Unter Münchens Dächern kennen die Mieten weiterhin nur eine Richtung: nach oben. Foto: Klaus Haag

Neue Werte ermittelt

In München wird kräftig zuag‘langt: Mieten erreichen 30-Euro-Marke

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Die Münchner Mieten steuern auf die Marke von 30 Euro pro Quadratmeter zu. Das zeigt der Quartalsbericht des Marktforschungsunternehmens F+B. Die Landeshauptstadt belegt damit weiter einen Spitzenplatz.

Ein Grund: Die meisten Vermieter nutzen die Möglichkeit zu Mieterhöhungen. Doch es gibt auch Vermieter, die der Versuchung widerstehen.

Rekordwerte in Spitzenlagen

Für die Miete oder den Immobilienkauf muss der Münchner immer tiefer in die Tasche greifen. Bei den Neuvermietungen steht die Stadt mit im Schnitt 16,70 Euro pro Quadratmeter für zehn Jahre alte, 75 Quadratmeter große Wohnungen unverändert an der Spitze Deutschlands.

Der F+B-Bericht zeigt aber auch, dass die Mieten je nach Straße enorm variieren. In Spitzenlagen werden demnach 29,50 Euro pro Quadratmeter erreicht – München kratzt an der 30 Euro-Marke für Wohnungsmieten!

„Luxuriöse Wohnungen, also gut sanierter Altbau und Designerwohnungen, werden zu Spitzenmieten um die 30 Euro pro Quadratmeter zum Teil im Lehel, Altbogenhausen, Herzogpark, dem Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel in der Isarvorstadt, aber auch in Schwabing bei der Leopoldstraße angeboten und auch gezahlt“, sagt Ulrich Lohrer, Herausgeber von immobilienreport münchen. Er erläutert: „Wohnungen, die zu diesem Mietniveau vermietet werden, sind entweder relativ klein, liegen in einer sehr guten oder sehr gefragten Wohnlage oder zeichnen sich durch besondere Eigenschaften aus, etwa einen Penthouse-Charakter.“

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Für Investoren, die aktuell solche Wohnungen zum Vermieten kaufen, seien die Nettoanfangsrenditen trotzdem gering, da die Kaufpreise seit 2010 deutlich stärker gestiegen seien als die Mieten, berichtet Lohrer: „Oft wird mehr als das 40-Fache der Jahresnettokaltmiete für solche Wohnungen gezahlt.“

Bei den Kaufpreisen belegt München ebenfalls bundesweit den ersten Platz mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 6800 Euro. Je nach Straßenabschnitt sind auch hier Preise zwischen 3100 und 14 860 Euro fällig, so die F+B-Experten.

Wolfi Fischer stoppt die Preisspirale

Wolfi Fischer zeigt, dass Mietsteigerungen kein Naturgesetz sind. Für zehn Münchner hat der 77-Jährige in einem Innenhof an der Nymphenburger Straße ein Paradies geschaffen. Denn Fischer hat als Vermieter vor gut zwei Jahren festgelegt: Es gibt keine Mieterhöhungen mehr! Dafür lebenslanges Wohnrecht. „Auch wenn das ökonomisch Schwachsinn ist, hab ich beschlossen: Mir langt mein Geld“, sagt der 77-Jährige.

Wolfgang Fischer hat sich entschieden, die Mieten nicht zu erhöhen

Fischer lebte lange in den USA, drehte dort die Kultserie „Ein Münchner in New York“. Auf die Münchner Mieten angesprochen, schüttelt er den Kopf: „Das Ganze ist ziemlich traurig. Wenn die Krönung der Intelligenz nur die Preiserhöhung ist, dann sind die Leute ganz schön blöd geworden.“ Wobei Fischer betont: Schlimm seien für ihn nicht Vermieter, die aus Inflationsgründen alle paar Jahre um ein paar Zehner die Miete erhöhen. „Raffgierig sind die, die gleich mehrere Hunderter draufschlagen.“

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Seit 1873 ist das Mehrfamilienhaus, in dem er auch selbst wohnt, in Familienbesitz. Zwölf Euro kalt verlangt Fischer für die fünf Wohnungen, die Schreinerei und den Verlag. „Das ist kein Sozialwohnungspreis, ich bin kein Heiliger. Aber das ist an der untersten Grenze. Und das bleibt so.“ Das Haus wird die Genossenschaft Wogeno erben. Und die, so Fischer, „muss alles so lassen, wie es ist“. Angst muss also keiner seiner Mieter haben.

Kürzlich musste ein Bad im obersten Stock für 14 000 Euro saniert werden. „Deswegen hab ich auch nicht mehr von meinen Leuten kassiert, die Summe muss ich als Vermieter eben schlucken“, sagt Fischer. „Ich will meinen Mietern in die Augen schauen können.“ Deshalb bringt er jedem auch an Weihnachten Platzerl und eine Karte, auf der steht: „Schön, dass Sie da sind!“

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