Mädchen klaut Papas Autoschlüssel und unternimmt Spritztour mit Cousin (7) - es geht böse aus

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Immer mehr junge Münchner stehen mit leeren Taschen da.

Studie 

Immer mehr junge Münchner überschuldet

Sie sind jung und brauchen das Geld: Knapp vier Prozent der Münchner unter 30 Jahre sind überschuldet. In zehn Stadtgebieten sind es sogar sechs Prozent, im Hasenbergl nahezu zehn. Insgesamt der höchste Wert seit 2008. Tendenz steigend. Aber nicht nur Junge drückt der Schuldenschuh.

„Die Quote der Überschuldeten unter 30 Jahre ist in den letzten Jahren stetig angestiegen“, sagt Erika Schilz, Leiterin der Schuldnerberatung der Stadt München. Im Durchschnitt gehe es um eine Verschuldungssumme von 7000 Euro. Schilz rechnet damit, dass die Quote auch in Zukunft weiter steigen wird, die Entwicklung der letzten Jahre lege das nahe. Dabei sind die Ursachen für Jugendverschuldung mannigfaltig.

 „Das ist immer ein Prozess, bei dem verschiedene Faktoren ineinandergreifen“, erklärt Nadja Khan vom Präventionsprojekt „Cashless-München“. Seit mittlerweile zehn Jahren veranstalten Khan und ihre Kolleginnen in Schulen, Berufsschulen und Jugendhilfe-Einrichtungen Workshops, bei denen sie vor Finanzfallen warnen. Dabei habe sie bemerkt, dass der Großteil der Seminarteilnehmer mit Schlagwörtern wie „Inkasso“ bereits eine persönliche Erfahrung verbinden kann. „Das Thema beschäftigt die Jugendlichen.“

Generell spreche man von vier Hauptursachen für die Überschuldung bei 18- bis 29-Jährigen, erklärt Khan. Der häufigste Auslöser sei plötzliche Arbeitslosigkeit. Darunter fallen nicht nur fristlose Kündigungen, sondern auch das Auslaufen befristeter Arbeitsverträge. Laut Khan stehen viele junge Menschen vor der Situation, dass ihr befristeter Vertrag wider Erwarten nicht verlängert wird, finanzielle Verpflichtungen aber bleiben – monatliche Ratenzahlungen, Mietkosten oder Handy-Rechnungen reißen dann schnell ein Loch in den Geldbeutel.

Auf Platz zwei der gängigsten Verschuldungsgründe liegt das persönliche Konsumverhalten – nach Khans Erfahrung oft eine Frage des Bildungshintergrundes. „Auch junge Menschen haben die Tendenz, sich Wünsche erfüllen zu wollen“, erklärt sie. Der alltägliche Umgang mit Geld werde im Schulunterricht aber nur selten thematisiert. Das Konsumverhalten der Jugendlichen orientiere sich daher maßgeblich daran, wie in Elternhaus und Freundeskreis mit Geld umgegangen werde. Je nach Milieu ein fragwürdiger Ratgeber. Im Extremfall sprechen Soziologen von einem „hedonistischen Milieu“, also einem Umfeld, das zwar lebensbejahend, aber von einer materialistischen Grundhaltung geprägt sei. Ein Umfeld, in dem Markenklamotten und teure Elektronikprodukte als unverzichtbar gelten. Problematisch sei aber auch der sogenannte „kompensatorische Konsum“, so Khan. Hierbei tätigen die Jugendlichen Spontankäufe, um sich ein gutes Gefühl zu verschaffen. „Oft schätzen die Betroffenen den Dispo-Kredit ihres Bankkontos falsch ein.“ Platz drei im Ursachen-Ranking belegt die Einkommensarmut. „Gerade in München ist das ein Problem“, sagt die Cashless-Beraterin. Durch die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten sei es Menschen unter 30 oft selbst mit Vollzeitjobs nicht möglich, sich finanziell über Wasser zu halten. Zwar spiele der Ausbildungshintergrund eine Rolle, doch seien auch viele Akademiker von der Problematik betroffen. 

Auf Platz vier sieht Nadja Khan verschiedene Ursachen wie Krankheit, Drogenabhängigkeit oder Glücksspiel. Was können junge Menschen aber tun, stecken sie erstmal in den roten Zahlen? „Der erste Schritt ist, die Briefe der Gläubiger auch wirklich aufzumachen und sich der Situation zu stellen“, sagt Kahn. Oftmals würden junge Menschen versuchen, ihre Schulden so lange wie möglich zu ignorieren – während diese sich weiter auftürmen. Als nächsten Schritt rät Khan, präzise die Einnahmen und Ausgaben zu dokumentieren, und darauf zu achten, wo man sparen kann. Wichtig sei es auch, Kontakt mit den Gläubigern aufzunehmen, um gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Viele Unternehmen seien in solchen Fällen mit speziellen Ratenzahlungen einverstanden.

 Dass aus überschuldeten Jugendlichen schnell überschuldete Erwachsene werden, zeigt die Statistik. Gerade in der Altersklasse zwischen 40 und 60 führt der Creditreform-Schuldneratlas in München hohe Zahlen an. Im Hasenbergl zum Beispiel ist knapp jeder fünfte dieser Altersgruppe überschuldet. In Berg am Laim sieht es ähnlich aus. Der Grund? „Überschuldung begleitet oft den ganzen Lebensgang, viele schütten ihren Schuldenberg einfach immer weiter auf. Und mit voranschreitendem Alter sinken auch noch die Chancen auf Erwerbstätigkeit“, erklärt Michael Bretz von Creditreform. 

Für jüngere Schuldner hat Erika Schilz von der städtischen Beratungsstelle ein paar beruhigende Worte. Anfangs gehe es noch nicht um besonders hohe Summen. „In dem Alter hat man gar nicht die Möglichkeit, so viel Geld auszugeben wie ein 40- bis 49-Jähriger.“ Eine Entschuldung ist also noch halbwegs gut möglich. Dennoch sei die Präventionsarbeit von Einrichtungen wie „Cashless“ wichtig, weil die Überschuldungs-Quote sonst vielleicht noch höher läge.

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