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Kilian L. sagt: „Mein Ticket ist gültig.“

„Mein Ausweis ist gültig!“

In der S-Bahn: Bloßgestellt, weil Ticket angeblich ungültig war

Wut und Unverständnis sitzen noch immer tief bei Kilian L. Was seiner Familie bei einer Fahrkartenkontrolle in der S-Bahn passiert ist, wird der Student so schnell nicht vergessen.

München - „Wir wurden 20 Minuten lang lautstark des Schwarzfahrens bezichtigt, genötigt und seelisch vor allen Mitreisenden entblößt!“, klagt der 24-Jährige.

Der Fall: Die Familie fuhr am 8. Februar nach einem Theaterbesuch mit der S 3 Richtung stadtauswärts zurück nach Hause. Es war der 81. Geburtstag der Oma. „Meine Oma hatte eine Gruppen-Tageskarte gelöst“, erzählt der BWL-Student. Als die Kontrolleure die Tickets verlangten, habe er „reflexhaft“ seinen Studentenausweis gezogen. Die Oma habe abgewunken – sie habe doch bereits das Gruppenticket gezeigt. Doch für dieses habe sich einer der Bahn-Mitarbeiter nicht mehr interessiert, sondern stattdessen seinen Studentenausweis inspiziert. „Ungeschickt“ sei es gewesen, diesen zusätzlich vorzuzeigen, habe der Kontrolleur zu ihm gesagt. Der Studentenausweis sei ungültig! Aufgrund der geltenden Bestimmungen sei er, der Kontrolleur, nun verpflichtet, den gültigen Fahrschein der Oma für Kilian nicht mehr anzuerkennen!

„Ich konnte es nicht fassen! Ich wusste ganz sicher, dass meine Studenten-Fahrberechtigung gültig war!“ Schließlich hätte sein Ausweis die erforderlichen beiden MVV-Logos für das Wintersemester 2017/18 und das Sommersemester 2018 deutlich sichtbar aufgedruckt. Das sah der Kontrolleur anders: „Er bestand immer wieder darauf, dass ein Studentenausweis immer nur für ein Semester gültig sein könne und dieser nun ausschließlich für das Sommersemester 2018 gültig sei“, sagt Kilian L. Die Situation spitzte sich zu. „Es haben sich jetzt auch andere Fahrgäste lautstark eingemischt und Partei für uns ergriffen.“ Die Kontrolleure seien stur geblieben. „Der Wortführer hat uns sogar mit der Polizei gedroht.“

Zu viel für die Oma. „Sie war eingeschüchtert und kämpfte mit den Tränen.“ Zu einer Fahrpreisnacherhebung kam es letztendlich nicht: „Wir konnten im ganzen Trubel in Lochhausen aussteigen.“ Doch der Vorfall hat bei der Familie Spuren hinterlassen. „Der Abend war gelaufen. Es war für uns eine Tortur. Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen und wurden behandelt wie Schwerverbrecher!“

Lesen Sie auchFahrschein „zu spät“ gezeigt: Seniorin (80) soll zahlen

Die Bahn kann zum konkreten Fall auf Anfrage nichts sagen. Laut einem Sprecher soll sich Kilian L. beim Kundendialog der S-Bahn München melden. „Dann wird eine Einzelfallprüfung vorgenommen“, sagt der Sprecher. „Sollte der Fall so passiert sein, tut es uns leid, dass die Familie so behandelt wurde“, betont er.

Daniela Schmitt

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