Festnahme im Mordfall Peggy

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Ortstermin: Imam Benjamin Idriz und der ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude besichtigten die Areale an der Dachauer Straße, von denen eines Standort für eine große Münchner Moschee werden soll.

Islam-Zentrum an Dachauer Straße?

Neuer Anlauf: Moschee soll ins Kreativquartier

München - Die Stadt bietet Grundstücke an der Dachauer Straße für das Islam-Zentrum an. Ins Kreativquartier könnte eine Moschee integriert werden. Die Finanzierung ist ungeklärt.

Das Zusammenleben mit Minderheiten hat Christian Ude in seinen Jahren als OB stets gefördert. So sehen es viele Beobachter - und vor allem auch Ude selbst. Doch während der Oberbürgermeister in den letzten Wochen von Abschied zu Abschied eilte und viel die Rede war von den Leistungen der letzten 21 Jahre, feilte Ude im Hintergrund offenbar noch einmal an einem letzten konkreten Punkt: einem Grundstück für das Moschee-Projekt des Penzberger Imams Benjamin Idriz.

Der wirbt seit Jahren für sein Zentrum mit Moschee, Gemeindezentrum, Bibliothek und Museum. In Penzberg hat er bereits eine Moschee - ohne begehbares Minarett, ohne öffentliche Muezzinrufe. In der Landeshauptstadt will er sein „Münchner Forum für Islam“ (MFI) eröffnen, für das er früher unter dem Namen „Ziem“ („Zentrum für Islam in Europa“) warb. Der Stadtrat hat 2010 parteiübergreifend seine Sympathie für das Projekt bekundet, eine Moschee zu bauen, in der ein Islam im Sinne des Grundgesetzes gelebt werden soll. Seitdem aber passierte nicht allzu viel. OB Christian Ude erklärte immer wieder, um die Finanzierung müsse sich Idriz schon selbst kümmern, auch werde er sicher nicht als Oberbürgermeister zu möglichen Geldgebern reisen.

Die Finanzierung blieb der Knackpunkt - und führte letztlich zum öffentlichen Streit zwischen Ude und Idriz. Schon vor Jahren war die Rede von 40 Millionen Euro Projektkosten, zehn für das Grundstück, 30 für den Bau. „Niemand gibt so viel Geld, ohne dass es einen Standort gibt“, sagte Idriz noch im Februar. Im Rathaus hieß es hingegen stets, erstmal müsse eine Finanzierung stehen.

Bis jetzt. Denn die Stadt hat Idriz zwei Grundstücke angeboten, über die schon länger gemunkelt worden war. Eine zuvor lange diskutierte Fläche an der Herzog-Wilhelm-Straße in der Altstadt war Anfang 2013 von Ude ausgeschlossen worden. Offizieller Grund: „Sicherheitsbedenken“.

Jetzt gibt es Alternativen: Kurz vor Ostern lud Ude zu einer Ortsbegehung im entstehenden Kreativquartier am Leonrodplatz, um zwei mögliche Standorte zu besichtigen (siehe Grafik). „Es war seine Initiative, er hat sich da wohl noch im Wort gefühlt“, sagte Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) am Freitag. Markwardt selbst hält viel von der Idee. „Für den Standort spricht, dass das Kreativquartier ein besonders gemischtes Quartier werden soll, das sich noch entwickelt“, sagte er. Er würde den Standort nördlich der Schwere-Reiter-Straße favorisieren. Dort stehen aktuell noch Gebäude der Stadtentwässerung, die aber ohnehin für das Kreativquartier abgerissen werden sollen.

Für die Initiatoren des Projekts hatte ein Standort innerhalb des Mittleren Rings immer eine große Symbolik. „Diese wichtige Voraussetzung wäre dort jetzt gegeben“, sagt Stefan Jakob Wimmer aus dem Vorstand des Forums. „Das ist wichtig um zu zeigen, dass die Muslime Teil der Gesellschaft sind. Es geht nicht in Hinterhöfen oder Kellern.“

Sehr positiv äußerte sich am Freitag Benjamin Idriz. „Ude hat eine große Rolle gespielt“, sagte Idriz unserer Zeitung. „Er hat sich in den letzten zwei Monaten noch sehr stark für uns eingesetzt.“ Ude habe „gespürt, dass wir ohne Grundstück keine Sponsoren finden“. Er will jetzt in seinem Verein diskutieren, welchen der beiden Standorte man vorziehen will. Er selbst sagt: „Ich finde die Dachauer Straße 110 besser.“

Jetzt wird es vor allem um die Sponsorenfrage gehen. Idriz plant eine Spendenaktion. „Muslime, Nicht-Muslime, Unternehmen“, hofft er, könnten einen Quadratmeter des Grundstücks symbolisch erwerben - für 2000 bis 2500 Euro. Die Flächen sind jeweils etwa 3000 Quadratmeter groß. Für die Moschee in Penzberg schoss der Emir von Schardscha einen Millionenbetrag zu - und auch in München dürfte für Idriz die Unterstützung von Kleinspendern eher von symbolischer Natur sein. Schon seit Jahren halten Beobachter das Projekt für davon abhängig, ob der Emir von Katar eine dicke Finanzspritze gibt. Idriz hat immer betont, dass Großspender nur in Frage kommen, wenn sie keinerlei Einfluss auf seine Arbeit in der Moschee nehmen. „Wir wollen jetzt eine klare Antwort von den Kataris“, sagte Idriz am Freitag. „Wenn sie absagen, werden wir aber auch nicht aufgeben.“

Einzig: Die Zeit drängt, denn die Stadt drückt aufs Gas. „Bis zur Sommerpause“, also bis in ein paar Wochen, sagt Markwardt, hätte man gerne die Zusage, dass es eine Finanzierung gibt. Dann werde er dem Stadtrat vorschlagen, ein Areal zu reservieren und es nicht mehr als Teil des Kreativquartiers zu vermarkten. Spätestens bis Ende 2014, heißt es im Rathaus, müssten die Karten auf dem Tisch liegen. „Ich hoffe, dass die Stadt flexibel mit uns umgehen wird“, sagt Idriz. Er will sich bald mit dem neuen OB Dieter Reiter (SPD) treffen. Im Gegensatz zu seinem Amtsvorgänger hat der sich bislang auffällig zurückgehalten beim Thema Moschee.

 

Von Felix Müller

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