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Josef Schmid ist Bürgermeister und Wirtschaftsreferent.

München geht durch die Decke

Schmid legt neuen Bericht vor: Alles wächst – auch die Mieten

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München wächst und wächst – auch, weil der Arbeitsmarkt boomt. Ein Bericht von Bürgermeister Schmid zeigt: Auch die Mieten wachsen. 

München - Bis zum Jahr 2030 werden wohl 1,8 Millionen Menschen hier leben – derzeit sind es 1,55 Millionen. Die Wirtschaft jedenfalls floriert. Das ist das Resümee des Berichts des Wirtschaftsreferats, der am Dienstag dem Stadtrat vorgestellt wird. Während die Beschäftigungszahlen auf dem Höchststand sind, gibt es allerdings auch Schattenseiten: Mieten und Grundstückspreise explodieren. Hintergrund des Wachstums ist vor allem der breit angelegte Branchenmix. Zudem sei die Landeshauptstadt ein ausgezeichneter Hochschul- und Innovationsstandort, so das Wirtschaftsreferat. Sieben der neun bayerischen DAX-Unternehmen finden sich in München, ebenso wie eine breite Basis gesunder Mittelständler und eine höchst ­aktive Start-up- und Gründungsszene. Die tz erklärt die wichtigsten Fakten:

Branchen

In absoluten Zahlen findet der Großteil des Beschäftigungswachstums in der Dienstleistung statt. 22 563 Arbeitsplätze entstanden hier im Jahr 2016, was einer Steigerung von 3,4 Prozent entspricht. Prozentual verzeichnen öffentliche Verwaltung (7,9 Prozent), Information und Kommunikation (5,7 Prozent) sowie Erziehung und Unterricht (5,5 Prozent) die größten Zuwächse. Anhaltend hoch ist der Bedarf an Mitarbeitern in Naturwissenschaften, Informatik und Technik, im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.

Mieten

Bei allem wirtschaftlichen Glanz bleiben die horrenden Mieten eine große Herausforderung für die Stadt. Normalverdiener haben es schon lang schwer, eine bezahlbare Wohnung zu finden – und die Spirale des Irrsinns dreht sich immer weiter. Die Erstbezugsmieten für Wohnungen erreichten in München im Jahr 2016 einen Wert von 18,39 Euro je Quadratmeter (2015: 17,00 Euro). Die Wiedervermietungsmieten stiegen von 14,80 auf 15,72 Euro. Immerhin: Der Immobilienpreisindex der empirica AG weist für das erste Quartal 2017 vergleichsweise etwas geringere Neubaumieten aus: 16,55 Euro je Qua-dratmeter. Wahnsinn ist das aber immer noch. Zum Vergleich: Die Mieten für neue Wohnungen in den nächst teureren Großstädten Frankfurt am Main und Stuttgart liegen bei 13,37 Euro je Quadratmeter beziehungsweise 12,95 Euro.

Steuereinnahmen

In den städtischen Haushalt flossen 2016 Einnahmen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro. Das entspricht dem Ergebnis von 2015. Bei Gewerbe- und Einkommensteuereinnahmen konnten neue Rekorde verzeichnet werden: 2,58 Milliarden Euro bei der Gewerbesteuer (Vorjahr: 2,45 Milliarden), 1,08 Milliarden Euro bei der Einkommensteuer (1,05). Der Schuldenstand im Stadtsäckel sank zum Jahresende um 49 Millionen Euro auf 765 Millionen Euro. Damit ging die Pro-Kopf-Verschuldung auf 498 Euro zurück – der niedrigste Stand seit 1981. Für das Jahr 2017 ist ebenfalls keine Nettoneuverschuldung geplant.

Arbeitsmarkt

Bei den Beschäftigungszahlen hat die Landeshauptstadt im Jahr 2016 einen neuen Höchststand erreicht. Es gab 24 869 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigte – ein Zuwachs von 3,1 Prozent. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten um etwa 88 500, eine Steigerung von 12,1 Prozent. Laut Wirtschaftsreferat liegt München damit deutlich über den bundesdeutschen und bayerischen Vergleichswerten. Die Arbeitslosenquote sank von 4,6 auf 4,3 Prozent. Knapp 43 000 Menschen waren 2016 im Durchschnitt arbeitslos gemeldet, rund 2000 weniger als noch 2015.

Büromarkt

Der Münchner Büromarkt wies einen Flächenumsatz von 780 300 Quadratmeter auf und lag damit um 3,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Leerstandsquote sank derweil von 3,8 auf 3,0 Prozent. Das Leerstandsvolumen liegt bei 688 200 Quadratmeter. Vor allem in der Altstadt gibt es jedoch kaum Leerstand – weshalb dort auch schon seit Jahren die Mietpreise für Gewerbeimmobilien durch die Decke schießen.

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