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Hygienemängel auch an staatlichen Kliniken?

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In Krankenhäusern sind Hygienemängel weit verbreitet.  ms
In Krankenhäusern sind Hygienemängel weit verbreitet. ms

München - Nicht nur in städtischen Kliniken wurde wohl bei der Hygiene geschlampt. Auch andere, schwere Fälle soll es laut Stadtverwaltung gegeben haben. Wo, darüber hüllt sie sich aber in Schweigen.

Hygienemängel kommen nicht nur an Krankenhäusern der Stadt vor - das hatte Gesundheitsreferent Joachim Lorenz kürzlich vor dem Stadtrat betont. In der Sitzung berichtete er von massiven Defiziten, die seine Behörde in vergangenen Jahren auch an nicht-städtischen Münchner Kliniken festgestellt habe. Die Landtags-SPD will es genauer wissen: In einer Anfrage verlangt der Abgeordnete und Münchner SPD-Chef Hans-Ulrich Pfaffmann Auskunft darüber, ob es Hygiene-Skandale an Kliniken des Freistaats gab.

Lorenz’ Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) ist für die Überwachung der Hygiene in medizinischen Einrichtungen - darunter knapp 70 Kliniken in München - zuständig. Seine Worte vor dem Stadtrat klangen dramatisch: „Wir haben vor zwei Jahren in einem großen nicht-städtischen Krankenhaus die Intensivstation geräumt und geschlossen, weil dort hygienische Zustände herrschten, bei denen wir sagen mussten, die schwerkranken Menschen können nicht mehr in diesem Haus bleiben.“ Das RGU habe festgestellt, „dass in diesem Haus nicht einmal ein Hygienearzt vorhanden war“. Zudem habe vor drei Jahren in einer anderen großen nicht-städtischen Klinik die Sterilgutaufbereitung teilgeschlossen werden müssen. Sie habe erst ein Jahr später wieder in Betrieb gehen können. Der Fall sei nicht an die Öffentlichkeit gelangt.

Doch um welche Kliniken handelte es sich? Das RGU gibt dazu keine Auskunft - „aus Datenschutzgründen“, hieß es. Der SPD-Landtagsabgeordnete Pfaffmann sagt jedoch, er habe Hinweise darauf, dass es sich um Münchner Kliniken in Trägerschaft des Freistaats handle - und will dem nachgehen. Er fragt die schwarz-gelbe Staatsregierung: Zählen Kliniken in ihrer Verantwortung zu den Problemhäusern? Und: „Wenn ja, warum wurden diese hygienischen Skandale jahrelang verschwiegen, vertuscht und welche Konsequenzen personeller Art wurden gezogen?“

Pfaffmann weist darauf hin, dass die rot-grün regierte Stadt auf den Hygieneskandal an den städtischen Kliniken in Bogenhausen und Neuperlach mit drastischen Maßnahmen reagiert habe - die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet, drei Klinikum-Chefs gefeuert (wir berichteten). Nun will Pfaffmann wissen, ob der gleiche strikte Maßstab auch für Kliniken in Trägerschaft des Freistaates gelte. Der CSU, die kürzlich neue Beispiele für Hygienemängel an städtischen Kliniken öffentlich machte, wirft Pfaffmann „Heuchelei“ vor. Sie missbrauche das Hygiene-Thema, um daraus parteipolitisch Profit zu schlagen. „So schadet sie dem Ruf der städtischen Kliniken.“

jop

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