Heilsarmee zieht nach Obersendling

München - Die christliche Freikirche verkauft ihr Stammhaus im Glockenbachviertel und verlegt das Männerwohnheim in ein ehemaliges Hotel.

Das Männerheim der Heilsarmee zieht vom Glockenbachviertel nach Obersendling. Bereits im Oktober hat die Organisation ihr angestammtes Haus an der Pestalozzistraße 36 verkauft und dafür das ehemalige Hotel „Avella“ an der Steinerstraße erworben. Die Vorbereitungen laufen, Mitte März sollen die ersten Bewohner umziehen. Offiziell wollen Monica und Stefan Müller, die Leiter der Münchner Gemeinde und des Wohnheims, das neue Domizil im Mai eröffnen.

Der Umzug bedeutet das Ende einer langen Tradition. Seit 1925 hatte die Münchner Heilsarmee ihren Sitz in dem Gründerzeitgebäude im Glockenbachviertel. Man habe sich aus finanziellen Gründen für den Verkauf entschieden, weil das alte Gebäude kernsaniert werden müsste, um Einzelzimmer und genügend Sanitäranlagen anbieten zu können, sagt Stefan Müller. „Wir müssen uns an moderne Standards anpassen, wenn wir auf dem Markt bestehen bleiben wollen“. Der neue Eigentümer will nun Eigentumswohnungen schaffen.

Im neuen Heim wird es Platz für 39 Bewohner sowie sieben Notübernachtungen geben. Viele Männer bleiben nur für ein paar Nächte, andere ein Jahr und manche bleiben ihr Leben lang. „Gerade für sie sind wir auch Familienanschluss“, sagt Monica Müller. Als Ansprechpartner wird das Ehepaar Müller wie früher eine eigene Wohnung im Haus beziehen.

Das liegt nur wenige Minuten von der S-Bahnstation Mittersendling entfernt. Die Lage sei günstig, finden beide. Die Männer würden häufig von der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof geschickt und könnten mit der S 7 direkt durchfahren. Auch die Lage in einem Mischgebiet aus Industrie und Wohnen sei vorteilhaft. „In Gegenden, in denen es nur Einfamilienhäuser gibt, haben die Leute oft mehr Vorbehalte“, sagt Stefan Müller. Im toleranten Glockenbachviertel habe das Miteinander stets gut funktioniert. Nachbarn seien zum Essen gekommen oder hätten abgelegte Klamotten in der Kleiderkammer vorbeigebracht. „Wir waren ein Teil des Viertels und das wollen wir hier wieder werden.“

Aus diesem Grund hat die Heilsarmee in der Nachbarschaft Unterschriften eingeholt und das Gespräch mit den benachbarten Neuhofschulen gesucht. Mittlerweile habe man ein gutes Verhältnis, sagt Stefan Müller, doch anfänglich hätte die Privatschule Bedenken gehabt.

„Bedenken würde ich das nicht nennen. Nur Unwissen“, sagt Gerhard Pabst, Vertreter des Schulträgers. „Wir hatten eine unklare Vorstellung von der Arbeit der Heilsarmee.“ Die Gespräche seien angenehm gewesen. Er könne sich mittlerweile eine Kooperation zwischen den Schulen, zu denen Realschule, Gymnasium und Fachoberschule gehören, gut vorstellen. Bewohner könnten den Klassen von ihrem Leben erzählen oder die Kinder und Jugendlichen könnten Praktika in der Einrichtung machen, sagt Pabst. „Es ist nicht verkehrt, wenn die Schüler mitkriegen, was in der Gesellschaft passiert.“

Anna Schmid

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