+
Stefanie H. (49) aus Poing (li.) hat als Pharmazeutisch-Technische-Assistentin gearbeitet, bis sie krank wurde.

Todesangst nach OP

„Ich dachte, dass ich sterbe“ - Implantat machte Stefanie H. (49) das Leben zur Hölle

  • schließen

Eine Operation sollte ihr gegen die Schmerzen helfen: Doch das dabei eingesetzte Implantat machte Stefanie H. (49) das Leben zur Hölle. Am Landgericht klagt sie nun gegen das Klinikum Bogenhausen.

München - Noch zehn Minuten bis zur Verhandlung. Stefanie H. (49) sitzt im fünften Stock des Landgerichts vor Saal 501. Den Mantel hat sie anbehalten, auf dem Schoß ruht ihre Handtasche. Dass Stefanie H. wieder sitzen kann und dabei keine Schmerzen hat, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn seit 2010 plagte sie ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule.

„Vielleicht noch schlimmer war aber das, was danach kam“, sagt sie. Eine jahrelange Leidensgeschichte, die im April 2012 begann. Die Kurzversion: OP im Klinikum Bogenhausen, Einsatz eines Titan-Implantats, Korrektur-OP im Klinikum rechts der Isar und schließlich Notfall-Operation im Klinikum Murnau – mit Entfernung des Implantats.

Schwermetall-Vergiftung: Stefanie H. fordert Schmerzensgeld

Noch fünf Minuten bis zur Verhandlung. „Heute entscheidet sich alles für mich“, sagt Stefanie H. Sie fordert insgesamt 100.000 Euro vom Klinikum Bogenhausen. 40 000 Euro Schmerzensgeld und 60 000 Euro für die weiteren Behandlungskosten. Ihr Vorwurf: fehlerhaftes Implantat, mangelnde Aufklärung. Kurzum: Das, wovor sich jeder Patient fürchtet. Stefanie H. will das nicht auf sich sitzen lassen, denn sie litt nach dem ersten Eingriff unter Atemnot und einer Schwermetallvergiftung. „Ich werde kämpfen bis zum Letzten“, sagt sie und steht auf. Die Verhandlung beginnt.

Das eingesetzte Implantat machte Stefanie H. (49) das Leben zur Hölle.

Zwei Ärzte vom Klinikum Bogenhausen sind als Beklagte geladen. Vier Meter neben ihnen sitzt Stefanie H. mit ihrer Fachanwältin Birgit Blank. Sie wollen die Klinik zur Verantwortung ziehen, doch diese weist die Schuld von sich. Und auch ein Sachverständiger sagt: Eine allergische Reaktion durch ein Implantat sei unwahrscheinlich, eher handele es sich um eine Unverträglichkeit.

Stefanie H. sackt in ihrem Stuhl etwas ab. Die Poingerin kann es kaum glauben: Jahrelanges Hoffen auf Gerechtigkeit gerät binnen Minuten ins Wanken. Und es kommt noch schlimmer: Dass das Implantat nicht korrekt saß, sei unstrittig, sagt der Sachverständige. „Aber man hätte die nicht optimale Position des Implantats direkt nach der OP auf den Röntgenbildern sehen müssen.“ Beim operierenden Arzt sehe er allerdings keinen Fehler.

Todesangst und höllische Schmerzen nach OP

Stefanie H. dagegen sagt: „Ich bekam kaum noch Luft, konnte weder schlucken noch sprechen. Ich hatte Angst, dass ich sterbe.“ Erst später kam heraus, dass die Titan-Platte von der Wirbelsäule auf ihre Speiseröhre drückte. „Ich hatte höllische Schmerzen“, sagt H.

War das Implantat fehlerhaft?

Unklar ist noch, ob das Implantat fehlerhaft war. „Dem Klinikum könnte man das nicht zum Vorwurf machen“, sagt der Vorsitzende Richter Peter Lemmers. Eher noch wäre der Hersteller zu belangen – ihm schiebt die Klinik die Verantwortung zu. Denn laut dem Sachverständigen werden jährlich Tausende Titan-Implantate ohne jede Komplikation eingesetzt.

Was nun? Richter Peter Lemmers schlägt einen Vergleich vor. Er weiß: Den Ärzten eine fehlerhafte Behandlung nachzuweisen, wird schwierig für die Patientin. Aber auch die Klinik gibt in diesem Fall kein gutes Bild ab. Stefanie H. will weiter kämpfen. „Es geht hier um das Wichtigste: meine Gesundheit.“

Richter Peter Lemmers verhandelt am Landgericht nun über den komplizierten Fall. In München gilt er als absoluter Fachmann im Medizinrecht und leitet die neunte Zivilkammer, die das Urteil fällen wird.

von Andreas Thieme

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Probleme an Hackerbrücke behoben: Pendler warteten ohne Durchsage
Pendler sind in München auf die S-Bahn angewiesen. Doch immer wieder gibt es Störungen, Sperrungen und Ausfälle. Wir informieren Sie in unserem News-Ticker.
Probleme an Hackerbrücke behoben: Pendler warteten ohne Durchsage
Mutmaßlicher Islamist in München vor Gericht: Mittel zum Bombenbau gefunden
Ein mutmaßlicher Islamist, der in München vor Gericht steht, soll den Bau einer Bombe geplant haben. Die Polizei fand eine Anleitung zum Bombenbau.
Mutmaßlicher Islamist in München vor Gericht: Mittel zum Bombenbau gefunden
Wohnen, Pendeln, Arbeiten: Experten sagen, ob wir in München oder auf dem Land (besser) leben werden
Die Preise? Nahezu unbezahlbar. Der Wohnraum? Immer knapper. Und trotzdem ziehen noch mehr Menschen nach München und ins schöne Umland. Führende Experten stellen für uns …
Wohnen, Pendeln, Arbeiten: Experten sagen, ob wir in München oder auf dem Land (besser) leben werden
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 
Schluss mit „Nächster Halt“: Ab sofort erklingt in U- und Trambahnen nur noch ein kurzes Klingelsignal, bevor die Haltestelle genannt wird. Die Rückmeldungen sind …
Ist sie Ihnen aufgefallen? Seit Sonntag gibt es eine akustische Neuerung in U-Bahnen und Trams 

Kommentare