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Ministerpräsident Horst Seehofer

Ministerpräsident rügt Bahn

Seehofer: Zweite Stammstrecke wird kommen

  • Christian Deutschländer
    vonChristian Deutschländer
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München - Trotz erheblicher Widerstände will Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Großprojekte Konzertsaal und zweite Stammstrecke für München durchsetzen.

Bei einem Auftritt im Presseclub erneuerte er, wenn auch allmählich leicht genervt, seine Zusage für beide Vorhaben. „Wir wollen die zweite Stammstrecke, wir werden sie auch bauen“, sagte er. Im Kabinett diese Woche beauftragte er Verkehrsminister Joachim Herrmann damit, der Bahn Druck zu machen, endlich Baurecht für alle Abschnitte zu erreichen. „Es ist notwendig, dass die Bahn die ausstehende Planfeststellung zu Ende bringt.“ Die Kosten steigen, sagt Seehofer voraus, Grund sei aber nur die Inflation, nicht zusätzliche Risiken. Er verlangte, regionale Befindlichkeiten in anderen Landesteilen hintanzustellen. „Wir bauen ja auch den Frankenschnellweg in Nürnberg aus und die Stadt-Umland-Bahn. Da sollte kein Zweifel bestehen.“

Beim Konzertsaal („das unendliche Thema“) sieht Seehofer zwei Alternativen: die Verwirklichung am Finanzgarten oder einen Neubau der Philharmonie. „Das eine und das andere sind in der Prüfung. Ich bin da offen.“ Sicher sei nur, dass „eine Welthauptstadt auch Weltkultur braucht“. Auf 200 Millionen Euro taxierte er die Kosten. Den größten Teil hätten Staat und Stadt zu schultern, ein kleiner Teil komme von privaten Spendern und dem Bayerischen Rundfunk. Am Mittwochabend wollte er sich erneut mit Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) treffen, „in absehbarer Zeit“ auch wieder mit SPD-OB Dieter Reiter. Einen kleineren Gasteig-Umbau schloss Seehofer aus. „Da reicht nicht ein bisschen verändern, da muss man vom Neubau reden.“ Einen ganz neuen Saal hatte auch BR-Intendant Ulrich Wilhelm für sein Symphonieorchester gefordert. Die Standorte Deutsches Museum und Marstall hat der Ministerpräsident nach anfänglichen Hoffnungen in der seit Jahren wabernden Saal-Debatte verworfen. Seine Geduld scheint sich allmählich aber einem Ende entgegenzuneigen. Am Montagabend, so erzählt er selbst freimütig, verließ er eine private Runde von Konzertsaal-Fans und -Gegnern und ging lieber Akten lesen.

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