Fahrzeug-Engpass

Keine Lösung für Trambahn-Not

München - Die MVG hat einen dramatischen Fahrzeug-Engpass bei der Trambahn. Der Plan, verkaufte Fahrzeuge zurückzuholen, ist laut dem Unternehmen aber viel zu aufwändig.

Der Münchner Trambahn-Betrieb ist in einer verfahrenen Situation. Fabrikneue Züge hat die Münchner Verkehrsgeselschaft (MVG) in den vorübergehenden Ruhestand schicken müssen: Schäden an den Rädern vereiteln ihren Einsatz im Tagesgeschäft. Jetzt wird nach anderen oder gebrauchten Fahrzeugen gefahndet. Die müssten aber erst einmal durch den langwierigen Straßenbahn-TÜV unter der Aufsicht der Regierung von Oberbayern.

Selbst wenn es gelingen sollte, Züge aus dem ehemals eigenen Bestand zurückzuholen, würde es Wochen und Monate dauern: Auch diese müssten durch den regierungsamtlichen „TÜV“. Das hat die Regierung von Oberbayern jetzt auf Anfrage bestätigt. Damit gibt es faktisch keine Chance, kurzfristig zu einer Zwischenlösung zu kommen.

Die Bescherung wurde offenbar, als die Techniker der MVG den Zug namens „Va-riobahn“ nach ersten Einsätzen gründlich inspizierten. Da zeigten sich Risse am Gummiring an den Rädern, über den die Radreifen gestülpt werden. Gibt das Gummiteil seinen Geist auf, würde sich auch der Radreifen verabschieden - das Unglück wäre perfekt.

Seither tobt der Streit zwischen Nahverkehrschef Herbert König und dem Schweizer Hersteller Stadler mit Werk in Berlin-Pankow (wir berichteten). „Wer Recht hat, ist nicht zu durchschauen“, mäkelt die CSU-Ratsfraktion.

Der Wechsel der schadhaften Dämpfungs-Gummis bietet reichlich Beschäftigung: Das Modell Vario fährt auf zwölf Rädern. Ein gleichzeitiger Alltagseinsatz aller zwölf Züge verbietet sich wegen der Schadens-Problematik. Lediglich drei sind nach eingehender Inspektion auf Achse. Sie wurden aber nur auf den Linien 19 und 20/21 von der Auf-sichtsbehörde zugelassen. An die geplante Taktverdichtung auf den Linien 15, 25 und 27 müssen die Fahrgäste bis auf Weiteres warten.

Die angekündigte „Angebotsoffensive“ wird sich laut MVG bei der Tram erst verwirklichen lassen, wenn alle Vario-Bahnen im Einsatz sind. Erst jüngst verkündete König, wenn das Waggonwerk bis dahin keine Lösung anbieten könne, werde er die Züge Ende August stilllegen lassen.

Ein Zurück zu den aus München exportierten Alt-Zügen könne es nicht geben, sagt MVG-Sprecherin Bettina Hess. Sie müssten wie andere Ersatz-Züge „zeitaufwändig“ überholt werden und die strengen technischen Prüfungen durchlaufen. Die alten Garnituren seien ja auch abgegeben worden, weil sie unter deutschen Bedingungen nicht mehr einsetzbar seien. Sie tun nun in anderen Ländern Dienst, zum Beispiel in Rumänien. Dennoch laufen die Bemühungen um andere Leihfahrzeuge aus dem Ausland. Natürlich müssten auch sie durch den Regierungs-TÜV.

Über eine nennenswerte Einsatzreserve verfügt die MVG nicht. Hess: „Kein Verkehrsunternehmen der Welt kann eine so große Reserve vorhalten, dass der Ausfall einer ganzen Flotte (gemeint ist die Vario-Bahn) kurzfristig ausgeglichen werden könnte.“ Auf dem rund 75 Kilometer langen Münchner Tram-Netz sind derzeit 88 Züge unterwegs.

Eberhard Geiger

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