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Seit 2011 hilft die bayerische Kinderschutzambulanz dabei, landesweit Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch aufzudecken.

60 Fälle pro Jahr

Gestolpert oder geschlagen? Das macht die Kinderschutzambulanz

Seit 2011 hilft die bayerische Kinderschutzambulanz dabei, landesweit Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch aufzudecken. Das Ziel: Missbrauch erkennen und stoppen. 

München - Blaue Flecke, Beulen und Kratzer: Oft lässt sich nicht sagen, ob solche Verletzungen bei Kindern vom Toben kommen oder Hinweise auf Misshandlungen sind. 

Ärzte, Kindergärten und Jugendämter in ganz Bayern können sich seit 2011 in Verdachtsfällen an die Kinderschutzambulanz wenden - und das rund um die Uhr. Etwa 2000 Anfragen bearbeitete die Einrichtung am Rechtsmedizinischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München bisher, wie Ambulanz-Chefin Elisabeth Mützel am Mittwoch bilanziert. Das Ziel: Missbrauch erkennen und stoppen.

Wie arbeitet die Kinderschutzambulanz?

Anhand von Fotos beurteilt das Ambulanzteam Verletzungen, erstellt Gutachten und untersucht die jungen Patienten gegebenenfalls auch. „Wir haben pro Jahr über 60 Fälle an körperlichen Untersuchungen“, erklärt Mützel. Die Dokumentation der Verletzungen erfolge standardisiert - in Wort und Bild. „Quasi gerichtsverwertbar, weil wir nicht wissen, wie es hinterher weitergeht.“ Entweder gehe es zum Familien- oder zum Strafgericht. Was am Ende aus den Fällen werde, könne aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht weiterverfolgt werden.

Was für Fälle werden bearbeitet?

Pro Tag kümmern sich die Medizinier vom Ambulanzteam durchschnittlich um einen Fall. Sie beurteilen zum Beispiel, ob Babys heftig geohrfeigt wurden oder nur heftig gegen die Badewanne gestoßen sind - oder wie Verletzungen in Intimbereich zustande gekommen sind. „Wir sind nicht da, um irgendjemanden in die Pfanne zu hauen. Sondern wir wollen objektiv und neutral beurteilen, weil nur das dem Kind weiter hilft“, sagt Mützel.

Im Fall eines vierjährigen Jungen mit Blutergüssen an den Schienbeinen und am Kopf seien zum Beispiel die Eltern unter Verdacht geraten, ihr Kind misshandelt zu haben. Die Ambulanz habe in Kooperation mit der Kinderklinik in München schließlich aufgedeckt, dass der Junge unter einer schweren Kolagenerkrankung leide. Es gebe aber auch Fälle, die nicht eindeutig seien, sagt Mützel: „Wenn wir es anhand der Verletzungen nicht eindeutig klären können, dann sagen wir das auch.“

Wie sieht die Ambulanz aus?

Die Ambulanz wirkt freundlich und hell. Spieluhren, Stofftiere und Spielsachen zwischen Untersuchungsliege und einem gynäkologischen Untersuchungsstuhl sollen die Kinder beruhigen. Über das Geschehen werde nicht mit ihnen geredet - „wir hören uns von den Erwachsenen an, was berichtet wird“ sagt Mützel. Die Kinder würden auch nicht zu Untersuchungen gezwungen. Man müsse sensibel vorgehen, um das Vertrauen der jungen Patienten zu gewinnen. „Die Ambulanz ist die Brücke zwischen Jugendamt und Medizinern“, sagt Bayerns Familienministerin Emilia Müller (CSU), deren Ministerium die Einrichtung mit weiteren 1,7 Millionen Euro fördert.

dpa

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