+
Blumen und Kerzen stehen zwei Jahre nach dem Mord an einem Baum an der Corneliusbrücke.

„Isarmord“ jährt sich zum zweiten Mal

Mordfall Domenico: Hoffen auf den entscheidenden Hinweis

  • schließen

München - 15.000 Menschen hat die Polizei überprüft, 5500 Speichelproben ausgewertet und über 700 Hinweise abgearbeitet. Wenn sich der Mord an Domenico L. heute zum zweiten Mal jährt, gibt es trotzdem noch immer keine heiße Spur zum Täter.

Frische Blumen und Kerzen stehen am Mittwoch rund um den Baum an der Isar. Neben einem schwarzen Trauerflor hängt ein Bild von Domenico L., der hier sein Leben verlor. Spaziergänger gehen vorbei, kaum einer bleibt stehen. Einige Touristen erkundigen sich, was da passiert sei. Genau vor zwei Jahren ist hier an der Isar eine noch immer kaum begreifliche Tragödie geschehen. Ein Mord, der München schockierte. Und zu einem der aufwändigsten Fälle der Münchner Polizei-Geschichte wurde.

Unweit der Corneliusbrücke hat vor zwei Jahren ein immer noch Unbekannter das Glück eines jungen Paares aus der süditalienischen Stadt Potenza zerstört. Am Abend des 28. Mai 2013 hatte Domenico L. – den seine Freunde immer Mimmo nannten – mit seiner Verlobten am Gärtnerplatz etwas getrunken. Am nächsten Tag wollten die beiden nach Italien reisen und ihren Familien erzählen, dass sie heiraten werden. Der Ingenieur bei Airbus radelte mit seiner Freundin an der Isar entlang nach Hause zu ihrer Wohnung am Wiener Platz in Haidhausen. Gegenüber dem Europäischen Patentamt spuckte plötzlich ein dunkel gekleideter Mann die Verlobte des 31-Jährigen an. L. stellte den Unbekannten zur Rede. Kurz darauf sackte er zusammen. „Er hat sich zu mir umgedreht, seine Hand war voller Blut“, zitierte die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ die Verlobte des Opfers, die die Tat mitansehen musste. Sie sagte der Zeitung, es habe alles nur wenige Sekunden gedauert. Der Unbekannte hatte mehrmals mit einem Messer auf L. eingestochen, dann rannte er davon.

Das Opfer: Der italienische Ingenieur Domenico L.

Markus Kraus, Leiter der Münchner Mordkommission, lässt der Fall keine Ruhe. „Nachdem es einer von den ganz wenigen ungeklärten Mordfällen ist und eine Ermittlungsgruppe auch aktuell an dem Fall arbeitet, ist er ständig präsent“, sagte er unserer Zeitung. Die direkt nach der Tat eingerichtete 30-köpfige Sonderkommission „Cornelius“ wurde im Dezember 2013 auf eine Ermittlungsgruppe zurückgefahren. Sechs Beamte arbeiten im Moment daran, den Mord an Domenico L. aufzuklären. Immer wieder habe es Momente gegeben, in denen die Ermittler glaubten, eine heiße Spur zu haben, sagt ein Polizeisprecher. Aufgrund der DNA-Spur, die der Unbekannte am Tatort hinterlassen hat, ist ein schneller Abgleich möglich. Das genetische Material haben die Ermittler, da der Täter sich bei seinen wuchtigen Messerstichen wohl selbst verletzte.

„Ich kann nicht ertragen, dass sein Mörder frei herumläuft“, sagte Paolo, Domenicos Bruder, einige Monate nach dem Mord. Er kritisierte damals in Medienberichten, dass die Polizei die Tat anfangs unterschätzt habe.

Fast 15 000 Menschen haben die Beamten mittlerweile überprüft, mehr als 5500 Speichelproben genommen und mit der Täter-DNA abgeglichen. Zudem haben sie über 700 Hinweise abgearbeitet. Einen Treffer gab es nicht.

„Wir gehen weiterhin jedem Hinweis nach“, erklärt Kraus. Dabei würden vor allem Fälle von unmotivierten Angriffen oder Spuckattacken abgeglichen. „Der Fall ist auch bei allen anderen Dienststellen – egal ob Schutz- oder Kriminalpolizei – präsent, so dass wir auch von dort ständig Hinweise bekommen“, so der Chef der Mordkommission. Kraus hat die Hoffnung nicht aufgegeben, den Isarmörder noch zu fassen. Auch in der Vergangenheit habe es immer wieder Fälle gegeben, die gezeigt hätten, dass Verbrechen nach 20 und mehr Jahren geklärt werden könnten. „Letztlich kann auch jederzeit der entscheidende Hinweis eingehen, der zum Täter führt.

Stefanie Wegele

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

20 Mietparteien atmen auf: Stadt München kauft Haus an Ehrengutstraße
Die Stadt kauft das Gebäude Ehrengutstraße 18. OB Dieter Reiter (SPD) hat gestern eine dringliche Anordnung unterschrieben.
20 Mietparteien atmen auf: Stadt München kauft Haus an Ehrengutstraße
Wohnungen, Verkehr, Soziales: SPD München legt Wahlprogramm vor
Bau von günstigen Wohnungen, Förderung des Nahverkehrs, Klimaschutz und viel Soziales: Die SPD-Parteispitze hat ihr Kommunalwahlprogramm vorgestellt. Der Parteitag soll …
Wohnungen, Verkehr, Soziales: SPD München legt Wahlprogramm vor
Mitarbeiter der Stadt erhalten mehr Geld: München-Zulage beschlossene Sache
Jetzt steht es endgültig fest: Die München-Zulage für die Beschäftigten der Stadt wird zum 1. Januar 2020 verdoppelt. Darauf haben sich die Landeshauptstadt und die …
Mitarbeiter der Stadt erhalten mehr Geld: München-Zulage beschlossene Sache
Stadtrat entscheidet: Christkindlmarkt dauert länger
Die Zeit für Lebkuchen und Glühwein ist noch nicht gekommen, gleichwohl hat der Stadtrat am Dienstag beschlossen, dass der Beginn des Marktes am Marienplatz vorverlegt …
Stadtrat entscheidet: Christkindlmarkt dauert länger

Kommentare