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ICE-Unglück: Der Schäfer im Visier der Ermittler

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München/ Fulda - Nach dem ICE-Unglück bei Fulda mit 19 Verletzten und einem Millionenschaden beginnt jetzt die Suche nach Ursachen und den Verantwortlichen. Die Bundespolizei ermittelt auch gegen den Besitzer der Schafe, die den Schnellzug im Tunnel zum Entgleisen gebracht hatten.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht im Moment ein Mann: Norbert W., der Schäfer. Seine Herde war am Samstagabend in den Tunnel bei Fulda gelaufen, wie viele Tiere es waren, ist noch unklar.

Der ICE, der auf der Fahrt von Hamburg nach München war und zahlreiche Fahrgäste aus Bayern an Bord hatte, raste mit 220 Stundenkilometer auf die Tiere und entgleiste. W., der zum Zeitpunkt des Unglücks auf einer Familienfeier war, vermutet, dass die Schafe auf die Gleise getrieben worden seien, und wies jede Schuld von sich: "Ich bin meiner Sorgfaltspflicht als Schäfer nachgekommen."

Auch der hessische Schafzüchterverband verteidigte den Schäfer: "Die Koppel war korrekt eingezäunt. Irgendetwas oder irgendjemand muss die Tiere aufgeschreckt haben", sagte die Geschäftsführerin des Verbands, Dagmar Rothhämel. Es könnten Hunde oder aber auch Menschen gewesen sein. Zudem sei ein bereits vor zehn Jahren gestellter Antrag auf Errichtung eines Schutz- oder Fangzauns am Tunneleingang wegen zu hoher Kosten von der Bahn abgelehnt worden.

Die Bundespolizei äußerte sich dazu wegen laufender Ermittlungen nicht. Allerdings wird derzeit untersucht, ob ein kurz vor dem Unfall in Gegenrichtung fahrender Zug den späteren Unfallzug hätte warnen können. Der aus Würzburg kommende ICE erfasste ein Schaf, der Zugführer stieg aus, um sich den Schaden anzusehen, und fuhr dann weiter. Ob er die ganze Schafherde sehen konnte, ist noch unklar.

Wären nur wenige Schafe im Tunnel gewesen, wäre der Zug womöglich nicht entgleist. Wie eine Bahnsprecherin mitteilte, werden Simulationen mit Tieren durchgeführt, um die Stabilität des Schnellzugs zu testen. Kleinere Gegenstände werden von Schienenräumern an der Schnauze entfernt. Zudem sei der Zug so konstruiert, dass Hindernisse "optimal verarbeitet werden".

Gestern Nachmittag wurde ein heikles Detail bekannt: Einer der beiden Lokführer des Tunnel-Rettungszuges war während des Einsatzes möglicherweise angetrunken. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, unklar ist noch, wie viel er getrunken hat und ob er deshalb fahruntüchtig war. Der Mann hatte Bereitschaft und war zum Unglück gerufen worden, um 40 Einsatzkräfte, Gerät und Löschmittel in den Tunnel zu bringen.

Die Strecke ist wegen der Aufräumarbeiten mindestens  bis zum nächsten Wochenende gesperrt. 

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