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Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch

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München - Infektionskrankheiten werden in München zunehmend zum Problem: Das belegt der aktuelle Bericht des Gesundheitsreferats. 2007 wurden demnach 37 % mehr Fälle gemeldet als im Vorjahr.

In München haben sich im vergangenen Jahr 6429 Menschen mit einer Infektionskrankheit angesteckt. Im Jahr 2006 waren es nur 5116 Fälle. Die gezählten Fälle sind jene, die gemäß dem Infektionsschutzgesetz an das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet wurden. Dazu gehören Infektionen mit Grippeviren ebenso wie HIV oder Tuberkulose.

„Eine im Ausmaß ganz außerordentliche Zunahme“, heißt es dazu im aktuellen Infektionsbericht. Bezieht man nur zwölf häufige und besonders ansteckende Erkrankungen in die Berechnung ein, ergibt sich für das Jahr 2007 sogar ein Anstieg um ganze 37 Prozent.

Zwar steigt die Zahl der Patienten, die sich mit einer meldepflichtigen Krankheit angesteckt haben, in ganz Deutschland. Im Vergleich mit anderen bayerischen Städten ist die Zunahme in München jedoch am höchsten. Bezogen auf die zwölf ausgewählten Erkrankungen wurden 2007 rund 455 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner gezählt. Lediglich in Würzburg erreichte die Zahl (433) ein ähnlich hohes Niveau.

„Der Hauptgrund des Anstiegs ist sicherlich die große, bundesweite Norovirus-Welle der vergangenen beiden Winter“, sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des RKI in Berlin. Diese hatte München besonders stark getroffen und erstmals sogar die Schließung einer Schule nötig gemacht. Mit 2543 Infektionen hat sich die Zahl der gemeldeten Fälle 2007 mehr als verdoppelt (2006: 1216, Quelle RKI). Sie dürfte jedoch auch in diesem Jahr kaum niedriger liegen. Nach Auskunft des Gesundheitsreferats wurden bisher bereits 2158 Fälle gemeldet.

Aber auch Infektionen mit Influenzaviren sowie mit dem Keim Campylobacter, der eine Darmentzündung auslöst, ließen die Gesamtzahl der aus München gemeldeten Fälle stark ansteigen. Zahlenmäßig zwar weniger relevant, aber dennoch ein zunehmendes Problem stellt auch die Geschlechtskrankheit Syphilis dar. Durch Zuwanderung kehrt zudem die besiegt geglaubte Tuberkulose zurück.

Als Ursache für den überproportional hohen Anstieg der Infektionszahlen in München nennt der Bericht vor allem die hohe Bevölkerungsdichte. „Dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, breiten sich Infektionserreger besonders leicht aus“, erklärt Henrik Jörgens, Sprecher des Gesundheitsreferats. Das gilt auch für Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Altenheime, von denen es in München besonders viele gibt. Etwa 150 sogenannte Häufungen hat man in solchen Einrichtungen im vergangenen Jahr gezählt. Von einer Häufung spricht man, wenn sich fünf oder mehr Personen infiziert haben.

Gerade in solchen Fällen wäre Aufklärung besonders wichtig. Oft sei es dafür nötig, sich die Situation vor Ort anzuschauen, sagt Dr. Petra Graf, Leiterin der Abteilung für Infektionsschutz der Stadt. Doch dafür fehlt oft das Personal. Sechs Ärzte arbeiten derzeit im Gesundheitsreferat. Drei Stellen konnten nicht besetzt werden – wegen der vergleichsweise geringen Bezahlung im öffentlichen Dienst gibt es kaum Bewerber. „Wir können oft nur noch reagieren, aber nicht mehr vorbeugen“, klagt Graf.

Dabei sind die Zahlen in diesem Jahr erneut gestiegen. So wurden im ersten Halbjahr 2008 mit 4351 zwar noch geringfügig weniger Fälle registriert als im Vorjahreszeitraum (2006: 4479). Inzwischen ist die Gesamtzahl jedoch bereits auf 7143 (Stand: 9. Dezember, vorläufige Zahl) gestiegen. Das sind schon jetzt mehr Infektionen als im gesamten Vorjahr.

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