+
Saskia M. suchte im ­Internet nach einer Wohnung. Sie fand auch ein spannendes Inserat, bekam Grundriss und Innenansichten per E-Mail ­zugeschickt – aber keine ­Adresse. Dann wurde sie misstrauisch…

Warnsignale beachten!

Kautionsbetrug: Die miese Masche im Netz

  • schließen

Die Polizei warnt davor und doch kommt es immer wieder vor: Kautionsbetrug. Doch man kann sich schützen, wenn man bestimmte Warnsignale beachtet.

München - Drei Zimmer in Thalkirchen, ganz in der Nähe des Tierparks, 1430 Euro warm – dieses Wohnungsinserat im Internet bei Immobilienscout24 war genau das, was tz-Leserin Saskia M. (40) gesucht hat. Es hat einige Zeit und einige E-Mails hin und her gebraucht, bis bei der Eventmanagerin die Alarmglocken schrillten: Das muss eine Falle sein, Kautionsbetrug! Einer jener Fälle, die derzeit immer wieder vorkommen und vor denen die Polizei warnt!

Saskia M. hatte der angeblichen Vermieterin eine E-Mail geschrieben: Sie interessiere sich für diese Wohnung. Die Antwort kam umgehend. Die Anbieterin wollte eine Zusage im Voraus – sie wohne in Griechenland und müsse für die Übergabe nach München fliegen. M. sollte dann auch direkt bei diesem Treffen die Kaution und die erste Monatsmiete in bar zahlen.

Saskia sagt: „Ich bin nicht gleich misstrauisch gewesen. Die Zweifel wuchsen erst, als ich nachdachte.“ Eine genaue Adresse gab’s nicht, dafür nur Fotos von innen sowie einen Grundrissplan – alles wunderschön. Und wieder der Hinweis: Es muss schnell gehen. „Dieser Zeitdruck hat uns stutzig gemacht, deshalb erkundigte ich mich bei der Polizei“, sagt Saskia M. Dort erfuhr sie, dass es zuletzt mehrere solche Fälle in München gegeben hat. Alle haben sie gemeinsam: Die Kaution ist in bar auszuhändigen oder vorab zu überweisen. M.: „Man sagte mir, dass die Wohnungen meistens gar nicht existieren. Und: Meistens ist es kaum möglich, die mutmaßlichen Betrüger zu ermitteln.“ Die miese Masche geht teilweise so weit, dass die Betrüger eine Ferienwohnung mieten – etwa auf einem Portal wie airbnb. Diese Wohnung können sie dann vorzeigen und vorgeben, sie seien die Eigentümer. Sie kassieren die Kaution und sind dann über alle Berge, bevor der Schwindel auffliegt.

„Die Polizei wollte meinen Fall nutzen, um die Betrügerin in flagranti zu erwischen“

Um zu klären, ob es sich auch bei der Thalkirchner Wohnung um so einen Fall handelt, wollte sich Saskia M. als Lockvogel zur Verfügung stellen, sich zum Schein mit der angeblichen Vermieterin treffen: „Die Polizei wollte meinen Fall nutzen, um die Betrügerin in flagranti zu erwischen.“ Doch dazu kam es nicht mehr: Bei Immoscout24 hatten sich nämlich einige andere misstrauische Wohnungssuchende gemeldet – weshalb das Portal die Anzeige selbst aus dem Angebot nahm und eine Warnung vor der Anzeige ausgab. Saskia M. bekam keine Antwort mehr von der angeblichen Vermieterin – und das für vergangenen Mittwoch geplante Treffen zur Kautionsübergabe kam nicht mehr zustande. Sie ist nun ein gutes Stück misstrauischer und klickt sich mit Vorsicht durch die Wohnungsannoncen – die passende Dreizimmerwohnung war leider noch nicht dabei.

Das sind die Warnsignale:

Der irrsinnige Münchner Mietmarkt ist für einige Betrüger wie eine Einladung, mit falschen Anzeigen schnelles Geld zu machen. Wie erkennt man gefährliche Inserate? Die wichtigsten Tipps:

  • „Die Kaution erst bei der Wohnungsübergabe überweisen“, warnt Anja Franz vom Mieterverein München. Und: Verträge vor der Unterzeichnung von einem Fachmann kontrollieren lassen!
  • Ein Polizeisprecher rät Mietinteressenten, vor einem Vertragsschluss Detektiv zu spielen. Um zu überprüfen, ob die angebotene Wohnung tatsächlich vermietet werden soll, können sie sich zum Beispiel bei der Hausverwaltung erkundigen oder bei Nachbarn klingeln. Wenn Recherchen im Internet ergeben, dass die Wohnung schon mehrfach angeboten wurde, ist Vorsicht angebracht.
  • Die Polizei rät, bei Geldgeschäften Vorsicht walten zu lassen. Verträge nie in Eile unterschreiben, Geld nie im Voraus zahlen, sondern erst dann, wenn sicher ist, dass man die Wohnung bekommt. Wichtig ist es auch, nie vor der Wohnungsübergabe Kontodaten preiszugeben oder eine Ausweiskopie zu verschicken.
  • Aufgepasst, wenn Vermieter sofort zurückschreiben, Zeitdruck aufbauen und sich auffällig um die Mietinteressenten bemühen. Das haben Vermieter auf dem überhitzten Münchner Mietmarkt eigentlich nicht nötig.
  • Das Immobilienportal Immoscout24 warnt davor, Vorauszahlungen zu leisten – wird in einer Antwort auf eine Anfrage um Vorauskassezahlung gebeten, „ist dies ein eindeutiges Zeichen für einen Betrugsversuch“. Seriöse Anbieter verlangen kein Geld vor Besichtigung einer Wohnung, so Immoscout24.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Darauf fährt München ab! Neues Sharing-System für Elektroroller
Ab Ende August sollen 50 rote Elektro-Roller durch München flitzen und für einen sauberen Straßenverkehr sorgen. Münchens Oberbürgermeister Reiter ist begeistert.
Darauf fährt München ab! Neues Sharing-System für Elektroroller
Im Supermarkt per App bezahlen - wir testen das neue System
Keine Warteschlange an der Kasse mehr -  das verspricht ein neues Bezahlsystem, das derzeit in München getestet wird. Wir haben uns das für Sie mal angeschaut und …
Im Supermarkt per App bezahlen - wir testen das neue System
Bundestagswahl: Stadt erwartet mehr als 300.000 Briefwähler
Die Münchner werden in den nächsten Tagen Post von der Stadt bekommen. Die Unterlagen für die Bundestagswahl am 24. September sind versandt worden.
Bundestagswahl: Stadt erwartet mehr als 300.000 Briefwähler
München hebt Verbot auf: Bootsfahrten und Baden in Isar wieder erlaubt
In der Isar zu schwimmen oder auf ihr Boot zu fahren, hätte wegen  der Regenmassen lebensgefährlich werden können. Darum bestand seit Samstag um Mitternacht ein Verbot. …
München hebt Verbot auf: Bootsfahrten und Baden in Isar wieder erlaubt

Kommentare