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„Ich habe eine Tendenz zur zweiten Stammstrecke“

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Horst Seehofer will keine endlose Diskussion. Foto: MS

München - Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärt im Interview mit dem Münchner Merkur seine Präferenzen – und warum er doch noch einmal nachrechnen will.

Wo will die CSU hin? Will sie für den Bahnknoten München einen Nordtunnel – oder doch eine zweite S-Bahn-Stammstrecke wie OB Christian Ude. Wir sprachen darüber mit Ministerpräsident und Parteichef Horst Seehofer.

Herr Seehofer, derzeit diskutiert die CSU munter über den Bahnknoten München. Welche Lösung präferieren Sie denn?

Ich möchte, dass wir für den Verkehrsknotenpunkt München eine Gesamtlösung hinbringen – für Nahverkehr, Regionalverkehr und Fernverkehr in alle Richtungen. Isolierte Betrachtungen führen in die Irre. Ich gebe aber zu: Ich habe eine gewisse Tendenz für die zweite Stammstrecke und die Osttangente zum Flughafen.

Haben Sie da Verständnis für die Münchner CSU, die nach zwei Gutachten nun den Nordtunnel ins Gespräch bringt?

Verständnis habe ich schon wegen der Zahlen, die vorgelegt worden sind. Da gab es signifikante Abweichungen, die wir klären müssen. Dafür habe ich einen Prüfauftrag erteilt. Die Frage ist auch, welche verkehrstechnischen Leistungen bei welcher Alternative am besten erbracht werden können. Das Dritte, was wir prüfen müssen, ist der Zeithorizont. Wenn die Planung zu lange dauert, wär’s schwierig.

Man könnte auch sagen: Es wurde schon Jahre diskutiert, da kommt’s auf eines mehr auch schon nicht mehr an . . .

Wir dürfen jetzt nicht eine endlose Diskussion führen, und am Schluss haben wir kein Geld. Wir müssen mit allen unseren Vorhaben möglichst bald in den Bundeshaushalt kommen, weil die Finanzlage im Laufe der Jahre ja nicht besser wird. Für 2010 wird der Haushalt gerade aufgestellt. Da wollen wir dabei sein.

Spricht das nicht gegen den Nordtunnel, der noch gar nicht geplant ist?

Nein, nicht grundsätzlich. Es ist gerechtfertigt, die Plausibilität noch einmal nachzuprüfen. Die große Nordtunnellösung ist ja schon beurteilt. Jetzt muss man die kleinere Variante überprüfen. Ich möchte bei solch einem historischen Projekt, das man nur einmal in einer Generation baut, dass wir die Zahlen noch einmal überprüfen. Auf der anderen Seite dürfen wir keine Endlosdebatte führen.

Welche Rolle spielt bei der Eile die Bewerbung um Olympia 2018?

Die Infrastruktur für die Olympischen Spiele ist für die Bewerbung ungeheuer wichtig. Es gibt da zwei Finanzierungsschienen: die normale und die Zusatzförderungen für Olympia. Bei beiden müssen wir jetzt beim Bund den Fuß in die Tür bekommen.

OB Ude wirft der CSU angesichts der neu entflammten Diskussion Ratlosigkeit vor . . .

Wir verlieren ja mit der Untersuchung nicht unangemessen Zeit. Ich verstehe nicht, warum da schon wieder diese parteipolitische Diskussion beginnt.

In jüngster Zeit gab es ja die eine oder andere Auseinandersetzung mit der Münchner CSU. Mal ehrlich: Nerven Sie Ihre Münchner Parteikollegen?

Überhaupt nicht. Ich rufe seit einem Jahr die Politik des Dialogs aus. Die heißt: Diskussion plus Entscheidung. Genau das praktizieren wir. Ein so großes Projekt bedarf der sorgfältigen Vorbereitung für eine Entscheidung.

Interview: Matthias Kristlbauer

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