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Sicherheitsexperte Arno Helfrich zeigt eine Türsicherung.

Arno Helfrich vom Kommissariat 105

Sicherheitsexperte: Hausbewohner in München rüsten auf

Wenn von Arno Helfrich die Rede ist, werden die schweren Jungs in München und Umgebung, hellhörig. Der Mann ist nicht umsonst Leiter des Kommissariats 105 beim Polizeipräsidium München. Eine Abteilung, die sich ausschließlich mit Einbrüchen und allem, was dazugehört, beschäftigt. 

München - Gerade in den vergangenen Jahren konnte sich das Einbruchskommissariat über Arbeitsmangel nicht beklagen. Diebe aller Art machten immer wieder auf sich aufmerksam. Warum? Großstädte wie München mit vielen noblen Gegenden wie Bogenhausen, Obermenzing, Nymphenburg versprechen erwartungsgemäß fette Beute. „Und werden oft genug heimgesucht“, weiß Arno Helfrich aus langjähriger Erfahrung. 

Auch wenn das laufende Jahr 2017 erst gut vier Monate alt ist, kann man im Präsidium an der Ettstraße doch einen leichten Trend nach unten feststellen. Die Zahl der Einbrüche geht etwas zurück beziehungsweise stagniert. Auch das ist schon ein großer Erfolg für die Münchner Polizei. 

Bei 45 Prozent der Einbrüche bleibt es beim Versuch. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen haben viele Hausbewohner tüchtig aufgerüstet, den schweren Jungs das Knacken von Fenstern und Türen erheblich erschwert. Denn: Einbrecher, die nach fünf Minuten immer noch am Werkeln sind, geben frustriert auf. Ein weiterer Vorteil, der den Langfingern das Leben zunehmend erschwert, ist die Zahl der Polizeibeamten. 

Gerade in München ist die Polizeidichte überdurchschnittlich hoch. Ob Fußstreife, Hundeführer, berittene Polizei, Fahrradstreife oder Einsatzfahrzeug: In der bayerischen Landeshauptstadt hat sich schon mancher Einbrecher die Zähne ausgebissen. Trotzdem gibt es in München immer noch genügend vollendete Einbrüche. „Und jeder Coup ist gefährlich“, bringt der 57-Jährige das Problem auf einen Nenner. Vor allem die psychische Belastung der Opfer darf nicht unterschätzt werden. 

Die Münchner Polizeibeamten haben gute Kontakte zu Psychologen und entsprechenden Fachkliniken, die sich um traumatisierte Einbruchsopfer kümmern. Oft ist der materielle Schaden für die Betroffenen das kleinere Übel. Psychische Belastungen gehen nicht selten ans Eingemachte. „Allein die Tatsache, dass ein wildfremder Mensch in meinem Intimbereich (Bad, Schlafzimmer, Unterwäsche) gewühlt hat, ist für viele Menschen ein unerträglicher Gedanke. Der Verlust von Schmuck oder Bargeld ist da leichter zu verschmerzen.“ 

Auch wenn viele Opfer Haus oder Wohnung einbruchsicherer machen, bleibt doch ein ungutes Gefühl, ob der (die) Täter nicht erneut zuschlagen. Um dem zu entgehen, nehmen Einbruchsopfer sogar Abschied von ihrer geliebten Umgebung und ziehen um – nicht selten sogar in eine andere Stadt. In der Hoffnung, dass dort die Welt noch in Ordnung ist.

Johannes Danner

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