„Ein aufregendes Stück Stadt“: Mit diesem Slogan wirbt die LBBW für die Hofstatt. Sie hat wohl Recht. Foto: marcus schlaf

Hofstatt: Stadt droht mit Baustopp

München - Schon seit geraumer Zeit geht auf der Baustelle der „Hofstatt“ an der Sendlinger Straße nicht viel voran. Nun droht sogar der Baustopp. Der Investor, die LBBW Immobilien, will sich nämlich nicht an die Vorgaben halten. Die Stadt plant Sanktionen.

Die Hofstatt an der Sendlinger Straße ist eines der derzeit ehrgeizigsten Bauprojekte in der Stadt München. Einst residierte hier der Süddeutsche Verlag, bevor er an den Stadtrand zog. Seitdem versucht die LBBW Immobilien, eine Tochter der finanziell in Schieflage geratenen Landesbank Baden-Württemberg, das 12 000 Quadratmeter große Areal zur „Premium-Adresse“ für Geschäfte, Büros und Wohnung aufzurüsten. Für 325 Millionen Euro.

Ihrem Werbeslogan „Ein aufregendes Stück Stadt“ macht die Hofstatt aber mittlerweile mehr Ehre, als es den Verantwortlichen der LBBW lieb sein kann. Nachdem sich erst die US-Bank Morgan Stanley verabschiedet hatte, musste auch die angeschlagene LBBW alle ihre Projekte auf den Prüfstand stellen – darunter auch die Hofstatt.

Das Ergebnis der Untersuchung sorgt bei der Stadt nicht gerade für Freude. Denn die LBBW will umplanen, wohl um die Anlage wirtschaftlicher zu gestalten. Nach Informationen unserer Zeitung ist vorgesehen, auf einige Passagen zu verzichten und die Flächen anderweitig zu nutzen. Allerdings spielen diese Passagen und Wege eine wichtige Rolle im städtischen Planungskonzept. Sie sollten das Areal durchlässig machen für Passanten, die hier von der Fußgängerzone in die Sendlinger Straße schlendern wollen.

Bei der Stadt schrillen nun die Alarmglocken. Das Nutzungskonzept, die Anordnung sowie die Durchlässigkeit würden von der LBBW „grundsätzlich in Frage gestellt“, monierte Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos). Sie will nun „planungssichernde Maßnahmen“ ergreifen – und den Druck auf die LBBW erhöhen.

Denn die hatte bisher leichtes Spiel. Das Projekt war nach einem vereinfachten Verfahren genehmigt worden. Dies erlaubt Paragraph 34 des Baugesetzes, sofern sich das Gebäude in die nähere Umgebung einfügt. Nun aber droht die Stadt mit einem Bebauungsplanverfahren. Den Aufstellungsbeschluss dazu soll der Stadtrat am kommenden Mittwoch fassen. Die Folgen für die LBBW könnten fatal sein. Beharrt sie darauf, ihre Pläne zu ändern, würde ein wohl mehrjähriger Planungsprozess in Gang gesetzt. Bis eine Genehmigung vorliegt – sofern dies überhaupt gelingt – müsste der Bau eingestellt werden. Ob sich die LBBW dies leisten kann, dürfte fraglich sein.

Noch ist man im Stadtrat guter Dinge, dass der Plan gelingt. „Ich rechne damit, dass der Investor so klug ist, das nicht herbeizuführen“, sagt Michael Mattar, Chef der FDP-Fraktion. Bei der LBBW in Stuttgart nahm man die Drohung aus München recht wortkarg auf. Man sei von der Stadt über den Aufstellungsbeschluss informiert worden, sagte eine Sprecherin. Die Verhandlungen darüber, wie das Konzept zu optimieren sei, liefen weiter.

Matthias Kristlbauer

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