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Die Haunersche Kinderklinik. 

Interview

Abteilungsleiter in der Kinderklinik: „Wir sind immer wieder überbelegt“

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Professor Johannes Hübner ist Kinderarzt und Abteilungsleiter für Infektiologie an der Kinderklinik am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. Wir sprachen mit ihm über die aktuelle Krankheitswelle.

Stimmt es, dass die Haunersche Kinderklinik im Moment voll ist und keine neuen Patienten aufnehmen kann?

Johannes Hübner: Wir – wie auch die anderen Münchner Kinderkliniken – waren in den letzten Tagen und Wochen immer wieder überbelegt. Vor allem in der Wintersaison passiert es leider, dass Kliniken keine Patienten mehr aufnehmen können – auch in München. Das ist sicher zum Teil ein strukturelles Problem. Man kann nicht immer so viele Betten bereithalten, da sind die Kapazitäten begrenzt. Zu anderen Jahreszeiten stehen diese Betten dann leer. Wir haben aber auch derzeit einen hohen Durchsatz, das heißt, Kinder werden wieder rasch entlassen, wenn es ihnen besser geht, sodass dieser Zustand nie lange besteht.

Sind zurzeit besonders viele Kinder krank?

Hübner: Die Grippewelle – und damit meine ich nicht nur die Influenza, sondern auch andere Atemwegserkrankungen – ist heuer schon stärker als im Jahr zuvor. Wir haben in dieser Saison, die normalerweise etwa von Mitte Oktober bis Ende April geht, schon deutlich mehr Fälle als im ganzen Vorjahreszeitraum.

Woran leiden Ihre kleinen Patienten besonders häufig?

Prof. Dr. Johannes Hübner: Kinderarzt am Dr. von Haunerschen Kinderspital

Hübner: Das ist vor allem Influenza A und B sowie das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV. Vor allem Letzteres ist eine typische Kinderkrankheit im Winter. Weil sie hochansteckend ist, stellen uns diese Patienten vor besondere Herausforderungen.

Inwiefern?

Hübner: Weil wir alle diese Kinder isolieren müssen – und das schränkt unsere Aufnahmekapazitäten noch mehr ein.

Was passiert, wenn wie jetzt alle Betten belegt sind – und ein neuer Patient eingeliefert wird? Wird das Kind weggeschickt?

Hübner: Dann müssen wir erst einmal herumtelefonieren und bei den anderen Münchner Kliniken anfragen. Wenn wir voll sind, schicken wir die Kinder meistens in nahe gelegene Kliniken wie den Dritten Orden, nach Schwabing oder Harlaching. Die Kollegen dort machen das genauso, wenn sie keine Betten haben und bei uns Platz ist. Es kommt auch mal vor, dass ein Kind zum Beispiel nach Starnberg oder Augsburg gebracht werden muss, weil alle Münchner Kinderkliniken voll sind. Das wird dann durch uns veranlasst, aber das ist bisher glücklicherweise eine Seltenheit.

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