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So soll das Islamzentrum in München aussehen.

Münchner Islamzentrum

Langsamer Abschied von der Moschee

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München - Vor Wochen schien das Islamzentrum unmittelbar vor dem Durchbruch zu stehen. Doch die angekündigte Großspende ist nicht eingegangen. Im Rathaus wachsen die Zweifel, ob das Projekt überhaupt realisiert werden kann.

„Sehr geehrter Oberbürgermeister, lieber Dieter“, so beginnt der Brief von Alt-OB Christian Ude an seinen Nachfolger Dieter Reiter. „Das Münchner Forum für Islam erwartet aufgrund einer schriftlichen Zusage nächste Woche eine Großspende, mit der das Spendenaufkommen 5 Millionen Euro überschreiten würde.“ Die „nächste Woche“ ist lange vorbei. Ude, der dem Kuratorium des Islamzentrums vorsitzt, war sich Anfang Dezember sicher, dass der Durchbruch unmittelbar bevorsteht. Der „gesamte Kaufpreis“ für das städtische Grundstück an der Dachauer Straße, auf dem gebaut werden soll, werde „noch im Jahr 2015 zur Verfügung stehen“, schrieb Ude.

Das überzeugte den Ältestenrat. Das Gelände blieb reserviert bis Ende 2016. Erst dann muss die gesamte Finanzierung stehen. Eigentlich. Denn offenbar ist der Ärger über die doch wieder nicht eingegangene erste Großspende heftiger als bisher bekannt. Morgen diskutiert der Ältestenrat wieder. Und plötzlich erscheint alles möglich.

„Das Projekt hängt am seidenen Faden“, räumt sogar Ude ein. Auch wenn er hinzufügt: „Aber er kann sich auch noch als tragfähig erweisen.“ Die erste große Spende sei Voraussetzung für die Fristverlängerung gewesen. „Man kann nicht bis zum St. Nimmerleinstag vertrösten“, sagt Ude. „Ich habe volles Verständnis, dass die Geduld schwindet.“

Und das tut sie ganz offensichtlich. Wo man sich auch umhört im Ältestenrat: Die Tonlage hat sich verändert. Erstmals geht es auch um die Option, dem Islamforum (MFI) nicht mehr, sondern weniger Zeit zu geben. „Ich glaube, das Projekt ist bald am Ende“, sagt einer. „Es könnte nochmal eine Abschiedsfrist bis zum 30. April geben, dann ist endgültig Schluss.“ Diesen Vorschlag hält auch ein anderer für mehrheitsfähig. „Allerdings bezweifle ich mittlerweile, dass Imam Benjamin Idriz zu Potte kommt.“ Wieder ein anderer betont, die Grundlage für die Fristverlängerung sei die bevorstehende Spende gewesen. „Vielleicht muss Herr Idriz überlegen, ob es nicht auch eine oder zwei Nummern kleiner geht.“ Eine Möglichkeit könnte sein, dass das konkrete Grundstück anders verplant wird – Idriz aber zugesagt wird, ihn wieder zu unterstützen, sollte das Geld eingehen.

Wie andere Mitglieder des Ältestenrates betonte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl, er habe weiter Sympathien für das Islamzentrum, in dem ein europäischer Islam auf Deutsch gepredigt werden soll. „Vielleicht“, sagt Reissl nachdenklich, „muss man aber irgendwann auch einfach mal sagen: Es wird nichts.“

Imam Benjamin Idriz hofft, dass er die Stadträte nochmals überzeugen kann. Wie berichtet, hat er eine Zusage von einem saudi-arabischen Staatsbürger, der erklärt hat, mit seiner Millionen-Spende keinerlei inhaltlichen Einfluss nehmen zu wollen. Allerdings hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Saudi-Arabien kritisiert, in Deutschland wahabitische Moscheen zu finanzieren, in denen Islamisten verkehrten. „Als Konsequenz hat der saudische Staat verfügt, dass derzeit keine Moscheeprojekte in Deutschland von Saudis unterstützt werden dürfen“, bestätigt Idriz einen Bericht unserer Zeitung. Der potenzielle Spender habe am Mittwoch noch einmal unterstrichen, an seiner Zusage festzuhalten. „Sobald die politischen Irritationen überwunden sein werden, kann die Überweisung erfolgen.“

Idriz appelliert, ihm einen Aufschub von „einigen Monaten“ zu gewähren. Er sagt, der potenzielle Spender sei bereit, sich „demnächst“ auch mit dem OB zu treffen. Die Zweifel wachsen, ob es dann nicht schon zu spät sein könnte.

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