Teure Nächte: Zur Wiesn und zu Messezeiten stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis in Hotels oft nicht. Foto: Bodmer
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Teure Nächte: Zur Wiesn und zu Messezeiten stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis in Hotels oft nicht. Foto: Bodmer

Kampf dem Hotelpreis-Wucher

München - Überteuerte Hotels zur Wiesn oder zu Messen - der Ärger darüber ist groß. Jetzt will das Tourismusamt gegensteuern und für mehr Transparenz bei den Preisen sorgen.

Wer keine guten Freunde in München hat, die ein Gästebett zur Verfügung stellen, muss während des Oktoberfestes oder zu Messe-Zeiten kräftig in die Tasche greifen. Um bis zu 400 Prozent stiegen in diesem Jahr die Preise für Hotelzimmer während der Wiesn, klagte das Tourismusamt vor wenigen Wochen. Doch viel tun könne man dagegen nicht, räumt Else Gebauer, Leiterin des Gäste- und Hotelservices im Tourismusamt, ein. „Denn die Hotels unterliegen der freien Marktwirtschaft.“ Angebot und Nachfrage würden nun mal den Preis regeln. Dennoch will Gebauer nicht untätig bleiben und setzt auf das einzige Druckmittel der Stadt: das Unterkunftsverzeichnis.

Jedes Jahr gibt das Tourismusamt diese Broschüre heraus, in der nahezu alle Münchner Hotels aufgelistet sind. Darin geben sie Minimal- und Maximalpreise für ihre Unterkünfte an. In der neuen Ausgabe, die im November erscheint, gibt es eine kleine Änderung: Jetzt müssen die Hotels eine Preisspanne für ein Doppelzimmer Standard angeben - damit sind beispielsweise Suiten von der Preisangabe ausgeschlossen.

„In der Vergangenheit ist die von den Hoteliers angegebene Preisspanne nicht transparent genug gewesen, da oft verschiedene Zimmerkategorien unter einem Preis zusammengefasst worden waren“, sagt Gebauer. Wer eine besonders breite Spanne angab, hätte die beispielsweise mit besonders luxuriösen Zimmern begründet. Da im neuen Unterkunftsverzeichnis nur noch Preise für ein Standardzimmer in der Neben- bis Hauptsaison inklusive Frühstück aufgeführt werden, hofft Gebauer, die Hotelpreise transparenter zu machen.

Gleichzeitig hat das Tourismusamt alle Angaben der mehr als 360 Hotels geprüft. Wer extrem hoch aufgeschlagen habe, mit dem seien Gespräche geführt worden, „um eine Bewusstseinsbildung bei den Hoteliers zu stärken“, berichtet Gebauer. Das Tourismusamt hat besonders einige nicht klassifizierte Hotels im Auge, die ihre Preise während der Messe oder der Wiesn um ein Vielfaches erhöht hatten. Die Gespräche, so Gebauer, seien erfolgreich verlaufen: Die Hoteliers hätten sich einsichtig gezeigt und die angegebenen Preisspannen korrigiert.

Angestoßen hatte die Debatte um überteuerte Hotelpreise Münchens Messechef Klaus Dittrich (wir berichteten). „Das hat aus unserer Sicht nichts mehr mit Marktwirtschaft zu tun, das grenzt an Wucher“, wetterte er bei der Jahreshauptversammlung der Münchner Hoteliers und Gastronome im Juni. Um die Hoteliers in ihrer Preisgestaltung zu zügeln, setzt die Messe ebenfalls auf Transparenz. Mit einer eigenen Hotelbroschüre möchte die Gesellschaft ihren Ausstellern selbst eine Entscheidungshilfe an die Hand geben. Im Januar soll das Heft erscheinen. Darin will die Messe erstmals das Zertifikat „Preferred Partner“ vergeben. „Dabei verpflichten sich die Hotels zum Beispiel, zu Messezeiten ihre Preise nicht über einen bestimmten Prozentsatz anzuheben“, erklärt Messesprecher Dirk Sturny.

Dass Hotels dennoch auf Buchungsplattformen im Internet Zimmer zu überteuerten Preisen anbieten, können aber auch die Unterkunftsbroschüren nicht verhindern - dessen ist man sich im Tourismusamt bewusst. Dass es „schwarze Schafe“ gibt, räumt auch Conrad Mayer, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands in München, ein. „Es handelt sich aber oft um kleinere Häuser, die nicht zertifiziert sind.“ Vor allem Hotels, die in Messenähe, dafür aber außerhalb der Innenstadt lägen, würden schon mal „kräftig aufschlagen“, weil sie sonst Existenzprobleme hätten. Alles in allem sieht Mayer die Lage aber nicht ganz so dramatisch, wie es zuletzt Messechef Dittrich tat. „Im internationalen Vergleich“, meint Mayer, „ist München nicht teuer.“

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