Intensivstraftäter klagt gegen Peilsender am Auto

München - Weil er sich von der Münchner Polizei unrechtmäßig überwacht fühlt, prozessiert ein Serien-Einbrecher gegen den Freistaat - ohne Erfolg.

35 Jahre seines Lebens hat Karl-Heinz K. (57) im Gefängnis verbracht. Auch derzeit sitzt er in Haft, ein Strafprozess läuft. Immer wieder beging er in der Vergangenheit gewerbsmäßige Einbrüche, gilt als Intensivstraftäter. Doch nun ist der ewig Angeklagte zum Kläger geworden: Weil ihm die Münchner Polizei einen Peilsender ans Auto heftete, zog er vor das Verwaltungsgericht. Doch zu einem Urteil kam es erst gar nicht.

Zu der Verhandlung gestern wurde Karl-Heinz K. aus dem Gefängnis ins Verwaltungsgericht an der Bayerstraße gebracht. Er wollte erklären, warum er die Arbeit der Behörden für fehlerhaft hält. Ohne Anwalt. „Einige Behauptungen der Polizei stimmen nicht“, sagte er. Der Hintergrund: Im November 2010 wurde Karl-Heinz K. nach acht Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Die Prognose für den Intensivtäter war schlecht, ein Gutachten aus dem Jahr 2002 bescheinigt ihm einen Hang zu erheblichen Straftaten und eine Persönlichkeitsstörung.

Und tatsächlich: Zurück in der Freiheit, soll Karl-Heinz K. nicht lange straffrei geblieben sein. Bereits vor seiner Entlassung nahm er Kontakt zu einem Komplizen auf. Im August 2011 schlugen sie in Köln wieder zu: In einem Büro der Caritas erbeuteten sie 25 000 Euro. Karl-Heinz K. kam mit acht Monaten Bewährung davon. Nur wenige Monate später, ab Januar 2012, passierten dann im Münchner Raum Einbrüche, die der bekannten Masche des Duos ähnelten: Die Täter brachen in Gewerberäume ein, flexten den Tresor auf - und verschütteten Flüssigkeiten, um ihre Spuren zu verwischen. So sollen sie insgesamt einen hohen fünfstelligen Betrag erbeutet haben. Dabei hatten sie es vor allem auf soziale Einrichtungen abgesehen.

Die Münchner Beamten kamen schnell auf Karl-Heinz K. und seinen Komplizen - und die Kriminalpolizei begann, ihn technisch zu überwachen. Ein Peilsender am Auto erfasste rund einen Monat lang seine Bewegungen, und tatsächlich konnten die Ermittler ihm offenbar nachweisen, dass er an den Tatorten gewesen ist. Zwei Beamte nahmen den Mann schließlich in Hof fest - kurz nach seinem letzten Einbruch.

Karl-Heinz K. zweifelt nun die Rechtmäßigkeit der Observierung an. Er glaubt, dass die Polizei ihre Kompetenzen überschritten hat. Zudem sei das Gutachten, das der Gefahrenprognose zugrunde lag, veraltet. Doch von Beginn an machte die Vorsitzende Richterin deutlich, dass er schlechte Chancen hat: „Sie sind relativ schnell nach der Haft wieder rückfällig geworden, sie haben Kontakt zu ihrem Komplizen gesucht, sie saßen leider schon sehr oft im Gefängnis.“ Die Polizei habe berechtigten Grund zu der Annahme gehabt, dass die Gefahr erneuter Straftaten bestand - und das sei die Voraussetzung für eine technische Observierung: „Es muss eine gewisse Wahrscheinlichkeit bestehen, und die ist bei Ihnen als Intensivstraftäter leider groß. Nach meiner Einschätzung ist es rechtmäßig.“

Angesichts dieser klaren Worte entschied sich der 57-Jährige nach rund einer Stunde, die Klage zurückzuziehen. Damit ist die Sache erledigt - das Strafverfahren wegen der Einbrüche läuft weiter.

Ann-Kathrin Gerke

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

MVG-Kracher: Kommt das Kombi-Ticket nach München?
Ein Fahrschein, ein Preis, viele Verkehrsmittel - wie Bus, Auto oder E-Scooter? Augsburg hat es vorgemacht. Jetzt soll die MVG nachziehen.
MVG-Kracher: Kommt das Kombi-Ticket nach München?
Junge Frau in Aufzugkabine eingeklemmt und schwer verletzt - Feuerwehr muss anrücken
Am Montagvormittag (11.11.) wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr München zu einem besonders dramatischen Fall gerufen. Eine 23-Jährige wurde von einer Aufzugkabine …
Junge Frau in Aufzugkabine eingeklemmt und schwer verletzt - Feuerwehr muss anrücken
Überraschungs-Kandidatin: Mohr-Villa-Chefin tritt für die SPD an
Die Leiterin der Mohr-Villa in Freimann, Julia Schmitt-Thiel, wird für die SPD auf der Stadtratsliste kandidieren. OB Dieter Reiter wird die 41-Jährige als …
Überraschungs-Kandidatin: Mohr-Villa-Chefin tritt für die SPD an
Luftballon löst Mega-Störung auf der Stammstrecke aus - Einschränkungen bis in die Abendstunden
Störung am Sonntagnachmittag: Der Verkehr auf der Münchner S-Bahn-Stammstrecke kam zeitweise zum Erliegen.
Luftballon löst Mega-Störung auf der Stammstrecke aus - Einschränkungen bis in die Abendstunden

Kommentare