18 Millionen Euro umgebaut und modernisiert. Schon im Herbst sollen hier Hauptschüler unterrichtet werden. Aufgegeben werden dafür die zwei traditionsreichen Hauptschulstandorte. In der neuen Hauptschule sind 20 Klassen geplant, auch die Kinder aus dem Neubaugebiet Ackermannbogen sollen hier unterrichtet werden.

Insbesondere für die Schüler aus der Maxvorstadt, die derzeit an der Schwindstraße unterrichtet werden, wird der Schulweg länger. Ursula Schneider, die Rektorin der Schwindschule, berichtet ebenfalls von einem Einbruch der Schülerzahlen. „Seit zehn Jahren haben wir einen starken Rückgang“, bestätigt sie auf Anfrage unserer Zeitung. Von 330 auf 160 Schüler habe sich die Anzahl halbiert.

Die Zahl der Hauptschüler in Regelklassen ist in den letzten Jahren in der ganzen Stadt deutlich eingebrochen. 12 644 Schüler besuchten im Schuljahr 2003/04 den klassischen Hauptschulunterricht, aktuell sind es nur noch 9440. Zu dieser Zahl hinzu kommen etwa Hauptschüler in Ganztagesklassen oder im zweisprachigen Unterricht.

Für die Schüler hätte der bevorstehende Umzug zwei Seiten, berichtet Rektorin Ursula Schneider. „Sie freuen sich auf das neue Schulgebäude und den Sportunterricht in der neuen Halle“, sagt sie. Andererseits gebe es aber auch viel Unsicherheit, weil man nicht wisse, was kommt.

Aus dem Kultusministerium heißt es, wegen der Aufgabe der Schulstandorte habe es „keine Irritationen von Lehrer-, Eltern- oder Schülerseite“ gegeben. Johannes Sehling betont aber, dass die Schule gar nicht nach ihrer Meinung gefragt worden sei.

Die Grundschulen verbleiben in den alten Schulgebäuden, nur die Hauptschüler ziehen aus. Was mit den frei werdenden Räumen geschehen soll, werde derzeit geprüft, heißt es aus dem Schulamt. Rektorin Schneider sagt: „Wichtig für die Schüler ist jetzt vor allem, dass die Klassen zusammenbleiben.“

Felix Müller

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