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„Das Kreisverwaltungsreferat hat viel zu lasch reagiert“: Die Eltern des gebissenen Mädchens fordern Leinenzwang und einen verpflichtenden Hundeführerschein.

Pauline  zum 14. Mal operiert

Hund beißt Kleinkind: Eltern klagen an

München - Ein zweijähriges Mädchen wurde in Harlaching von einem Hund ins Gesicht gebissen und so schwer verletzt, dass es vielleicht nie wieder ganz gesund wird. Nun entbrennt in München eine Debatte darüber, ob und wie die Vorschriften für Hundehaltung verschärft werden müssen.

Knapp sechs Wochen ist es her, dass der Mischlingsrüde Pauline ins Gesicht gebissen hat. Seitdem liegt die Kleine im Krankhaus. Am Montag wird sie zum 14. Mal operiert. Nun wollen die Eltern erreichen, dass sich so etwas nicht wiederholt. Vorgestern forderten sie im Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching schärfere Vorschriften für Hundehalter. „Damit Menschen vor Hunden und ihren Besitzern geschützt werden.“

Andrea B. begann zu weinen, als sie erzählte, was am 9. Juni bei einem Fest auf dem Athener Platz passiert ist. Ihre Tochter sei in Richtung Spielplatz gelaufen. „Ich hatte sie immer im Blick. Dann ging alles schnell, der Hund schnappte zu.“ Fünf Zähne hätten sich in die Wange der Kleinen gebohrt und bis zu vier Zentimeter tiefe Löcher verursacht.

Auf dem Fest war auch ein Bekannter der Familie, der Chirurg Thomas Beutner, der sich sofort um Pauline kümmerte: Im BA erklärte er: „Die Verletzungen im Gesicht des Kindes sind verheerend.“ Ob Pauline bleibende Nervenschäden davon tragen werde, sei ungewiss. „Der Biss hat für das Mädchen lebenslange Konsequenzen.“ Die Operationen seien wegen Keimen in der Wunde nötig. Die Eltern machen sich auch in anderer Hinsicht Sorgen: „Die seelischen Folgen sind nicht abschätzbar“, so der Vater, Andreas M.

Die Besitzerin des Rüden, der zum Zeitpunkt des Vorfalls angeleint war, habe sich im Anschluss uneinsichtig gezeigt und behauptet, das Kind sei selbst schuld, erzählte der Vater. Gegen sie haben die Eltern mittlerweile Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstattet. „Die Ermittlungen laufen“, so Polizeisprecher Gottfried Schlicht. Genaueres könne deshalb noch nicht zu dem Fall gesagt werden.

„Unser Anliegen ist, eine generelle Verschärfung der Vorschriften zu erreichen“, erklärte der Vater. Leinenzwang und Hundeführerschein müssten künftig Pflicht werden. Zudem müssten alle Spielplätze eingezäunt werden. Für die Eltern besonders bitter: Der Hund ist längst aktenkundig. 2011 hatte er schon einmal ein Kind gebissen. „Das Kreisverwaltungsreferat hat viel zu lasch reagiert. Sie schaffen es nicht mal jetzt, den Hund aus dem Verkehr zu ziehen“, so der Vater.

Die Behörde weist den Vorwurf zurück. Die Besitzerin sei nach dem ersten Vorfall, der passierte, nachdem ein Kind versucht hatte, den Hund zu umarmen, mündlich ermahnt worden. Als es Beschwerden gab, dass die Frau sich mit ihrem Hund nicht von Kindergärten und Schulen fernhalte, wurde ihr per Bescheid mitgeteilt, dass sie sich mit Hund Kindern nur bis auf drei Meter nähern dürfe. „Bedauerlicherweise wurde das Schreiben erst an dem Tag zugestellt, als das Mädchen in Harlaching gebissen wurde“, so KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Vorgestern habe eine Sachverständige den Hund begutachtet. In Begleitung eines Kindes. Das Ergebnis: „Der Hund ist ein Angstbeißer“, so Schlegel. Er reagiere nur aggressiv, wenn ein Kind sich ihm nähere und ihn anfasse.“

Dass jetzt Maulkorb- und Leinenzwang für den Hund als ausreichend erachtet wird, ist für die Eltern ein Skandal. Der BA will in jedem Fall den Schutz vor Hunden optimieren. Die Stadt soll unter anderem prüfen, ob ein Maulkorbzwang in öffentlichen Verkehrsmitteln durchsetzbar ist. In der nächsten Sitzung wird über entsprechende Anträge abgestimmt. CSU-Stadtrat Reinhold Babor kündigte an, das Thema in den Stadtrat zu bringen. Ähnlich SPD-Stadtrat Michael Leonhart: „Ich werde mich für die Leinenpflicht einsetzen.“

Vollstes Verständnis für die Eltern äußerte Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle: „Der Vorfall ist sehr bedauerlich.“ Es sei gut, dass das Thema diskutiert werde. Allerdings sei ein allgemeiner Leinenzwang kein Allheilmittel: „Er ist nicht die Garantie, dass nichts mehr passiert.“ Das KVR bemühe sich stets bei Vorfällen verhältnismäßig vorzugehen. Die Maßnahmen reichten vom Leinenzwang über Kontaktverbot bis zur Wegnahme des Hundes, so Sprecherin Schlegel. Sie verweist auf die Zahlen: Im vergangenen Jahr waren in München 31384 Hunde registriert. 330 Beschwerden seien beim KVR eingegangen. „Und in 80 Fällen gab es Anordnungsbescheide.“ Der Prozentsatz auffälliger Hunde sei also gering.

CSU-Stadträtin Evelyne Menges hält ebenfalls nichts von einem generellen Leinenzwang und will vehement dagegen kämpfen. „Nötig ist vielmehr ein Hundeführerschein oder Sachkundenachweis für Hundehalter.“ Dieser werde von Experten seit langem gefordert. „Nur die Politik, die traut sich nicht.“

Brigitta Wenninger

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