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Schäfchen an der Schützenstraße: Pia Novak wirbt in der Innenstadt für das Entdeckerdorf „Muck“, das in Königsdorf entstehen soll.

Investoren gesucht

Münchnerin plant ein Dorf für unsere Stadtkinder

München - Pia Novak will gestressten Stadtkindern einen Ort schenken, an dem sie wieder zu sich kommen können – und der die Eltern nicht viel kostet: das Entdeckerdorf „Muck“. Ein Grundstück gibt es schon, was noch fehlt, ist das Startkapital. Die Investorensuche läuft.

Kuschelig ist es im Schäferwagen von Pia Novak. Es wird schnell warm, wenn die Tür zu ist, und das Interieur aus Holz bietet genug Sitz- und Liegefläche für gemütliche Abende. Auf dem Tisch flackern Teelichter, Novaks elfjähriger Sohn Julian liegt quer über der hinteren Bank und macht – gar nichts. Ein idealer Ort für Stadtkinder, um sich zu entspannen ist so ein Wagen. Vor allem, wenn er mitten in der Natur steht. Genau das soll das Entdeckerdorf Muck ab nächstem April werden: Ein Urlaubsort aus Schäferwagen für einkommensschwache Familien und Alleinerziehende, an dem Kinder wieder lernen, zur Ruhe zu kommen.

„Ich weiß aus meiner Arbeit als Schulbegleiterin, dass viele Kinder in München am Wochenende überhaupt keinen Ausgleich haben und nichts erleben“, sagt die 42-jährige Journalistin und Nachhilfelehrerin Novak. „Das ist so schade.“ Im Entdeckerdorf Muck sollen Kinder die Natur entdecken und dabei ausspannen. „Sie sollen durchhängen, träumen, eine Stunde lang die Angel ins Wasser halten oder die Wolken anschauen“, begeistert sich Novak. „So entkommen sie der täglichen Reizüberflutung. Das ist heilsam, vor allem für Kinder, die Probleme mit der Konzentration haben.“

Mit drei bis fünf Schäferwagen will Pia Novak ihr Feriendorf ab April starten. Ein Stück Land hat sie schon gefunden: In Königsdorf zwischen Wolfratshausen und Bad Tölz verpachtet die Jugendsiedlung Hochland e.V. ein Gelände mit Zugang zu ihren Gemeinschaftseinrichtungen. Schafe und Kühe weiden hier, ein Bach fließt quer hindurch. Ein großer Küchenwagen soll installiert werden, in dem die Eltern kochen und ratschen können. Wer mehr Komfort wünscht, soll aber auch in der Jugendsiedlung essen und natürlich duschen können. Auch ein Fahrradverleih ist vor Ort.

Doch sportliche Action muss gar nicht sein. Für Initiatorin Pia Novak ist es viel wichtiger, dass Kinder nach Lust und Laune in die Wildnis eintauchen, die Eltern dabei aber in der Nähe haben. „Viele schicken ihre Kinder ja mit den besten Absichten ins Zeltlager“, sagt Novak, „aber dort leiden so viele an Heimweh. Wenn Kinder ihre eigene Fantasiewelt bauen und sich selbständig bewegen, dabei aber immer zur Familie zurück können, ist das ideal.“

Fest steht für die gebürtige Münchnerin auch, dass der Aufenthalt in der Natur Depressionen vorbeugt. „Erst im Mai hat eine Studie der Stanford Universität bewiesen, dass Spaziergänge im Grünen die Hirnregionen lähmen, die für tristes Grübeln zuständig sind.“

Novak, ihr Lebensgefährte und ihr Sohn haben mit ihrem eigenen Schäferwagen schon oft auf der Wiese des künftigen Entdeckerdorfs übernachtet. „Es ist super“, sagt Sohn Julian. „Ein See ist in der Nähe, und abends kann man grillen. Auch Dorfkinder zum Spielen sind da. Und zum Schlafen ist es im Wagen richtig behaglich.“

Ganz begeistert ist auch Julians 14-jährige Schulfreundin Nicole. „Viele Kinder rasten heute doch aus, wenn man ihnen das Tablet wegnimmt“, sagt sie. „Ich war früher auch mal so. Heute weiß ich, wie toll die Natur ist. Das sollte einem nicht egal sein.“

Das Gelände des Entdeckerdorfs Muck ist auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: Mit der S7 geht es bis Wolfratshausen, dann mit dem Bus bis zur Jugendsiedlung Hochland. Wer nicht viel Geld hat, kommt also unproblematisch hin. Von April bis Oktober soll die Saison gehen, mit Hauptaugenmerk auf die Wochenenden und Ferien, die Übernachtung soll im Idealfall 30 Euro pro Nacht pro Wagen kosten – was halb so teuer ist wie Jugendherbergen, deren Preise meist bei rund 30 Euro pro Person pro Nacht liegen.

Ob das Entdeckerdorf Muck in seine erste Saison starten kann, hängt nun davon ab, ob Pia Novak genug Startkapital zusammenbringt. 20 000 Euro braucht sie, um drei bis vier gebrauchte, gut gedämmte Schäferwagen zu kaufen. Auch Pacht und Versicherungen fürs erste Jahr wollen bezahlt werden. Mit ihren Mitstreitern hat sie deshalb ein Crowdfunding über das Internet gestartet (siehe Kasten). Bisher sind knapp 5500 Euro eingegangen.

Aber auch wenn die Internet-Finanzierung scheitert, will Novak an ihrem Plan festhalten. „Ich möchte das Entdeckerdorf wahr werden lassen“, sagt sie, „früher oder später. Schließlich geht es dabei auch um unsere Zukunft. Die Kinder von heute müssen morgen unsere Natur beschützen. Eine Natur, die sie selbst kennen gelernt haben, beschützen sie besser.“

Isabel Winklbauer

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