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Interview: Wann sind Flashmobs erlaubt?

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München - Es sollte ein Spaß werden: Zu Hasselhoffs „Looking for Freedom“ wollten hunderte Menschen eine Polonaise auf dem Marienplatz tanzen - doch die Polizei griff ein. Im Interview erklärt die Polizei, wann Flashmobs erlaubt sind.

Herr Reichl, warum ist eine Polonaise auf dem Marienplatz verboten?

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Da muss man unterscheiden. Grundsätzlich ist ein Flashmob nicht verboten, wenn sich die Teilnehmer in der Öffentlichkeit normal verhalten und andere Bürger und Passanten nicht behindern. Normales Verhalten kann zum Beispiel auch das sogenannte Einfrieren sein, wenn die Teilnehmer auf ein Kommando einfach still stehen bleiben, dabei aber niemanden behindern.

Was sprach dann gegen die Polonaise?

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Peter Reichl © FKN

Das Umfeld darf durch den Flashmob nicht beeinträchtigt werden. Da schon in der Ankündigung im Internet stand, dass die Organisatoren der Polonaise einen Ghettoblaster mitbringen wollten, war klar, dass durch die Musik andere beeinträchtigt werden. Außerdem fand in diesem Fall auf dem Marienplatz bereits die Kundgebung des Ostermarsches statt, er war also belegt.

Müssen Flashmobs angemeldet werden?

In vielen Fällen ja, weil sie über den allgemeinen Gemeingebrauch der Straßen hinausgehen. Meist sind die Flashmobs ja nicht politisch, sondern spaßorientiert. Damit greift auch nicht das Versammlungsrecht.

Was ist an Flashmobs aus Sicht der Polizei problematisch?

Es besteht immer die Gefahr, dass ein Flashmob außer Kontrolle gerät. Das ist zum Beispiel bei der Veranstaltung in der U-Bahn im Januar passiert, als andere Fahrgäste belästigt und Feuerlöscher entleert wurden. Ein Organisator hat es nicht in der Hand, ob sich alle Teilnehmer vernünftig verhalten. Viele vergessen, dass sie für ihr Tun selbst verantwortlich sind. Ich verstehe ohnehin nicht, warum sich erwachsene, intelligente Leute freiwillig dem Kommando einzelner unterwerfen.

Wie bekommt die Polizei überhaupt Wind von geplanten Flashmobs?

Auch die Polizei ist im Internet und in Netzwerken wie Facebook unterwegs. Oft bekommen Polizisten auch privat das eine oder andere mit. Flashmob-Ankündigungen sind nicht unsere erste Priorität bei Netzrecherchen, aber wir haben ein Auge darauf.

Interview: Philipp Vetter

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