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Sigmar Gabriel

Islamzentrum

Stoppen die Saudis die Moschee-Spende?

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München - Diese Woche erwarteten die Organisatoren des Islamzentrums die erste Großspende. Eingegangen ist sie nicht. Ein möglicher Grund dafür ist ausgerechnet das autoritäre Saudi-Arabien.

Als Vize-Kanzler Sigmar Gabriel Anfang Dezember der „Bild am Sonntag“ ein Interview gab, warnte der SPD-Mann vor Moscheen, in denen die Terrorgefahr wachse. Explizit sprach er wahabistische Moscheen an – und kritisierte den Staat Saudi-Arabien dafür, diese zu finanzieren. „Aus diesen Gemeinden kommen in Deutschland viele islamistische Gefährder“, sagte er wörtlich. Man müsse den Saudis klarmachen, „dass die Zeit des Wegschauens vorbei ist“.

Nun hat das, was Imam Benjamin Idriz mit seinem Münchner Forum für Islam (MFI) plant, sehr wenig zu tun mit solchen Moscheen. Befürworter des Islamzentrums würden sagen, das Münchner Projekt sei das Gegenteil davon. Ein westlicher Islam, gepredigt auf Deutsch. Ein Haus, offen auch für Christen, Juden, Atheisten. Und doch könnten Gabriels Worte für das MFI zu einer großen Hürde werden.

Wie berichtet, hatte Kuratoriums-Chef Christian Ude öffentlich angekündigt, er rechne in dieser Woche mit dem Eingang einer ersten Großspende. Mit diesem Geld hätte man die 4,5 Millionen Euro beisammen, um das Grundstück für das Islamzentrum von der Stadt zu kaufen. Über den potenziellen Spender wurde zunächst wenig bekannt: Er soll ein betagter Privatmann aus Saudi-Arabien sein und keine Bedingungen stellen oder persönlichen Interessen verfolgen – und er soll bereit sein, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der er unter anderem jegliche Form von Extremismus und Hass ablehnt. Idriz und Ude betonten dieser Tage, der Mann sei – nach erfolgter Spende – auch bereit, sich öffentlich vorzustellen.

Wenn es denn soweit kommt. Denn das Geld ist noch nicht da. Und ausgerechnet Gabriels gegen Extremismus gedachte Worte könnten damit etwas zu tun haben. Im Umfeld des MFI heißt es, der Staat Saudi-Arabien könne nach Gabriels Ansage nun Spenden dieser Art generell verbieten – also auch für einzelne Staatsbürger. Kuratoriums-Chef Ude bestätigt die Sorge. „Das könnte sein“, sagt er. Idriz erklärt: „Ich hoffe es nicht.“ Beide betonen, der betagte Saudi plane weiter, zu spenden. Das wäre aber ohnehin nur ein erster Schritt. Das ganze Islamzentrum dürfte deutlich teurer werden als die 4,5 Millionen Euro – von 35 bis 40 Millionen Euro Gesamtkosten ist die Rede.

Bis Ende 2016 muss das Geld beisammen sein, so lange will die Stadt das vorgesehene Grundstück an der Dachauer Straße reserviert halten. Im Rathaus ist man sich einig: Auch ein zweiter Großspender muss transparent gemacht werden. Und der Daumen könnte auch noch gesenkt werden – wenn dem zweiten Großspender politische Einflussnahme nachgesagt wird. Insbesondere die CSU würde e wohl bei kleinsten Anzeichen in diese Richtung nicht mehr mitspielen.

Wenn es denn einen zweiten Spender braucht. Nach Informationen unserer Zeitung könnte der betagte Privatmann auch für einen höheren Betrag als bislang bekanntgegeben bereitstehen. So der denn spenden darf. Dem MFI steht jedenfalls ein spannendes Jahresende bevor.

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