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Olympia 2018: München macht sich hübsch für "Eva"

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Pack ma’s: Ein Lieferant schiebt Pakete durch die Münchner Fußgängerzone. Das Plakat hinter ihm soll die IOC-Gesandten und München gütlich stimmen. © Marcus Schlaf

München - Jetzt gilt's: Kommende Woche gastieren 14 IOC-Inspektoren in Oberbayern, um zu sehen, wie gut die Münchner Olympia-Bewerbung für 2018 ist. Der Anwärter hat sich akribisch vorbereitet - sogar der Nachtisch kommt sportlich daher.

Edi Wenigmann, 43, ist ein Mann mit viel Erfahrung. Zweieinhalb

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Millionen Kilometer ist der Edi in 20 Jahren mit dem Bus gefahren. Doch diesmal ist er ein bisschen nervös. „Jetzt habe ich eine nationale Aufgabe“, erzählt er, und rheinländischer Singsang schwingt in seinen Worten mit. Denn nächste Woche hat der Edi hohen Besuch an Bord: die Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die Zukunft Münchens liegt in den Händen des Rheinländers. Zumindest ein bisschen. Vielleicht steckt sie auch ein wenig in seinem rechten Fuß, mit dem er Gas gibt.

Evaluierungskommission - das ist ein Zungenbrecher, und deshalb spricht man bei der Stadt und der hiesigen Bewerbungsgesellschaft oft nur kurz von der „Evakom“ oder der „Eva“. Die ist eine Art TÜV für Städte, die sich um Olympische Spiele bewerben. In den vergangenen Wochen schauten sich die 14 Mitglieder der „Eva“, fünf Frauen und neun Männer, bei Münchens Mitbewerbern um, im französischen Annecy und im südkoreanischen Pyeongchang. Nun ist München dran. Von Dienstag bis Freitag wird das Gremium die bayerische Bewerbung auf Herz und Nieren prüfen. Im Mittelpunkt steht dabei das „Bid Book“, das Bewerbungsbuch. In dem dreibändigen, 405 Seiten dicken Werk mit vielen Zahlen und Bildern stellen die Münchner Olympia-Werber dar, wie gut ihre Spiele sind. Die „Eva“ prüft nun, ob auch alles stimmt, was dort in 17 Kapiteln geschrieben steht - von Finanzen über Sportstätten bis hin zur Sicherheit.

Gunilla Lindberg, eine 63-jährige Sportfunktionärin aus Schweden, ist die Chefin der Kommission. Ihr zur Seite steht der ebenso alte Schweizer Gilbert Felli, Geschäftsführer beim IOC für die Olympischen Spiele. Neben den beiden sind in der „Eva“ auch IOC-Mitglieder, eine Repräsentantin der Sportler und Spezialisten für Umwelt-, Transport- oder Finanzfragen vertreten.

Am Sonntag und Montag sollen die Damen und Herren am Flughafen eintrudeln, die Bewerbungsgesellschaft empfängt sie. Für Kommissionschefin Lindberg kommt der Stadtchef persönlich. „Ich hole sie am Flughafen mit dem Dienstwagen ab“, sagt Münchens OB Christian Ude. Und klar, wahrscheinlich werde er Blumen dabeihaben. Wie es sich gehört, wenn man Olympia ins Land holen will. Auch wohnen werden die Herrschaften während ihrer Visite recht angenehm: Sie steigen im Hotel Bayerischer Hof ab. Eine eigene Etage haben sie zwar nicht, dafür ist ein Konferenzraum für sie reserviert.

Bemerkenswert ist, dass die Kommission in München, Garmisch-Partenkirchen und womöglich in Richtung Königssee mit dem Bus unterwegs sein will. Das klingt mehr nach Klassenausflug als nach IOC-Funktionären. Immerhin: Autobus Oberbayern, ein Unterstützer der Bewerbung, baut eigens einen Bus um. Denn ein paar Extras benötigen die Damen und Herren doch. Für eine Rollstuhlfahrerin wird ein Hublift installiert, auch 220-Volt-Anschlüsse hätte man gerne. Natürlich ziert den Bus außen das Münchner Olympia-Logo: das stilisierte „M“, eine Mischung aus Bergen und Skischanze.

Schon zweimal ist Wenigmann in den vergangenen Wochen die Strecken abgefahren, die er nächste Woche fahren muss. „Einmal mit Gästen und einmal ohne“, erzählt der Busfahrer. Man müsse schließlich schauen, ob ein so großes Gefährt überall durchkomme. Dass nächste Woche auch eine Polizei-Eskorte mit dabei ist, stört den Rheinländer nicht. „Wir fahren ja öfter Delegationen für die Staatskanzlei.“

Nicht nur Wenigmann hat sich für den Besuch vorbereitet. „Es sind schon alle da. Die trainieren und üben“, sagt Jochen Färber, Sprecher der Bewerbungsgesellschaft. Dann schiebt er nach: „Fast Tag und Nacht.“ Rund 150 Leute seien eingebunden, darunter die ehemalige Eisprinzessin Katarina Witt, das Aushängeschild der Münchner Bewerbung.

