Die alte Stammstrecke in Grün, die neue in Rot.

3500 Tage bis zur Eröffnung

So sieht der Plan mit der 2. Stammstrecke aus

München - Rund zehn Jahre wird an der neuen Stammstrecke durch München gebaut. Einzelheiten sind mittlerweile bekannt - und schon setzt es erste Kritik.

Im Frühjahr rollen die Bagger an - dann geht es los mit dem Bau der 2. Stammstrecke. Endlich! Am Mittwoch trafen sich nochmal Ministerpräsident Horst Seehofer, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (beide CSU) und Bahnchef Rüdiger Grube bei einem Gespräch, um alle Schritte festzuzurren. Gut 3500 Tage dauert es - dann wird eröffnet. Dietz klärt alle Fragen rund um den 10-Jahre-Fahrplan.

Zwischen den Bahnhöfen Laim im Westen und Leuchtenbergring im Osten soll die rund zehn Kilometer lange zweite Stammstrecke entstehen. Kernstück ist ein sieben Kilometer langer Tunnel zwischen Haupt- und Ostbahnhof. Der erste Spatenstich ist für den 5. April geplant. Die ersten Züge sollen voraussichtlich im Dezember 2026 rollen.

Es wird teuer: Gut 3,85 Milliarden Euro soll das Mammutprojekt kosten - einschließlich eines Risikopuffers von rund 670 Millionen Euro. Falls die Kosten steigen.

Bundesregierung steuert 1,55 Milliarden Euro bei

Jahrelang wurde gestritten, wer für den Bau in die Tasche greift. Jetzt ist klar: Gut 1,55 Milliarden Euro werden von der Bundesregierung übernommen, das Land Bayern stemmt rund 1,29 Milliarden Euro, die Stadt rund 160 Millionen Euro. Die Bahn beteiligt sich mit circa 180 Millionen Euro.

Keine Frage - die 2. Stammstrecke ist bitter nötig. Denn derzeit werden dort rund 840.000 Fahrgäste pro Tag befördert. Dabei war die Strecke beim Bau vor den Olympischen Spielen 1972 in München auf rund 250.000 Passagiere ausgelegt. Auf der Stammstrecke sind momentan 30 Züge pro Stunde und Richtung unterwegs. Mit der zweiten Röhre sollen bis zu 54 Zugfahrten möglich sein.

Zehn Jahre Bauzeit - das ist zu lange, schimpfen Kritiker. Tatsache ist: Die Bahn bzw. der MVV wird sich schnell etwas überlegen müssen, um das Passagieraufkommen besser in den Griff zu bekommen. Jeder Münchner weiß: Zu bestimmten Uhrzeiten bekommt man gar keinen Platz mehr in den Zügen.

Bahnexperte mahnt zur Eile

Bahnexperte Andreas Nagel.

Generell hat Andreas Nagel ja nichts gegen den Bau einer 2. Stammstrecke - aber eines will der Sprecher der Aktion Münchner Fahrgäste klarstellen: „Die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit der S-Bahn München muss sich sofort verbessern!“, schimpft der Bahnexperte. „Wir können nicht zehn Jahre warten, bis der zweite Stammstreckentunnel fertig ist. Signale, Weichen und Bahnübergänge müssen nun umgehend auf einen einwandfreien technischen Zustand gebracht werden.“

Darüber hinaus fordert die Aktion Münchner Fahrgäste eine wesentlich schnellere Inbetriebnahme des Regionalzughaltes Poccistraße. Nagel: „Neben der S-Bahn muss auch der Regionalverkehr signifikant verbessert werden. Und das in einem überschaubaren Zeitraum.“ Der Countdown laufe jetzt, das müsse allen klar sein.

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