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Hochhaus-Brand: Lena S. schrie verzweifelt um Hilfe

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Anwohner und Freunde haben Kerzen und Blumen vor Lenas Haus niedergelegt.
Anwohner und Freunde haben Kerzen und Blumen vor Lenas Haus niedergelegt. © Jacob Mell

München - Hinter der Explosion im Hochhaus an der Forstenrieder Allee steht offenbar eine Verzweiflungstat. Alle Anzeichensprechen dafür, dass der 29-jährige Ex-Freund der getöteten Lena S. am Montagabend zunächst die junge Frau betäubt und dann sich und S. mit Benzin übergossen und angezündet hat.

Dass es eine Beziehungstat war, wird immer klarer. Was in den Minuten vor der Explosion um 22.37 Uhr in dem kleinen Apartment geschah, kann die Polizei nur noch anhand der Spuren rekonstruieren. Sicher ist mittlerweile aber, dass der Brand vorsätzlich gelegt wurde. Eine Freundin der getöteten Lena S. wendet sich am Donnerstag an den Münchner Merkur. Sie glaubt, der 29-jährige Deutsch-Afghane sei verzweifelt gewesen, weil seine Eltern die Beziehung zu der deutschen Lena S. ablehnten.

Video: Der Staatsanwaltschaft über die Beziehungstat von Forstenried

Die Stimme der jungen Frau bricht, als sie über ihre Freundin Lena S. spricht, die in ihrer Wohnung verbrannt ist. Seit eineinhalb Jahren seien sie gut befreundet gewesen, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Und sie sagt: „Seine Eltern hatten etwas gegen die Beziehung, weil sie Deutsche war.“ Lena habe ihren Freund geliebt und er sie. Gewalt habe es in der Beziehung nie gegeben. „Sie wollte ihn heiraten, aber er konnte, er durfte das nicht.“ Schließlich habe sie ihn vor die Wahl gestellt: Entweder er stehe zu ihr – oder zu seinen Eltern. Vor einigen Tagen habe Lena S. dann Schluss gemacht. „Sie war traurig, weil sie ja eigentlich nicht Schluss machen wollte“, sagt die Freundin der 24-jährigen Account-Managerin. Dass es zu dem Drama kommen konnte, versteht sie nicht: „Er hat gesagt, er akzeptiert die Trennung.“

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Dass es eine vorsätzliche Tötung war, will Kriminaldirektor Harald Pickert noch nicht bestätigen. Und auch, dass es sich bei dem zweiten Toten um den 29-jährigen Ex-Freund der jungen Frau, ein Gebrauchtwagenhändler, handelt, sei „noch nicht zweifelsfrei geklärt“. Doch die Details, die er dann schildert, lassen wenig andere Rückschlüsse zu. In der völlig ausgebrannten Wohnung im fünften Stock und an der Kleidung der Opfer wurden Benzinrückstände gefunden. Die beiden Toten, sagt Pickert, oberster Chef der Brandermittler, „waren mit einer Kette zusammengekettet“. Dass Lena S. in Todesangst gewesen sein muss, geht aus den Angaben mehrerer Nachbarn hervor. Sie haben kurz vor der Explosion Schreie und Hilferufe einer Frau gehört. Auch, dass die junge Frau die mehrere Jahre dauernde Beziehung zu dem 29-jährigen Deutsch-Afghanen vor einigen Tagen beendet hat, bestätigt die Polizei.

Die Obduktion der Leichen ist noch nicht abgeschlossen. Klar sei jedoch bereits, dass Lena S. schon bewusstlos war, als das Feuer ausbrach. „Es gab keine Kohlenmonoxidspuren oder Rußpartikel in der Lunge der weiblichen Leiche“, erklärt Pickert. Ein Hinweis darauf, dass ihr 29-jähriger Ex-Freund ihr Tabletten verabreicht oder ihr zuvor Gewalt angetan hat? Nur so viel wissen die Ermittler: „Es gab keine äußeren Verletzungen.“

Ob der kulturelle Hintergrund des 29-Jährigen, der die deutsche Staatsbürgerschaft hatte, bei dem tödlichen Beziehungsdrama eine Rolle spielte, ist offen. Hinweise darauf, dass die Eltern des 29-jährigen mutmaßlichen Täters gegen die Verbindung mit Lena S. waren, gebe es, bestätigt Harald Pickert gegenüber dieser Zeitung. „Es gibt aber noch keine Erkenntnisse dazu, ob das richtig ist“, sagt er. Die Eltern des 29-Jährigen hätten bestritten, gegen die Beziehung gewesen zu sein.

Am Tag nach dem Brand legten Anwohner und Freunde Kerzen und Blumen für Lena vor das Haus. Ihre Kollegen und Freunde sind total geschockt: „Lena hat uns erst letzte Woche alle angemailt, weil sie ein Klassentreffen arrangieren wollte,“ berichtete eine jungen Frau, die mit Lena früher zusammen in die Fürstenrieder Grundschule ging. „Sie war immer die Beste in unserer Klasse. Sie konnte einfach alles und die hübscheste war sie sowieso. Wir können alle noch gar nicht begreifen, dass sie nicht mehr da sein soll.“

Caroline Wörmann/jam

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