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„Die Fahrscheine bitte!“ Fast jeder erschrickt zunächst, wenn der Kontrolleur in der U-Bahn nach dem Ticket fragt.

Informatik-Student warnt Schwarzfahrer vor Kontrolleuren

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München - Er nennt sich „Schwarzfahrer“. Das ist ein Deckname. Ein falsches Profilfoto hat er auch auf seiner Facebook-Seite - immerhin könnte er wegen seines Treibens im Internet Ärger bekommen.

„MVV-Blitzer“ heißt die Seite, die der Schwarzfahrer auf den Online-Plattformen Facebook und Twitter gegründet hat. Hier werden, wie bei Blitzern im Radio, Warnungen vor Fahrscheinkontrollen bekannt gemacht. Jeder kann mitmachen, man muss nur eine Meldung schreiben, wo im MVV-Netz gerade kontrolliert wird.

Vor einem halben Jahr saß der Schwarzfahrer, der Informatik studiert, mit Freunden bei ein paar Bier zusammen. Sie kamen auf die Preise der öffentlichen Verkehrsmittel zu sprechen. Unverschämt hoch seien die, da war man sich einig. Aber was tun? Die Antwort: Schwarzfahren. Mit System. Das Projekt lief schleppend an. Aber mittlerweile laufen täglich bis zu zehn Meldungen ein und mehr als 6000 Nutzer halten sich auf „MVV Blitzer“ auf dem Laufenden in Sachen Fahrscheinkontrolle.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sieht das Warnsystem im Internet gelassen: Die Kontrolleure seien permanent unterwegs und wechselten so oft die Züge und Linien, dass Verräter keine Chance hätten. Auch die Münchner S-Bahn verweist auf die Flexibilität ihrer Kontrolleure: Was der „MVV Blitzer“ leisten könne, seien lediglich Momentaufnahmen.

Das weiß freilich auch der Student, der sich auf Facebook Schwarzfahrer nennt. Deshalb will er den Service jetzt ausbauen. Es soll eine Melde-App fürs Handy geben. Und einen Echtzeit-Stadtplan, der anzeigt, wo gerade Kontrolleure unterwegs sind. In die App könnte eine Funktion eingebaut werden, die den Nutzer automatisch warnt, sobald er in die Nähe einer Kontrolle gerät. Inzwischen habe die Seite so viele Nutzer, dass sich ein solches Projekt lohne.

Nach Angaben der MVG werden durchschnittlich zwei bis drei Prozent aller Fahrgäste als Schwarzfahrer enttarnt. Die Einnahmen, die ihr durch das Fahren ohne Ticket entgehen, schätzt die MVG auf zehn Millionen Euro im Jahr. Mit dem Geld könne man 30 große Stadtbusse kaufen.

Der Student namens Schwarzfahrer beteuert, dass es ihm nicht darum gehe, auf Kosten anderer umsonst zu fahren: Vielmehr wolle er anderen helfen, ihre MVV-Kosten zu reduzieren. Er selbst habe seine Kosten durchs Schwarzfahren auf etwa 160 Euro im Jahr drücken können: „Aber natürlich werde ich auch ein paar Mal im Jahr erwischt“, sagt er.

Moritz Homann

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