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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die Gepäckwagen am Hauptbahnhof gibt es nicht mehr.

Nun heißt es selber schleppen

München - Am Hauptbahnhof wird nicht nur der Kofferträger-Service eingestellt - die Bahn hat auch die Gepäckwagen abgeschafft.

Wer am Bahnhof viel Gepäck hat, lädt es auf einen Wagen. Oder leistet sich für ein paar Euro einen Gepäckträger-Service. So war es früher. Nun wird der beladene Reisende am Münchner Hauptbahnhof kein Helferlein mehr finden. Denn nicht nur der Gepäckträger-Service wird jetzt eingestellt (wir berichteten) - die Deutsche Bahn hat still und heimlich auch die Gepäckwagen abgeschafft.

„Wir nehmen Ihnen Ihre Koffer gerne ab! Wer mit Gepäck reisen muss, der freut sich über jede helfende Hand“, heißt es auf der Internetseite der Bahn. Dabei wirbt sie allerdings nur für den Kurierdienst, der Gepäck gegen Vorausbuchung befördert, für 16,80 Euro pro Stück. Keine echte Alternative zum Wagen, mit dem man die Koffer über lange Bahnsteige schippern konnte.

Bahn-Sprecher Franz Lindemair fasst die Lage zusammen: „Aufgrund der immer geringer gewordenen Nachfrage nach Gepäckwagen haben wir uns entschlossen, diese abzuschaffen“ - bundesweit an Bahnhöfen seit Januar, in München seit dem Frühsommer, inklusive der Ständer.

Gesunken sei die Nachfrage, „weil heute kaum jemand ohne Rollkoffer oder Umhängetasche aus dem Haus geht“, so Lindemair. Und was macht jetzt die ältere Dame, die mit schwerem Tragekoffer aussteigt? Oder die Familie, die mit Sack und Pack eine Fernreise antritt? Dass jemand Probleme bekommt, „diesen Fall halte ich für nahezu ausgeschlossen“, sagt Lindemair. „Unser Eindruck ist, dass die Wagen zwar benutzt werden, aber nicht massenhaft.“ Der Aufwand, sie einzusammeln, halte der Nachfrage längst nicht mehr die Waage. Und das Pfandsystem garantiere bei weitem nicht, dass sie auch zurückgebracht werden.

Am Münchner Flughafen hingegen sind die Wagen unerlässlich. „Es gäbe einen großen Aufschrei, wenn wir die abschaffen würden“, betont Flughafen-Sprecher Robert Wilhelm. Das System am Flughafen ist ausgeklügelt: Die Ankunftsbereiche halten kostenlos Wagen bereit, die Benutzung in den Abflugbereich hinein kostet zwei Euro. „Damit die Dienstmänner etwas verdienen“ sagt Wilhelm. Das sind die Ein-Mann-Unternehmen, die für die Wagen zuständig sind, die sie zurück in die Speicher schieben und dafür sorgen, dass an allen Standorten genügend bereitstehen. Wilhelm sagt aber auch: „Ich denke, dass die Leute am Flughafen mehr Gepäck haben und die Wege weiter sind als am Bahnhof“, was für stärkere Nachfrage sorge.

Ein anderes Bild zeichnet Thomas Ballweg vom Katholischen Männerfürsorgeverein, der die Gepäckträger im Rahmen eines Beschäftigungsprojekts einst an die Bahn vermittelt hatte. Er sagt, der Service sei gut angekommen: Allein 2011 hätten ihn tausende Fahrgäste genutzt, gerade ältere Menschen und Gruppen. Der Service muss nun eingestellt werden, weil der Bund die Zuschüsse für Langzeitarbeitslose kürzt.

Und falls doch mal jemand Hilfe braucht? Lindemair: „Dafür gibt es ja unseren Kurierdienst.“

Christine Ulrich

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