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Zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis wurde Peter S. verurteilt, weil der Altenpfleger Senioren bestohlen hatte.

Nirgendwo fallen Urteile so streng aus wie hier

Studie beweist: München hat bundesweit die härtesten Richter - woran liegt das?

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In Deutschland wird nirgendwo so hart geurteilt wie in München. In der bayerischen Landeshauptstadt ist die Justiz besonders hart, wie eine Studie nun beweist.

München - Dass Bayern die härteste Justiz hat, wurde schon oft behauptet. Doch jetzt gibt es den Beweis. Eine Studie belegt: Speziell in München wird besonders gnadenlos Recht gesprochen. Der Forscher Volker Grundies vom Max-Planck-Institut in Freiburg hat 1,5 Millionen Urteile in Deutschland ausgewertet – und kam zum Ergebnis, dass die oberbayerischen Richter die strengsten der Republik sind. Genauer: Sie sitzen im Gerichtsbezirk München I.

Im Vergleich sind die Urteile hier um 24 Prozent härter als im Rest der Republik – und zwar quer durch alle Deliktarten. 800 Amts- und Landgerichte hatte der Forscher in seiner Studie verglichen. Doch nirgendwo fallen Urteile so streng aus wie in München, wo die Strafen 3,9 Monate länger sind als im Bundesschnitt.

Strafprozesse in München müssen Verbrecher demnach besonders fürchten: Diebe erhalten im Schnitt 20 Prozent längere Haftstrafen, Drogendealer sitzen 13 Prozent länger und Räuber elf Prozent. Besonders Gewaltverbrechen werden hart geahndet: Im Schnitt sitzen die Münchner Täter 23 Prozent länger ein, ähnlich streng werden nur Verkehrsdelikte geahndet (21 Prozent länger als der Durchschnitt).

Eher milde Strafen gibt es dagegen in Baden und Schleswig-Holstein. Laut der Studie sitzen die mildesten Richter in Freiburg im Breisgau. Interessant auch: Im Süden gewähren die Gerichte besonders Räubern seltener Bewährungsstrafen als im Norden.

Wie kommt es zu den Unterschieden? Forscher Grundies glaubt: „Die Richter kennen vor allem Urteile aus ihrer Umgebung.“ Über Jahrzehnte sei eine „Vererbung regionaler Traditionen“ bei der Strafzumessung eingetreten. Das glaubt auch Hans-Joachim Heßler, Präsident des Bayerischen Obersten Landesgerichts: „Wir sind besonders gründlich.“

Lebenslang für Stalking-Mord

Seit Juni 2010 ist Michael Höhne Vorsitzender am Schwurgericht, in dieser Zeit hat er bereits mehr als 20 Killer verurteilt. Höhne verhandelt die härtesten Fälle. Mörder und Totschläger fürchten den strengen Richter, der sich besonders intensiv mit den Angeklagten beschäftigt und sie nur selten freispricht. 15 Mal sprach der Richter dagegen die Höchststrafe aus: Lebenslänglich ins Gefängnis schickte er auch Roland B. (47), der seine Ex-Freundin verfolgt und im August 2016 erstochen hatte. Bei ihm stellte Höhne auch die besondere Schwere der Schuld fest. 

Keine Gnade für den Brunner-Mörder

Sein größter Fall bewegte ganz Deutschland: Richter Reinhold Baier verhandelte den Mord an Dominik Brunner. Am 12. September 2009 war der Geschäftsmann (†50) am Bahnhof in Solln niedergeprügelt worden, als er einer Gruppe von Schülern half, die von Jugendlichen bedroht wurden. Vor Gericht kannte Baier keine Gnade mit den Tätern: Den damals erst 18-jährigen Markus S. verurteilte er als Mörder und schickte ihn neun Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Das Urteil gegen Mittäter Sebastian L.: sieben Jahre Knast. Heute verurteilt Baier Terroristen am Staatsschutzsenat.

Dominik Brunner (†)

Dieb klaute im Altenheim und musste jahrelang hinter Gitter

Richter Gilbert Wolf ist charmant im Umgang, doch in der Sache knallhart. Er schickte Peter S. (37) im Juni für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis, weil der Altenpfleger Senioren bestohlen hatte. „Was Sie getan haben, war eine Riesen-Sauerei“, sagte Wolf in seiner Urteilsbegründung. „Unfassbar“ nannte der Richter den Umstand, dass S. wegen Diebstahls sogar erneut straffällig geworden war. Bundesweit bekannt wurde Wolf im März 2009, als er den Sex-Erpresser von BMW-Erbin Susanne Klatten nach nur einem Verhandlungstag verurteilte: Helg Sgarbi musste sechs Jahre ins Gefängnis.

Richter Gnadenlos verknackte Parkhaus-Mörder

Er gilt als unfassbar fleißig und auch unnachgiebig: Mehr als fünf Jahre lang leitete Manfred Götzl den NSU-Prozess am Oberlandesgericht. Sein Urteil nach 438 Verhandlungstagen: lebenslang für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe – mit besonderer Schwere der Schuld. Schon früher galt Götzl als Richter Gnadenlos: Im Prozess um den Parkhaus-Mord an Millionen-Erbin Charlotte Böhringer (r.) schickte er Bence T. lebenslang hinter Gitter. Bis heute umstritten, weil es keine Beweise gab.

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