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„Das Beste, was mir passieren konnte“: Fabian Wagner am St.-Jakobs-Platz. 1999 lehnte ihn die Hochschule für Fernsehen und Film in München ab, heute zählt er zur ersten Riege von Hollywoods Kamermännern.

Nominiert für den Emmy

Für "Game of Thrones" und "Sherlock": Münchner Kameramann in Hollywood

München - Kameramann Fabian Wagner hat den Sprung von München nach Hollywood geschafft, wo er unter anderem an der Erfolgsserien "Game of Thrones" und "Sherlock" und arbeitete. Jetzt wurde er für einen Emmy nominiert.

„Dass ich bei der HFF damals abgelehnt wurde, war das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Fabian Wagner und lacht. Gemütlich dreht er sich im Innenhof des Stadtcafés eine Zigarette, immer noch ganz der bodenständige Münchner. An der HFF, der Hochschule für Fernsehen und Film München, hatte er sich 1999 beworben und war auch in die letzte Auswahlrunde gekommen. Dann war Schluss. Hätte die Filmhochschule ihn damals genommen, wäre der 37-Jährige heute vielleicht nicht so erfolgreich. Die komplette zweite Staffel des britischen Serien-Hits „Sherlock“ hat Wagner gedreht, in Toronto schuf er für Hollywood-Legende Steven Spielberg die Bilder der Serie „Lucky 7“. Nun erscheint im November mit „Victor Frankenstein“ sein erster Kinofilm, eine großbudgetierte Studio-Produktion, nach einem Drehbuch von Kult-Autor Max Landis.

Fabian Wagner: Leben als Kameramann ist nicht einfach

Einfach ist das Leben als Kameramann allerdings nicht. „Du musst unglaublich viel aufgeben“, erzählt Wagner. Nachdem er an der HFF abgelehnt worden war, habe er sich an der Northern Film School in England beworben und dort prompt einen Master-Studienplatz bekommen. Seine ganze Familie sei jedoch in München geblieben, unter anderem sein damals schwerkranker Vater. „Ich bin seinetwegen oft nach Hause geflogen“, berichtet er. „Einmal saß ich schon im Taxi zum Flughafen, als plötzlich ein Anruf kam. Der Hauptkameramann einer Krimiserie war ausgefallen und sie fragten mich, ob ich eine Woche lang für ihn übernehmen könne.“ Für einen Neueinsteiger, wie Wagner es damals war, ist der Schritt vom Zweit- zum Hauptkameramann gewaltig – eine einmalige Chance. Zehn Minuten vor dem Flughafen habe er das Taxi umdrehen lassen und den Job genommen. Heute geht es seinem Vater wieder gut, und aus dem Zufallsangebot haben sich viele wertvolle Kontakte entwickelt. „Rückblickend war es die richtige Entscheidung“, sagt Wagner. Auch, wenn er damals etwas nervös gewesen sei.

Dieses Jahr ist der Münchner zum zweiten Mal für einen Emmy nominiert, in der Kategorie „Herausragende Kameraarbeit für eine Single-Camera-Serie“. „Single Camera“, so werden in den USA eher filmisch inszenierte Serien genannt, um sie begrifflich von den Sitcoms abzugrenzen, die oft live mit mehreren Studiokameras aufgezeichnet werden.

Seine Nominierung hat Fabian Wagner für Episode acht der vierten Staffel von „Game of Thrones“ bekommen. „Hardhome“ heißt sie, und beinhaltet die bislang aufwändigste Schlachtensequenz des populären Fantasy-Spektakels. Ob bei der Preisverleihung am 20. September sein Name im Umschlag steckt, wird sich zeigen. Aber schon jetzt ist Wagners Erfolg enorm, nicht zuletzt an seinem Alter gemessen. Für Kameramänner dieser Größenordnung ist er mit 37 sehr jung.

Zu verdanken habe er seinen frühen Start der Abenteuerlust englischer TV-Produzenten, wie er berichtet. Für die seien seine ersten Aufträge als „Director of Photography“ eine Risikoinvestition gewesen. „Bei denen war es total egal, wie man ausschaut oder wo man herkommt. Die haben sich gedacht: ’Okay, der Typ ist ganz nett, geben wir ihm eine Chance.’ Wenn du dann am Set einen Fehler machst, bist du aber natürlich weg vom Fenster.“

"A Scandal in Belgravia": Fabian Wangers Arbeit für "Sherlock"

Hart, aber fair. Dann sei nach drei Jahren plötzlich „Sherlock“-Produzentin Sue Vertue auf ihn aufmerksam geworden. Sie lud Wagner nach London ein, zu einem Treffen mit dem Regisseur. Am Ende des Gesprächs hatte Fabian Wagner den Job. Für die Episode „A Scandal in Belgravia“ erhielt er kurz darauf seine erste Emmy-Nominierung. Ab da trat der Domino-Effekt ein. Für die Pilot-Episode von „Lucky 7“ wurde er nach Toronto geholt. „Spielberg ist auch ein ‘Sherlock’-Fan“, erklärt er lächelnd. Und während seines Aufenthaltes in Toronto wiederum kontaktierten ihn die Macher von „Game of Thrones“. Mit denen führte Wagner ein zehnminütiges Skype-Gespräch, dann war er auch für die erfolgreiche Fantasy-Serie gebucht.

Den ersten Drehtag bei „Game of Thrones“ hat der Münchner noch in lebhafter Erinnerung. „Ich kam in das Set – das war damals der ‘Throne Room’, also der Königssaal – und dachte mir nur: Ich habe keine Ahnung, was ich hier machen soll.“ So beeindruckt sei er von der Kulisse gewesen, die gerade für TV-Verhältnisse ungewöhnlich groß gewesen sei. „Das hatte ich damals auf diese Art und Weise noch nicht gesehen.“ Dank der freundlichen Team-Kollegen habe er sich jedoch schnell eingewöhnt.

In Zukunft möchte Fabian Wagner gerne mehr Kinofilme drehen, durch die Arbeit an „Victor Frankenstein“ hat er Blut geleckt. Gemessen an seinem Glück und Talent könnte das klappen.

Marian Meidel

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