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Enttäuscht über das Aus: Aufsichtsrat Christian Waggershauser mit den gescheiterten Umbau-Plänen fürs Sechzger.

„Ich befürchte, dass 1860 jetzt zugrunde geht“

München - Löwen-Aufsichtsrat Christian Waggershauser ist nach der gescheiterten Rückkehr ins Grünwalder Stadion enttäuscht: Die Pläne, glaubt er, wären finanzierbar gewesen.

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Das endgültige Aus für ein neues Grünwalder Stadion wurde am Montag zwischen Stadtspitze und dem TSV 1860 besiegelt. „München hat eine historische Chance vertan“, sagt Christian Waggershauser. Er sitzt im Aufsichtsrat des Clubs und hat die Umbaupläne vorangetrieben – jetzt blickt er in eine düstere Zukunft.

Haben Sie den Schock schon verdaut, Herr Waggershauser?

Noch nicht wirklich. Ich bin unendlich frustriert, weil ich glaube, dass eine historische Chance vertan ist. Das Stadion hätte ein Zeichen für München gesetzt – auch für die Olympiabewerbung. Es wäre ein modernes Stadion geworden, das trotzdem zu Giesing passt – das erste klimaneutrale Stadion Europas. Wir hätten viel Fläche für Photovoltaik-Anlagen gehabt.

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Sie haben ernsthaft erwartet, dass die Stadt ohne sichere Finanzierung zustimmt?

Wir haben nicht geglaubt, dass die Stadt sagt: Daumen hoch, alles super. Aber sie hätte uns zwei oder drei Monate mehr geben können. Das wäre eine Chance, mit Investoren oder Darlehensgebern zu verhandeln. Natürlich ist es legitim, dass die Stadt möglichst schnell mit dem Drittliga-Ausbau des Stadions beginnen möchte. Aber eine solide Stadionfinanzierung aufzustellen, dauert ein bis zwei Jahre.

Haben Sie gehofft, dass OB Ude Ihr Projekt durch die blaue Brille sieht? Er ist ja bekennender Sechzger.

Als OB kann er nicht parteiisch sein. Wir hatten die Hoffnung, dass die Vorteile des Projekts die Stadtspitze überzeugen. Das Stadion hätte Giesing städtebaulich aufgewertet und die Bayern wären froh gewesen, uns aus der Allianz Arena raus zu haben. Der wichtigste Vorteil: 1860 hätte wieder eine Zukunft – weil 1860 im eigenen Stadion dauerhaft überlebensfähig wäre.

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Eine Aufwertung für Giesing? Es stand zu erwarten, dass Anwohner gegen den Bau klagen.

Es wäre uns wichtig, dass die Bevölkerung das Stadion nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung sieht. Wir wollten es im Viertel verankern. Unter den Tribünen ist viel Platz, St. Pauli hat sogar einen Kindergarten im Stadion. In die Ostkurve sollte die Stadionkneipe, die jetzt an der Volckmerstraße steht. Jetzt fühlen sich die Anwohner von den Fans gestört. In die Kneipe könnte ein Nebenraum, als Tagungsraum für andere Giesinger Vereine oder den Bezirksausschuss. Es hab auch den Vorschlag für ein Karl-Valentin-Museum. Er stammt doch aus der Gegend.

Die Anwohner fürchten aber den Lärm, den 30 000 Fans verursachen.

Ein Drittliga-Spiel im heutigen Stadion macht mehr Lärm. Wir hätten ein transparentes Dach über die Ränge gesetzt. Es hätte sehr viel Krach verschluckt.

Trotzdem: Sie wollten eine Bürgschaft der Stadt über 35 Millionen Euro...

Heute wird in Deutschland kein Stadion gebaut, bei dem nicht Kommune oder Land entweder eine Bürgschaft, einen Zuschuss oder beides geben. Man muss auch sehen: Jetzt macht die Stadt mit dem Unterhalt jedes Jahr ein Defizit von bis zu 300 000 Euro, und sie steckt über 10 Millionen Euro in die Sanierung. Wenn wir das Stadion umbauen, spart sie sich diese Kosten. Dafür hätte die Stadt nur eine Bürgschaft geben müssen – die aus unserer Sicht nie gegriffen hätte.

Woher soll das Geld kommen? Durch sein Engagement bei der die Allianz Arena hat der Verein keinerlei Reserven.

Vorsichtig geschätzt stehen wir mit 1,9 bis gut drei Millionen Euro mehr im Jahr besser da als wenn wir in der Allianz Arena als Untermieter spielen – auch bedingt durch gut drei Millionen Euro mehr an Marketing-Erlösen. In der Allianz Arena kassiert nur der FC Bayern an Namensrechten, den Logen oder der Gastronomie.

Wie hätten Sie den Rest der fast 50 Millionen Euro stemmen wollen?

Wir sind überzeugt, dass die Fans uns mit einem ein- oder zweistelligen Millionenbetrag geholfen hätten – über zinslose oder zinsgünstige Darlehen, über Genussscheine oder Schmuck-Anleihen. Die Fans wollen ins Grünwalder Stadion zurück, weil es für sie Heimat und Identität bedeutet.

Gibt es Alternativen?

Nein. Im Olympia-Stadion darf bis 2090 kein Profi-Fußball mehr gespielt werden. Und es wäre zu groß für uns – und ist als Fußballstadion gänzlich ungeeignet. Die Gemeinde Unterhaching hat uns im Frühjahr ein Grundstück angeboten, auf dem wir als großer und die SpVgg Unterhaching als kleiner Partner in einem Stadion spielen könnten. Die Gemeinde hat das aber wieder ad acta gelegt. Und ich habe meine Zweifel, dass die Fans es akzeptieren, wenn 1860 außerhalb der Stadtgrenzen seine Heimspiele bestreiten würde.

Und jetzt?

Ich bin völlig ratlos. Im Moment sehe ich keinen Lichtstreifen am Horizont. Ich befürchte, dass 1860 in der Allianz Arena zugrunde geht.

Das Gespräch führte Kolja Kröger

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