Der Skispaß mit Blick auf die Allianz-Arena bleibt auch in diesem Jahr aus. Beim Probebetrieb im Winter 2008 konnten Brettlfans zum ersten und bisher letzten Mal auf die Piste gehen. Foto: Klaus Haag

Keine Pistengaudi am Müllberg

München - Enttäuschung für Brettlfans: Der Fröttmaninger Müllberg wird auch in diesem Winter nicht zur Skipiste. Letztes Jahr erteilte die Stadt dem Betreiber den Zuschlag für den Ausbau zum Skigebiet. Doch nun zeigt sich, dass die Beschaffenheit des Müllbergs mehr Probleme aufwirft als erwartet.

Alles schien bereits unter Dach und Fach. Im November 2011 hatte der Verein „Skiarena Fröttmaning“ das Interessensbekundungsverfahren gewonnen, das die Stadt für den Betrieb des kleinen Skigebiets ausgelobt hatte. Der Vorschlag sei gut - und die Stadt habe ein Interesse, „dass alles bis zur nächsten Saison über die Bühne geht“, hatte es aus dem Sportamt geheißen. Doch nun steht fest: Es wird wieder ein Winter ohne Pistengaudi auf dem Fröttmaninger Müllberg.

„Wir haben schon im April gemerkt, dass wir das unmöglich bis zum Winter schaffen können“, sagt Axel Müller, Vorsitzender des Münchner Skiverbandes und Mitinitiator der Skiarena. Es seien zahlreiche Gutachten in Auftrag gegeben worden, um sicherzustellen, dass der Skibetrieb ohne Risiko durchgeführt werden kann. „Wir waren zu optimistisch“, gesteht Müller ein.

Unter der Oberfläche des Bergs laufen noch immer chemische Prozesse ab. Probleme wirft vor allem das kontaminierte Schmelzwasser auf, das aufgefangen werden muss. „Wir bräuchten eine Drainage im unteren Drittel des Berges. Dann müsste das Wasser aufgefangen und zwischen der Auffang-Wanne und der Autobahn abgeleitet werden“, erklärt Müller. Wie das auf engstem Raum funktionieren kann, „darüber zerbrechen sich gerade Gutachter den Kopf“, berichtet Müller. Eine weitere ungelöste Aufgabe: Wie können die Liftmasten für den geplanten Sessellift ohne Grabungen errichtet werden? In den aufgeschütteten Müll hineinzubohren, ist verboten.

Bei der Stadt wundert man sich indes, dass der Verein nicht mehr in Erscheinung getreten ist. „Wir haben den Verantwortlichen im Frühjahr dazu geraten, in ein sogenanntes Vorbescheidverfahren zu gehen“, sagt Katrin Zettler, Sprecherin im Umweltreferat. Dann hätte die Lokalbaukommission geprüft, ob das Vorhaben im Grundsatz möglich ist. „Nach unseren Informationen ist aber nie ein Antrag eingereicht worden“, sagt Zettler.

Das Ringen um den dauerhaften Skibetrieb im Münchner Norden ist zäh. Nach dem Probebetrieb im Jahr 2008, als die Münchner erst- und bisher letztmals am Müllberg carven konnten, hatte die Stadt verschiedene Bedenken angemeldet. Gleichzeitig hatte der Verein „Skiarena Fröttmaning festgestellt, dass ein rentabler Betrieb mit Anlagen, die jeden Winter neu errichtet werden müssen, nicht möglich ist.

Nun sollte das Skigebiet mit U-Bahnanschluss dauerhaft aufgebaut werden - ein gewaltiges Vorhaben. 60 000 Quadratmeter Bergfläche hat die Stadt als Skigebiet ausgewiesen. Geplant war nun ein Vierer-Sessellift am Nordhang des Bergs. Auf dem Plateau oben und am Südhang sollten zwei „Zwergerllifte“ entstehen. Dazu planten die Betreiber Toiletten, einen Skiverleih sowie eine Tiroler Skihütte mit Gastronomie. Für Schneesicherheit sollten fünf bis sechs Schneekanonen sorgen. Und: Im Sommer sollte eine Rodelbahn Besucher an den Berg locken.

Finanzieren wollte das mindestens zwei Millionen Euro teure urbane Skigebiet ein anerkannter Partner: Die Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental. „Wir haben uns aus dem Engagement zurückgezogen“, bestätigt deren Sprecher Walter Eisenmann. „Die behördlichen Auflagen sind so hoch gewesen, dass uns das wirtschaftliche Risiko zu groß war.“ Dass es diese Auflagen gebe, sei zu verstehen. „Ein Müllberg ist eben problematischer als ein normaler Berg.“ Sollten aber die Genehmigungen vorliegen, „können wir uns vorstellen, wieder einzusteigen“.

Die Skiwelt in Tirol hatte sich von dem Projekt einen Synergieeffekt versprochen. „Unser Hauptmarkt liegt im Münchner und südbayerischen Raum“, sagt Eisenmann. Kinder und Jugendliche, die am Müllberg das Skifahren lernen, sollten nach Österreich gelockt werden. Die Saisonkarte für die Skiwelt sollte auch für die Münchner Lifte gelten.

Seinen Traum aufgeben will der Verein „Skiarena Fröttmaning“ noch nicht. „Wir werfen nicht die Flinte ins Korn“, kündigt Müller an. Der Skiverbandsvorsitzende sieht jeden Tag, wie begeistert Münchner Kinder und Jugendliche an den Wintersport gehen. „Das zeigt mir, dass wir mit einem Trainingscenter in München auf dem richtigen Weg sind.“

Caroline Wörmann

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