Auch Politikern wird eine Rolle zugedacht. Bei den Präsentationen wird Bundesinnenminister Thomas de Maizière über das Thema Sicherheit sprechen, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer über Verkehrskonzepte. Auch OB Christian Ude darf referieren - über die Kulturstadt München, den Olympiapark und die öffentliche Meinung zu den Winterspielen 2018. Er hat seinen Vortrag schon geübt - auf Englisch. „Für diffizile Fragen steht natürlich ein Simultanübersetzer zur Verfügung“, sagt Ude und klingt dabei fast ein wenig erleichtert.

Das Schaulaufen ist der vorerst letzte Teil des Fernduells gegen Pyeongchang und Annecy. Für die Bewerbungsgesellschaft gilt es, die Stärken der Münchner Mission in den Vordergrund zu rücken, die Schwachstellen zu kaschieren. „Wir haben die kürzesten Wege zwischen den Olympischen Dörfern und den Sportstätten“, betont Färber. Und natürlich dürfe man das sachkundige deutsche Wintersportpublikum und das „superstarke Umweltkonzept“ nicht vergessen.

Ludwig Hartmann hat sich für nächste Woche hingegen vorgenommen, auf Probleme zu pochen. Eine halbe Stunde haben die IOC-Prüfer ihm am Dienstagabend im Bayerischen Hof eingeräumt. „Das ist kein Termin zum Diskutieren, die wollen Fakten abgreifen“, sagt Hartmann, Mitbegründer der Protestbewegung „NOlympia“. Zusammen mit dem Münchner Anwalt Ludwig Seitz, der 59 Garmisch-Partenkirchner Grundeigentümer vertritt, sowie Christian Hirneis, dem Chef des Bundes Naturschutz in München, will Hartmann nicht nur Grundstücksprobleme ansprechen. Auch dass die Zustimmung der Bevölkerung nicht so groß sei, wie im Bid Book erwähnt, wolle er anmerken. Und vor allem: Dass in Garmisch-Partenkirchen ein Bürgerbegehren anstehe. Auch haben Olympia-Kritiker eine kleinere Demonstration für Dienstagabend am Marienplatz angemeldet.

Derweil tut die Stadt alles, um den Prüfern Winterspiele in Bayern schmackhaft zu machen. Bei einem Gala-Dinner im Antiquarium der Residenz am Donnerstag, bei dem auch Kanzlerin Angela Merkel zu Gast sein wird, serviert das Feinkosthaus Dallmayr zum Nachtisch „Alpenjoghurtmousse mit Vanille-Curling“.

Selbst in den Münchner Gaststätten wird es kulinarisch winterlich. Lorenz Stiftl, der Wirt vom „Spöckmeier“ an der Rosenstraße, bietet Zanderfilet aus dem Königssee als „FIS-Teller“ an. Zum Nachtisch entflammt er das „Olympische Feuer“ - eine Schokoladenmousse mit Chili. „Freilich, die Kommission wär’ mir herzlich willkommen“, zwitschert Stiftl. Ob die Damen und Herren dem Lockruf des Wirts folgen, ist zwar ungewiss, Stiftl ist dennoch positiv gestimmt. „I denk, dass ma’s packen.“ Die Innenstadtwirte seien jedenfalls „voll dabei“, wenn’s um die Bewerbung geht. Überall liegen Bierdeckel mit Olympia-Design herum. Auch auf den Straßen ist es olympisch geworden. Allerorten hängen Plakate zur Bewerbung, die Stadt ist beflaggt mit Olympia-Fähnchen. Selbst Schaufenster sind mit weiß-blauer Sportkleidung dekoriert.

Am Freitag werden die IOC-Inspektoren Lindberg und Felli zum Abschluss noch eine Pressekonferenz geben. Es ist kaum anzunehmen, dass sie viel verraten werden. Technische Details drangen auch nach den Besuchen in Annecy und Pyeongchang nicht nach draußen. Wenngleich Lindberg den favorisierten Südkoreanern bestätigte, die Kommission habe im Vergleich zu den beiden vorausgegangenen Bewerbungen „großen Fortschritt“ gesehen.

Der Bericht der Inspektoren ist Grundlage für einen wichtigen Termin: die technische Präsentation der drei Bewerbungen am 18. und 19. Mai in Lausanne. Dort kommt ein Großteil der 105 IOC-Mitglieder zusammen, die am 6. Juli im südafrikanischen Durban entscheiden, wo 2018 die Winterspiele stattfinden. Wer hier punktet, hat bessere Chancen.

Vielleicht spielt es bis dahin ja auch gar nicht mehr die große Rolle, ob Busfahrer Edi einmal zu oft oder zu heftig auf die Bremse getreten ist. Abgesehen davon, fahre er ja immer vorsichtig, sagt er. „Egal ob ich einen Präsidenten oder den kleinen Mann im Bus habe.“

Matthias Kristlbauer / Caroline Wörmann

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