Für Münchner Spiele: OB Christian Ude und Olympia-Botschafterin Katarina Witt. Foto: dpa

OB Christian Ude im Merkur-Interview

"Kein Olympia ohne Stammstrecke"

München - Die Debatte um eine erneute Olympia-Kandidatur ist voll entbrannt. In München gibt es viel Zustimmung, doch um den richtigen Zeitplan wird erbittert gestritten. OB Christian Ude erklärt seine Pläne im Interview mit dem Münchner Merkur.

 Die CSU plädiert für einen Bürgerentscheid im kommenden April. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) will sich bis zum November Zeit lassen. Wir haben ihn gefragt, warum.

Sie haben den Termin für einen Entscheid ausgerechnet an dem Tag verkündet, als die Initiative „München Pro22“ ihre Pressekonferenz abhielt. Zufall oder Absicht?

Christian Ude: Ich habe erst am Vortag die Zeittabelle des Kreisverwaltungsreferats erhalten. Aber es war natürlich auch Absicht. Ich wollte deutlich machen: Ein Bürgerentscheid wird sowieso und auf jeden Fall durchgeführt. Das hatte ich ja schon im Sommer 2011 versprochen.

Sollte die Initiative genug Unterschriften für einen Entscheid im April sammeln – ist Ihr Ratsbegehren dann vom Tisch?

Ude: Das wäre wahrscheinlich erledigt, ja. Wobei ich noch oft betonen werde: Vor einer Entscheidung des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund, d. Red.) ist ein Bürgerentscheid grotesk, weil man über eine Bewerbung abstimmen will, deren allerwichtigste Voraussetzung noch nicht erfüllt ist. Ein Entscheid ohne Aufforderung des DOSB ist ein schlechter Witz.

Der Sportbund aber hat schriftlich erklärt, er wolle das Bürgervotum abwarten. Das ist wie mit der Henne und dem Ei: Irgendwas muss zuerst da sein!

Ude: Das ist eine Ausrede. Wir haben gemeinschaftlich geklärt, dass das Signal vom Sport ausgehen muss. Dass die Münchner Bevölkerung mehrheitlich für Olympia ist, weiß jeder aus den Umfragen. Die Initiative von Herrn Schmidbauer (CSU-Stadtrat, d. Red.) kann nur die Zahl der Befürworter gefährlich schrumpfen lassen, weil im Frühjahr überhaupt nicht klar ist, ob eine Bewerbung auch Chancen hat.

München - auferstanden aus Ruinen

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Ihnen käme ein Entscheid im April zu früh ...

Ude: Wir wissen doch noch gar nichts! Wir haben keine einzige Sponsoren-Zusage. Wir können nicht sagen, ob der Löwenanteil der Bewerbung von Unternehmen getragen wird oder ob der Steuerzahler mit 30 Millionen Euro belastet würde.

Welche Rolle spielt die zweite Stammstrecke?

Ude: Der Bau der zweiten Stammstrecke ist in unserer Bewerbung 2018 als unverzichtbares Infrastrukturprojekt dargestellt worden. Bis zur Entscheidung müssen wir wissen, ob sie kommt und wie der Zeitplan aussieht. Die Finanzierung wird hoffentlich noch in diesem Jahr geklärt sein.

Knüpfen Sie das Schicksal der Olympia-Bewerbung an den Bau der Röhre?

Ude: Wir hätten große Schwierigkeiten, jetzt das Gegenteil zu behaupten, wie in der letzten Bewerbung. Die S-Bahn ist ein wesentlicher Bestandteil.

Auf den Punkt: Wenn die Röhre nicht kommt, kommt auch Olympia nicht?

Ude: Ja. Aber ich bin überzeugt, dass beides kommt, wenn man keine trottelhaften Fehler macht.

Zurück zum Zeitplan: Sie wollen den Entscheid am 10. November durchführen. Vier Tage später müssen die Bewerbungsunterlagen beim IOC liegen ...

Ude: Da haben Sie ein falsches Wort benutzt. Es müssen keine Unterlagen eingereicht werden. Nur ein Brief! Mehr nicht.

Die CSU sagt, die Zeit reicht trotzdem nicht.

Ude: Falsch. Das ist überhaupt kein Problem. Herr Schmidbauer riskiert, über eine Million auszugeben für einen Entscheid, der vielleicht niemals irgendeine Relevanz entwickelt.

Ein anderer Vorwurf lautet, Sie bremsen, um sich den Ärger mit den Grünen zu ersparen.

Ude: Das ist wirklich lächerlich. Bei der dritten Startbahn hat die CSU exakt das Gegenteil behauptet: Damals wollte ich angeblich den Entscheid, um mir den Ärger mit den Grünen vom Hals zu schaffen. Die CSU verdreht alles, um irgendeinen Vorwurf herauszudestillieren.

2. Stammstrecke am Marienhof: Was die Ausgrabungen alles zum Vorschein bringen:

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Der Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, Thomas Schmid, sagt, er könne sich ebenfalls einen Bürgerentscheid in seiner Stadt im April vorstellen.

Ude: Dass er IOC-Präsident werden will, ist richtig. Das wäre für den deutschen Sport übrigens sehr erfreulich. Aber die ihm unterstellten persönlichen Absichten sind absurd. Hier wird von einem Präsidenten plötzlich erwartet, dass er autokratisch entscheidet.

Es geht doch nicht um eine Entscheidung – nur um Unterstützung.

Ude: Man muss einfach sehen, dass es unterschiedliche Interessen im Sport gibt. Die sind nicht mit einem Machtwort aus der Münchner Wahlurne zu klären.

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Sollte Bach tatsächlich am 10. September zum IOC-Präsidenten gewählt werden, wäre das das Ende der Münchner Bewerbung?

Ude: Nein. Es ist überhaupt nicht wahr, dass ein IOC-Präsident keine Spiele im eigenen Land erleben darf.

Von IOC-Mitgliedern hört man aber immer wieder, man werde Deutschland keine zwei Geschenke machen.

Ude: Umgekehrt kann man sagen: Ein Präsident hat die größten Einflussmöglichkeiten.

Hamburg und Berlin machen sich Hoffnungen auf die Sommerspiele 2024. Welche Rolle spielt das für München?

Ude: Es ist absolut ausgeschlossen, dass dasselbe Land die Spiele 2022 und 2024 bekommt. Ich persönlich halte Sommerspiele in Deutschland für extrem unwahrscheinlich, wegen der enorm großen Konkurrenz. Bei Winterspielen ist die Lage anders. Aber das muss erst eingesehen werden. Man muss überzeugen, nicht überrumpeln.

Interview: Thomas Schmidt

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