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Hundeführerschein erspart die Zamperlsteuer

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Süß ist dieses Hundebaby. Mit einer Prüfung sollen Hundebesitzer ihre Vierbeiner künftig besser im Griff haben. © dpa-tmn

München - Besitzer sollen ihre Vierbeiner dank einer Prüfung besser im Griff haben, das Angebot der Stadt ist jedoch umstritten

Gut 33 000 Hunde sind in München gemeldet. Und wer es noch nicht wusste: Es gibt auch einen Hundeführerschein, der dafür Sorge tragen soll, dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner besser im Griff haben. Wer ihn in München macht, wird künftig ein Jahr lang von der Hundesteuer befreit. Dies hat der Stadtrat im Frühjahr 2014 beschlossen. Die Regelung ist seit 1. Mai 2014 in Kraft und gilt probeweise bis 2016. Die Hundesteuer beträgt 100 Euro pro Jahr, etwa so viel kostet auch der freiwillige Führerschein. Faktisch bringt er also keine Ersparnis. Aber: Man hat sozusagen den Führerschein umsonst.

Wie groß das Interesse der Tierhalter an diesem Angebot bislang ist, bleibt vorerst im Dunkeln. Die SPD-Stadtrats-fraktion hatte vor einiger Zeit eine Anfrage diesbezüglich gestellt, die Stadtkämmerei teilte jedoch trotz Anfrage unserer Zeitung nicht mit, wie viele Anträge auf Steuerbefreiung bislang gestellt wurden. Die SPD hegt den Verdacht, dass das Interesse gering ist. Nach Meinung von Bettina Messinger, tierschutzpolitische Sprecherin der SPD, müsste die Aktion mehr beworben werden. Die Informationen auf den Internetseiten der Stadt seien eher dürftig: Ein Formular zur Beantragung einer Steuerbefreiung sei online nicht zu finden, kritisiert die SPD-Stadträtin. „Mein Eindruck ist, dass das Angebot noch zu wenig bekannt ist. Mehr Information und Werbung würde nicht schaden“, sagt Bettina Messinger.

Nach Dafürhalten der SPD-Stadträtin ist der Hundeführerschein eine grundsätzlich sinnvolle Angelegenheit. Einerseits würden Hundehalter theoretisches Wissen erwerben, andererseits müssten sie in der Praxis zeigen, dass sie ihren Hund unter Kontrolle haben – auch bei Begegnungen mit anderen Hunden, Kindern oder zum Beispiel Katzen. Immerhin gibt es in München seit einigen Monaten eine „Zamperl-App“, die Hundebesitzer auf ihrem Smartphone installieren können. Sie soll allen Bürgern die geltenden Vorschriften nä-herbringen und gibt zudem eine Übersicht über Grünflächen in der Stadt.

Größtes Ärgernis sind Hundehaufen auf Gehwegen oder Wiesen. Immer wieder kommt es aber auch zu Beißattacken auf Menschen. Verboten sind die Vierbeiner zum Beispiel auf Kinderspielplätzen. Einen Leinenzwang gibt es für Hunde, die größer als 50 Zentimeter sind, innerhalb des Altstadtrings. Zudem für alle Hunde an bestimmten Orten wie dem Englischen Garten und in Fußgängerzonen – wobei sich im Englischen Garten kaum jemand daran hält. Messinger besitzt selbst einen Hundeführerschein. Sie könne Hundebesitzern nur empfehlen, diesen abzulegen.

Den Führerschein kann man in diversen Hundeschulen in München machen. Eine Liste gibt es im Internet unter www.tierportal-muenchen.de. Der Tierschutzverein München steht der Sache indes etwas skeptischer gegenüber. Dessen Sprecherin Judith Brettmeister sagt zwar: „Grundsätzlich ist es nie schlecht, sich mit seinem Hund eingehender zu beschäftigen.“ Allerdings sei überhaupt nicht klar definiert, welche Prüfungen bei einem Hundeführerschein abgelegt werden müssten. Ebensowenig, welchen Ausbildungsgrad Kursleiter oder Sachverständige vorweisen müssten. „Das ist anders als beim Autoführerschein“, erklärt Brettmeister. In Deutschland werden Hundeführerscheine zum Beispiel von Prüfern nach den Richtlinien des VDH (Verband für das deutsche Hundewesen), des BVZ (Berufsverband zertifizierter Hundeschulen) und des BHV (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater) vergeben.

Problematisch sei, dass das Kreisverwaltungsreferat keine Hinweise gebe, wo Hundehalter die Prüfung ablegen könnten. „Die einheitliche Linie fehlt“, kritisiert die Sprecherin des Tierschutzvereins. Dass die Hundesteuer an sich der Organisation keine Freude bereitet, ist klar. „Wir wollen sie ja nicht abschaffen, aber man könnte mit dem Geld schon sinnvollere Dinge machen, beispielsweise für Tierheime spenden“, sagt Judith Brettmeister.

Klaus Vick

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