Anpassungsfähig: Zwischen 3000 bis 5000 Tiere leben in München, womöglich wird der Bestand nun reduziert.

Geht es Meister Reinecke jetzt an den Kragen?

Immer mehr Füchse in München - Population wird untersucht

München - Weil immer mehr Füchse ihren Lebensraum in die Stadt verlagern, hat das Rathaus ein Monitoring zum Fuchs-Bandwurm beauftragt. Kritiker befürchten, dass es dem Fuchs nun an den Kragen gehen könnte. Experten glauben aber nicht an ein großes Halali. Derzeit werden jährlich rund 150 Füchse geschossen.

Die Stadt entscheidet dieser Tage, welches Institut die Untersuchung der Münchner Füchse auf den Bandwurm auswertet. In etwa einem Jahr wird das Ergebnis präsentiert werden. Die Rathaus-Grünen und die Organisation Peta hatten das Fuchsband-Monitoring scharf kritisiert. Die Tierrechtsorganisation kündigt sogar an, Strafanzeige gegen die Verantwortlichen zu erstatten. Denn das Monitoring könne nur am toten Tier durchgeführt werden, es sei also eine „massenhafte Tötung“ von Füchsen zu befürchten. Manfred Thalhammer vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) betont indes, eine Erhöhung der Abschussrate, wie sie etwa die CSU ins Spiel gebracht hatte, sei unnötig. Das gehe auch mit den ohnehin geschossenen Tieren – etwa 150 sind dies pro Jahr.

Seit Jahren zieht es die Füchse in die Stadt

Diese Zahl ist vergleichsweise gering. Denn die Füchse haben die Landflucht angetreten. Seit Jahren verlagern die anpassungsfähigen Tiere ihren Lebensraum immer öfter in die Stadt. Das Nahrungsangebot ist vielfältiger: Essensreste auf der Straße, auf Komposthaufen oder in Mülltonnen, herumstehendes Igel- oder Katzenfutter. „Das ist wie im Fast-Food-Restaurant für die Tiere“, erklärt Thalhammer. Nach Schätzungen umfasst die Population auf Münchner Gebiet zwischen 3000 bis 5000 Tiere.

Die Rotröcke haben sich längst daran gewöhnt, dass Menschen ihr Revier durchkreuzen. Andersherum ist es allerdings nicht immer unproblematisch. Viele Bürger fürchten Tollwut, Fuchsbandwurm oder Räude. „Die Tollwut ist in Deutschland ausgerottet“, betont Thalhammer. Auch bei den anderen beiden Krankheiten sei das Risiko gering. Beim Fuchsbandwurm gebe es pro Jahr deutschlandweit nur bis zu 50 Fälle. „Ähnlich viele werden vom Blitz getroffen.“ Zudem kann die verursachte Krankheit auch von Hunden und Katzen auf den Menschen übertragen werden. Eine Ansteckung findet nur über den Kontakt der Bandwurmeier mit dem Mund statt.

In der Nähe von Kitas und Schulen dürfen die Fuchsbauten nicht bleiben

Trotzdem gibt es Situationen, in denen die Stadt lieber auf Nummer sicher geht. Etwa, wenn sich Füchse auf dem Gelände von Kindertagesstätten oder Schulen niedergelassen haben. „Da rollt der Ball mal durch den Fuchskot, die Kinder heben ihn auf, spielen weiter, stecken später mal den Finger in den Mund“, beschreibt Thalhammer eventuelle Szenarien. Ähnliches gilt für Kinderspielplätze. „Wir haben schon einen Fuchsbau auf einem Spielplatz in Schwabing ausgehoben.“ Wird ein Fuchsbau in derartiger Umgebung gesichtet, kommen die Stadtjäger zum Einsatz. Keine von der Verwaltung bezahlten Waidmänner, sondern Jäger mit spezieller Genehmigung zum Abschuss.

Etwa acht solche Fachmänner gibt es in München. Neben Füchsen nehmen sie Kaninchen, Marder und Krähen ins Visier. Die Stadtjäger handeln nur im Auftrag. Den erhalten sie sowohl von der Stadt als auch von Privatleuten. Denn es gibt auch Gartenbesitzer, die sich mit dem Fuchs auf dem eigenen Grundstück nicht anfreunden können. Vor allem, weil Meister Reineke sich kaum durch Klatschen oder Schreien schrecken lässt und immer näher an den Menschen heranrückt. Für Unruhe sorgen manchmal auch Fuchsbauten unter Friedhofsgräbern. Hinzu kommen Tiere, die erkrankt sind. Zum Beispiel an der Räude. „Da gehen die Tiere ganz elend zu Grunde, das ist ein qualvoller, langsamer Tod“, weiß Thalhammer. Dazu noch der Abschuss zur Regulierung des Bestands.

Am Ende kommen so jährlich rund 150 geschossene Füchse im Stadtbereich und aus den Gebieten am Stadtrand zusammen. Mal mehr, mal weniger. „Es gibt hier keine Quoten-Vorgaben“, betont der KVR-Mann. Derzeit aber brauchen die Füchse nicht um Leib und Leben zu fürchten. Weil sie sich gerade um ihren Nachwuchs kümmern müssen, herrscht Schonzeit.

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