Hygiene-Skandal: Schaden geht in die Millionen

München - Der Hygiene-Skandal kommt das Städtische Klinikum teuer zu stehen. Das Unternehmen rechnet im dritten Quartal mit Umsatzeinbußen von 12,5 Millionen Euro. Der gesamte Schaden dürfte aber noch höher sein.

Zuversicht zu versprühen, ist das Gebot der Stunde im Stadtklinikum. Zumindest Gesundheitsreferent Joachim Lorenz (Grüne) gibt sich dieser Tage betont optimistisch nach dem Skandal um verdrecktes OP-Besteck. „In Zukunft werden wir die beste Sterilgutversorgung in Bayern haben“, sagt er. Und klar: Der Imageverlust, den insbesondere die Kliniken Bogenhausen und Neuperlach erlitten haben - der sei „in Kürze behoben“, meint Lorenz.

Es gibt aber auch nackte Zahlen, die deutlich weniger erquicklich sind als Lorenz’ Zuversicht. Auf rund 250 000 Euro belaufen sich die Umsatzrückgänge in der städtischen Klinik GmbH pro Tag, nachdem reihenweise Operationen abgesagt und Patienten heimgeschickt wurden. Die Umsatzeinbußen im Juli summieren sich damit auf 5,5 Millionen Euro, erklärte das Unternehmen auf Anfrage. Im ganzen dritten Quartal sei sogar mit 12,5 Millionen weniger Einnahmen zu rechnen. Hinzu kämen Sonderkosten etwa für die Veränderungen in der Zentralsterilisation, die „nicht unter zwei Millionen Euro“ betragen sollen, heißt es.

Noch aber sind alle Zahlen mit Vorsicht zu genießen. Es ist nicht klar, wie schnell der OP-Betrieb wieder in vollem Umfang laufen wird. Ein zweiter Faktor ist noch unkalkulierbarer: Haben die Patienten noch Vertrauen in das Klinikum? „Keiner weiß, welche Operationen nur aufgeschoben und welche unwiederbringlich verloren sind“, sagt OB Christian Ude (SPD). Der FDP-Gesundheitsexperte, Stadtrat Otto Bertermann, ist skeptisch. „Ich halte das für sehr fragwürdig, ob die Menschen wieder dorthin gehen.“ Gesundheitsreferent Lorenz indes meint, die meisten Menschen nähmen die Probleme weit weniger ernst, als die Berichte in den Zeitungen vermuten ließen. Zumindest die arabischen Patienten, die sich häufig in Bogenhausen behandeln lassen, kämen weiterhin, sagt Lorenz. Da gebe es „keinen Einbruch“.

Ein langfristiger Imageschaden wäre für das Stadtklinikum mit seinen Häusern Bogenhausen, Neuperlach, Harlaching, Schwabing und an der Thalkirchner Straße fatal. Auch fünf Jahre nach ihrer Gründung schreibt die GmbH noch immer rote Zahlen. 2009 betrug der Jahresfehlbetrag 2,7 Millionen Euro. Das Ziel, in die Gewinnzone zu kommen, wird das Klinikum nun wieder einmal verschieben müssen. OB Ude setzt dennoch darauf, dass der Weg der Konsolidierung auch nach dem Rückschlag fortgesetzt werde.

Leicht wird das nicht. Zumal sich kaum Einsparungen beim Personal abzeichnen. Die München-Zulage wurde entgegen der ursprünglichen Planung erhalten und verursacht jährliche Kosten von 7,9 Millionen Euro. Auch die Ärzte handelten kürzlich wieder höhere Gehälter aus. Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD) kritisierte unlängst, die Kosten für den Pflegedienst am Stadtklinikum lägen 12,7 Prozent über dem Durchschnitt kommunaler Krankenhäuser, die für die Ärzte gar 18,5 Prozent darüber.

Eine pensionierte Krankenschwester muss dringend am Knie behandelt werden. Doch das Umfeld in Rotthalmünster, in dem die OP stattfindet, entsetzt die Betroffene.

Matthias Kristlbauer

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