Interview mit Leiterin der Flüchtlingsarbeit

Nach Brandanschlag: "Jetzt braucht es ein starkes Netzwerk"

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München - Jugendliche haben versucht, das noch unbewohnte Flüchtlingsheim an der Neuherbergstraße (Am Hart) in Brand zu setzen. Was bedeutet das für die Arbeit der Inneren Mission, die die Unterkunft betreiben wird?

Unsere Redakteurin Christine Ulrich sprach mit Andrea Betz, die bei dem Verband die Flüchtlingsarbeit leitet.

Die Leichtbauhalle an der Neuherbergstraße ist für 250 Bewohner ausgelegt und soll im Überbrückungsprogramm dort maximal zwei Jahre stehen. Eigentlich sollte die Unterkunft am 26. Februar in Betrieb gehen. Warum hat sich das verzögert?

Einige Baumaßnahmen bei der Versorgungstechnik sind noch nicht fertig. Start ist nun voraussichtlich Mitte März. Angesichts des Vorfalls werden wir schon ab dieser Woche mit unserem Personal vor Ort sein und nicht wie üblich erst zwei, drei Tage vor Eröffnung. Unser Team wird auch aus sehr erfahrenen Mitarbeitern bestehen.

Welche Arbeit haben Sie in diesen Tagen vor?

Wir wollen frühzeitig positiv in die Nachbarschaft hineinwirken. Wir planen, ein Informationsblatt im Viertel zu verteilen, in dem wir auch eine Kontaktperson für Anwohner benennen, die Fragen haben oder helfen möchten. Damit wollen wir bürgerschaftliches Engagement fördern. Die Ehrenamtlichen sind jetzt wichtige Multiplikatoren. Jetzt braucht es ein starkes Netzwerk aus Freiwilligen, umliegenden Einrichtungen sowie Verantwortlichen bei Stadt, Bezirksausschuss und Polizei. Es ist wichtig, dass rund um die neue Unterkunft rasch positive Eindrücke entstehen. Wichtig ist uns auch der Austausch mit den Jugendhilfeträgern vor Ort.

Hat sich schon ein Helferkreis gebildet?

Ja. Bei der Informationsveranstaltung im Dezember haben sich 30 Ehrenamtliche mit Namen und möglichen Einsatzzeiten gemeldet. Das ist eine starke Ausgangsbasis. Unsere Leiterin der Fachstelle Ehrenamt, Martina Kreis, wird sich weiter darum kümmern, dass der Helferkreis seine Arbeit aufnimmt.

Wie bewerten Sie den Anschlag? Es gab ja schon Vorboten: die Zerstörungen auf der Baustelle ...

Was passiert ist, ist entsetzlich. Wir werden verstärkt im Stadtteil daran arbeiten, dass es Begegnungen auf ganz unterschiedlichen Ebenen gibt, damit sich die Menschen gegenseitig kennenlernen und Integration gelingt.

Was leistet die Innere Mission vor Ort?

Sechs Mitarbeiter machen die Asylsozialberatung und Betreuung. Zusätzlich gibt es Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche. Wir sind auch für die Betriebsführung verantwortlich und deshalb mit viel Personal vor Ort.

Aktuell sind in der Unterkunft neun Sicherheitsmitarbeiter eingesetzt. Sollte da aufgestockt werden?

Nein, das halte ich nicht für die Lösung. Die Securitykräfte sorgen für Sicherheit und Ordnung innerhalb des Hauses. Bei Störungen von außen ist die Polizei zuständig.

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