In manchen Stadtteilen fehlt es an Kinderärzten. Ganz München jedoch ist überversorgt. Daher die Niederlassungssperre. dpa

Kinderärzte als Mangelware

München - In einzelnen Stadtteilen fehlt es hinten und vorne an Kinderärzten. Weil ganz München aber als überversorgt geht, dürfen sich weitere Kinderärzte nicht in der Stadt niederlassen.

Die Situation klingt paradox: Kinderärzte sind in manchen Stadtteilen absolute Mangelware. Wie berichtet, fehlt in der Riemer Messestadt jegliche Praxis. Wie gestern das Gesundheitsreferat mitteilte, spielen Milbertshofen, das Hasenbergl wie auch Ludwigs-, Isar- und Maxvorstadt ganz unten auf der Rangliste mit. Trotzdem, mehr Kinder- und Jugendmediziner dürfen sich in München nicht niederlassen. Auf dem Papier ist die gesamte Stadt überversorgt.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) rechnet vor: 114 Sitze von Vertragsärzten auf je 14 188 junge Patienten ergeben eine Versorgungsdichte von 123 Prozent. Das werde den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung nicht gerecht, räumt der stellvertretende Vorstand der KVB, Gabriel Schmidt, ein. Einzelne Stadtbezirke könnten bei der Vergabe von Praxiszulassungen aber nicht unterschiedlich gewertet werden, weil das Sozialgesetzbuch München als Einheit sieht.

Ein Zustand, den die Vorsitzende des Milbertshofener Bezirksausschusses Antonie Thomsen (SPD) zwar versteht, aber nicht nachvollziehen kann. „Nicht einmal die Nachfrage steigert hier das Angebot.“ Seit sie die Statistiken kenne, sei ihr Viertel unterversorgt. „Das ist schon bitter.“ Hart treffe es die Siedlung an der Nordhaide, die viele Familien anlockt.

Sie hofft, dass in den neuen Wohnungen des gemeinnützigen Wohnungsunternehmens GWG am Harthof Praxen entstehen. Günstige Räume, heißt es aus dem Gesundheitsreferat, seien der einzige Weg, um Ärzte zu verlocken, umzuziehen. Wer aber für teils enorme Summen eine Praxis übernimmt, sei selten gewillt, den Patientenstamm des Vorgängers aufzugeben.

In der Messestadt hoffen die Bewohner auf eine Sonderzulassung. Mögliche Interessenten möchte die Stadt unterstützen. Ein konkreter Antrag sei laut KVB aber noch nicht gestellt worden. Die gesetzlichen Vorgaben seien in einer Großstadt aber „so gut wie nicht zu erfüllen“. Nach der Rechtsprechung muss es Patienten zugemutet werden, einen Kinderarzt in einem anderen Stadtteil aufzusuchen.

Einen Hoffnungsschimmer für die Zukunft gibt es jedoch: Aktuell verhandeln verschiedene regionale KVen darüber, eine „kleinräumige“ Bedarfsplanung vorzunehmen. Anfang 2010 sollen die ersten Ergebnisse vorliegen, die später in Gesetzesform gegossen werden könnten.

Kolja Kröger

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