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Ein wichtiger Baustein fehlt beim geplanten Islam-Zentrum: das Geld.

Islam-Zentrum kämpft mit Geldsorgen

München - Mit einem Islam-Zentrum will München Zeichen setzen. Doch ein wichtiger Baustein fehlt: das Geld. Bei der Stadt wächst die Ungeduld. Doch der Initiator des Projekts „Ziem“ ist zuversichtlich, schon sehr bald Sponsoren zu präsentieren.

Benjamin Idriz ist froh, dass der Fastenmonat Ramadan seit Dienstag vorüber ist. Nicht wegen der persönlichen Entbehrungen; es geht dem Penzberger Imam da um etwas anderes: sein Projekt, das „Zentrum für Islam in Europa – München“, meist „Ziem“ genannt. Es soll ein Zeichen für die Integration der Muslime werden, und in München soll es stehen. Idriz braucht dafür Geld, so um die 30 Millionen Euro. Er hat sie noch nicht. Aber jetzt ist ja der Ramadan vorbei. Da soll sich was bewegen. „In zwei bis drei Wochen“, sagt der Imam, „haben wir Antworten.“

Aktueller Favorit: Hinterm Stachus, an der Herzog-Wilhelm-Straße, könnte das Islam-Zentrum entstehen.

Das Geld: Es wäre nicht das erste Mal, dass der Bau eines muslimischen Gotteshauses in München daran scheitert. Der Moscheeverein Ditim musste vor nicht allzu langer Zeit sein umstrittenes Projekt am Gotzinger Platz beerdigen, weil er nicht die erhofften Zuschüsse bekommen hatte. Die Zeichen für „Ziem“ stehen insofern besser, als Idriz alle großen Parteien im Rathaus hinter sich weiß: SPD, CSU, Grüne und FDP. Sie alle unterstützen die Pläne für ein Islam-Zentrum samt Moschee, Gemeindezentrum, Bibliothek, Museum und nicht zuletzt einer Akademie zur Ausbildung von Imamen und Religionslehrern.

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Bereits im März vergangenen Jahres hatten die Fraktionen zugesichert, das Vorhaben wohlwollend zu begleiten, sofern der Imam nachweisen kann, dass die Finanzierung gesichert ist. Doch davon kann nicht Rede sein. Das ehrgeizige Projekt läuft Gefahr dahinzudümpeln, wenn nicht bald etwas geschieht. Selbst Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) sagt mit einem gewissen Nachdruck: „Jetzt liegt es am Verein, die Finanzierung für Ziem darzustellen, anhand der die Stadt die weiteren Schritte einleiten kann.“

Denkbare Alternative: die Schwere-Reiter-Straße. Heute steht hier auch der Betriebshof für Straßenbeleuchtung.

Die Suche nach einem Geldgeber ist für Idriz wohl auch deshalb nicht leicht, weil die Finanz- und Wirtschaftskrise auch arabische Staaten getroffen hat. Das Geld sitzt offenbar selbst dort nicht mehr so locker. Dennoch ist Idriz zuversichtlich, eine Lösung zu finden. Vor wenigen Wochen habe er nämlich „wichtige Gespräche“ geführt. „Gespräche, die sehr positiv waren.“ Als mögliche Sponsoren stünden „einige hochrangige Menschen“ aus den Vereinigten Arabischen Emiraten parat, speziell aus Abu Dhabi. Mitte September will Idriz mit Monatzeder darüber sprechen.

Sollte tatsächlich Geld fließen, wird die nächste Frage sein: wieviel? Denn davon wiederum hängt ab, welchen Standort sich Idriz leisten kann. Sein Favorit, die Herzog-Wilhelm-Straße hinterm Stachus (wir berichteten), ist wegen der zentralen Lage die teuerste von vier Optionen. Sie gilt auch bei der Stadtverwaltung als erste Wahl, weil sich hier ein Zeichen setzen ließe. Zusammen mit der katholischen Frauenkirche, der jüdischen Synagoge am Jakobsplatz und der evangelischen Matthäus-Kirche am Sendlinger-Tor-Platz entstünde in der Münchner Altstadt ein symbolisches Viereck der Religionsgemeinschaften.

Ob es dazu kommt, ist nicht nur wegen der ungewissen Finanzen fraglich. Die Spitze der Rathaus-SPD hatte bereits vor Monaten Skepsis signalisiert. Auch Josef Schmid, Fraktionschef der CSU, winkt ab: „Die Herzog-Wilhelm-Straße ist alles andere als mein Favorit.“ Man sollte Ziem stattdessen in einem Gebiet ansiedeln, „das das neue München darstellt“, meint der Christsoziale. Drei Alternativen haben die Planer in der Schublade: das Areal zwischen Dachauer-, Schwere-Reiter- und Lothstraße, wo einst die Werkbundsiedlung entstehen sollte; eine Fläche unweit der Messe in Riem; und ein Areal in der Nähe der Kfz-Zulassungsstelle in Laim.

Ein anderes Problem scheint Idriz derweil hinter sich gelassen zu haben: die Erwähnung im bayerischen Verfassungsschutzbericht. „Das ist kein Hinderungsgrund“, meint FDP-Fraktionschef Michael Mattar. Die Vorwürfe – Kontakte Idriz’ mit dem islamisch-extremistischen Spektrum – seien alt und umstritten. „Der Verfassungsschutz musste zugeben, dass da nichts dahinter steckt“, sagt auch CSU-Mann Schmid. Die Voraussetzungen seien also gut – wenn auch die Finanzierung stehe.

Von Matthias Kristlbauer

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