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So könnte die Ansicht von der Dachauer Straße aus aussehen.

Pläne vorgestellt

Das Münchner Islamzentrum nimmt Gestalt an

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München - Bislang war es eine abstrakte Diskussion. Jetzt wird es konkret: Die Initiatoren des Münchner Islamzentrums haben ihre Pläne für das Projekt am Leonrodplatz vorgestellt. Sie setzen bewusst auf eine offene Architektur und schwärmen von einer Eröffnung 2020. Ob jemals gebaut wird, ist aber noch gar nicht sicher.

Von einem Minarett mag er nicht sprechen, Muezzinrufe werde es natürlich auch nicht geben. Imam Benjamin Idriz will ein klares Signal senden: Dieser Ort wird für einen modernen, europäischen Islam stehen. „Das hier“, sagt er und zeigt auf das Modell seines Islamzentrums, „ist völlig anders als arabische Architektur.“ Idriz braucht schnell Unterstützung. Politisch hat er sie gefunden. Aber er braucht Geld. Viel Geld. „2015“, sagt der Mann, der seit vielen Jahren für sein Projekt wirbt, „wird ein entscheidendes Jahr für uns.“

Und das aus mehreren Gründen. Die Stadt hat ein Grundstück reserviert. Aber nur vorübergehend noch bis Ende März. Idriz braucht dringend eine sichere Finanzierungszusage. Und: Theoretisch könnte es noch zu einem Bürgerentscheid über das Projekt kommen, obwohl die Stadt das ablehnt. Die Frage beschäftigt derzeit das Verwaltungsgericht. Idriz und sein Münchner Forum für Islam (MFI) stehen also unter Druck. Am Freitag stellten sie die Entwürfe für ihr Islamzentrum vor.

900 Menschen sollen Platz in der Moschee finden. Ein klassisches Minarett oder Muezzin-Rufe sind aber nicht geplant.  

Und die haben mit dem Bild, das viele Deutsche von Moschee haben, nicht viel gemein. Der Augsburger Architekt Alen Jasarevic hat sie entworfen. Er schwärmt von der Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen und dem Jüdischen Zentrum am Jakobsplatz. „Da kommen wir her“, sagte er, „sowas gefällt uns.“

Und das plant Jasarevic für das Islamzentrum: Drei Bauwerke gruppieren sich um einen „Marktplatz“, einen öffentlichen Platz. Auf einer Fläche von 3300 Quadratmeter Baufeld werden die 16 bis 18 Meter hohen Neubauten errichtet. Ein klassisches Minarett werde es nicht geben, betont Idriz. Aber einen „Leuchtturm“, eine 30 Meter hohe Stele, die wahrscheinlich auch angeleuchtet werden soll. Die öffentliche Zugänglichkeit der Flächen war den beiden wichtig, nebenan entsteht am Kreativquartier ein Park, zu dem man auch über den zentralen Platz im Islamzentrum gehen könnte. In dem Gebäude direkt an der Dachauer Straße soll die Moschee für bis zu 800 Betende untergebracht werden, es wird aber auch kleine Geschäfte geben, ein Museum über die Geschichte des Islams in München, Bayern und Deutschland und auch Studenten-Apartments. Vor den großen Glasfassaden sind Stelen angeordnet, die je nach Standpunkt des Betrachters verschiedene Muster ergeben.

Die offene Architektur passt zu dem, was Idriz seit langem predigt. Er will Muslime und Nicht-Muslime zusammenbringen. „Hier wird nicht an einer vermeintlichen Islamisierung gearbeitet, sondern an einer gedeihlichen Zukunft, an einer friedlichen und menschlichen Stadt für alle“, sagt er – und spricht von einem Islam „kompatibel mit den Werten Europas im 21. Jahrhundert“. Am Leonrodplatz sollen Juden, Christen, Atheisten auch abseits von Veranstaltungen willkommen sein. In einen schönen Meditationsraum, direkt zugänglich von der Dachauer Straße, könne „jeder zum Beten kommen“, betont Jasarevic. „Oder auch, um einfach zur Ruhe zu kommen.“

Idriz wird erstmal nicht zur Ruhe kommen. Formal ist die Unterstützung aus dem Rathaus über alle großen Fraktionen da. Mancher aber sagt hinter vorgehaltener Hand auch, ewig könne man das Grundstück nicht reservieren. OB Dieter Reiter (SPD) unterstrich am Freitag: Dass die Stadt das Projekt weiter unterstütze, das habe ja schon die Fristverlängerung gezeigt.

Außer der Moschee soll es auch eine Bibliothek, ein Museum, Geschäfte und Apartments für Studenten geben.

Bis Ende März hat Idriz Zeit, eine Finanzierung zu sichern. Offiziell angefragt hat er nach eigenen Angaben bei den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Staat Katar und bei Oman. Der OB betonte erneut: „Die Finanzierung ist allerdings allein Sache des Vereins, nicht Aufgabe der Stadt.“ Sobald Idriz eine Finanzierung vorlegen könne, werde „die Stadt gerne das weitere Vorgehen mit ihm besprechen“.

Ob es so weit kommt, man weiß es nicht mal im Umfeld von Idriz. Nein, über ein Scheitern wolle er nicht sprechen, sagte der Imam am Freitag. Er glaubt an sein Projekt, erhoffter Baubeginn: 2017. Mit den Entwürfen sei es jetzt ganz anders möglich, Spender zu überzeugen. Idriz geht von 35 Millionen Euro allein für den Bau aus. 1,5 Millionen konnte er bisher über Spenden sammeln. Überzeugen will er aber nicht nur Großspender – sondern auch die Münchner. Die können sich die Modelle bei einem Tag der offenen Tür am 1. und 2. Februar im MFI an der Hotterstraße selbst ansehen.

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